Autonomes Fahren E-Mobilität

Reallabor Hafencity – mit Tempo 25 autonom durch Hamburg

Volkswagen-Tochter IAV baut autonomes Shuttle für den Hamburger Nahverkehr.

Von Fynn Göttsche

Pünktlich zum ITS Weltkongress im Oktober sollte das autonome Shuttle HEAT durch die Hamburger Hafencity fahren. Nun konnte es bereits zwei Monate früher vom Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) für den Fahrgastbetrieb eröffnet werden. Drei Jahre arbeiteten mehrere Partner an der Realisierung von HEAT. Die Abkürzung steht für „Hamburg Electric Autonomous Transportation“ und genau darum geht es: Ein fahrerloser, elektrischer Kleinbus als Teil des ÖPNV. Beteiligt sind unter anderem die Stadt Hamburg und die Hamburger Hochbahn. Auf einer 1,8 Kilometer langen Strecke durch die Hafencity entlang von Elbphilharmonie und Speicherstadt bewegt sich das Shuttle mit bis zu 25 km/h und ist damit unter vergleichbaren Projekten die absolute Spitze in Europa. Gebaut wurde der Prototyp von der IAV GmbH. Die „Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr“ trug neben der Konstruktionsleistung auch die Sensorik und die Datenverarbeitung bei.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung von IAV Matthias Kratzsch ist besonders stolz auf den flüssigen Ablauf der vollständig autonomen Fahrt bei bis zu Tempo 25. Dies wird durch das Zusammenspiel von IAV-Sensorik auf der Strecke sowie einer Leitstelle der Hamburger Hochbahn erreicht. Ein abruptes Abbremsen oder holprige Überholvorgänge konnten gegenüber vorherigen Testphasen ohne Fahrgäste verringert werden. Auch Fahrten bei Regen oder Linksabbiegen sind keine Probleme mehr. Das Fahrzeug kommuniziert mit Ampeln und Masten auf der Strecke und kann so regelrecht um die Ecken sehen. Dennoch sind etwa Falschparker im Kreuzungsbereich der belebten Hafencity eine Herausforderung. Dafür ist das Shuttle noch mit zwei Sicherheitsfahrern ausgestattet, welche im Notfall eingreifen können. Die komplexe Verkehrsführung in der Hamburger Hafencity macht die Fahrt besonders anspruchsvoll und stellt das Projekt gegenüber ähnlichen Versuchen heraus und macht es einzigartig. Andere Versuche fanden etwa auf abgesperrten oder zumindest wesentlich ruhigeren Strecken statt, zudem mit weitaus geringerer Geschwindigkeit, wie IAV-Chef Kratzsch betont.

Autonomes Fahren hat bei der IAV Tradition. Bereits seit der Mitte der 1990er Jahre forscht das Unternehmen in diesem Bereich. So gelang es den Ingenieuren erstmals 2003 ein autonomes Fahrzeug auf einer Straße fahren zu lassen.

Das Projekt HEAT im Reallabor Hafencity ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft der modernen Mobilität. Elektrisch, autonom und vernetzt sind die bekannten Schlagworte, die auch der Versuchsaufbau in Hamburg in sich vereint. Die Hansestadt will Vorbild für andere Metropolen auf der Welt sein, die so ihr Angebot im Öffentlichen-Personen-Nahverkehr ausbauen können. Die Erkenntnisse werden in zwei Monaten auf dem ITS-Weltkongress erstmals der Fachwelt vorgestellt. Die Hamburger Bürger können es bereits heute kostenlos testen. Lediglich die Registrierung in der HEAT-App ist notwendig um die etwa fünfzehnminütige Fahrt im Shuttle anzutreten.

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