Fahrbericht

Seat Ibiza und Arona – urbane Mobilität im urbanen Umfeld

Seat lud zur Fahrpräsentation seiner beiden Einstiegsmodelle Ibiza und Arona. Der Kleinwagen und das Mini-SUV wurden in ihrer natürlichen Umgebung präsentiert. Urban ist das Stichwort, was vielfach fällt und so wählte die spanische Volkswagen-Tochter die baskische Metropole Bilbao für die Vorstellung der neuesten Modellreihen. Die Testfahrt beginnt direkt gegenüber des weltberühmten Guggenheim-Museums, das der Architekt Frank Gehry entwarf. Die Eröffnung dieses avantgardistischen Gebäudes im Jahr 1997 gab der gesamten Stadt einen Aufschwung, der als Bilbao Effekt berühmt wurde. Das Gebäude inspirierte sogar die US-Zeichentrickserie „Die Simpsons“ in der Frank Gehry ein Konzerthaus in Springfield baute, das dem Guggenheim Bilbao zum Verwechseln ähnlich sieht. So ist es auch bekennenden Kunstbanausen ein Begriff. Internationalen Ruhm vereinigen auch die beiden Seat-Modelle auf sich. Der Ibiza ist mit sechs Millionen Einheiten seit 1984 der meistverkaufte Seat aller Zeiten. Der Arona kann sich mit 400.000 abgesetzten Modellen seit der Präsentation im Jahr 2017 ebenfalls sehen lassen. Nur der Leon setzt sich stärker ab. Zusammen machen die Verkäufe der beiden „Kleinen“ 40 Prozent aus.

Auf dem europäischen Markt wuchs der Hersteller in den vergangenen drei Jahren stärker als alle anderen. Da Seat sich als Einstiegsmarke für ein besonders junges Publikum versteht, liegt der Fokus auf den urbanen Räumen nahe. In einer pulsierenden, aufgrund seiner vielen Universitäten auch modernen Metropole wie Bilbao wird dies besonders deutlich. Durch die engen, teils steilen Straßen der Altstadt schlängeln sich beide Modelle souverän. Totwinkel- und Abstandswarner schützen vor Radfahrern oder Pollern und helfen beim Manövrieren in die meist schmalen Parkbuchten. Die Verkehrszeichenerkennung erinnert beständig an das seit Mai dieses Jahres in ganz Spanien geltende Tempo 30 innerorts. Auch temporär und manchmal unglücklich aufgestellte Schilder wie in Baustellen erkennt dieses Auto. Von der eigenen Sorgfaltspflicht entbindet das System natürlich nicht, doch ist es eine willkommene Unterstützung. Die Assistenzsysteme gehen aber noch weiter. Bisher nur aus den höheren Klassen bekannte Funktionen wie Spurhalte- und Spurwechselassistenten, wie auch Travel- und Frontassist sind erstmals bei den Einstiegsmodellen von Seat erhältlich. Durch die Systeme wird ein halbautonomes Fahren der Stufe zwei möglich. Hinzu kommen noch Fernlicht- und Einparkassistenten.

Auch bei der Fahrt ins Umland der Metropole ist der urbane Charakter der zwei neuen Spanier zu spüren. Die Geschwindigkeitsbegrenzungen von Tempo 90 auf Landstraßen und 120 auf Autobahnen machen freilich keine Probleme. Besonders im Ibiza fällt allerdings auf, dass auch schon ein geringes Überschreiten des spanische Tempolimits akustisch bemerkbar ist und Fahrgeräusche zunehmen. Ein Punkt der auf dem deutschen Markt durchaus relevant sein könnte. Ansonsten sind beide Modelle im Antritt souverän, nicht nur sofern die FR Variante mit 150 PS gewählt wird. Kleinere aber völlig ausreichende Motoren stehen ebenfalls zur Verfügung. Für den Ibiza gibt es sechs Aggregate von 80 bis 150 PS, beim Arona sind es fünf mit 90 bis 150 PS. Neben den Benzinern ist ein Erdgas-Antrieb (CNG) erhältlich, der geringere Emissionen verspricht. Hybridmodelle sind nicht enthalten. Bei der Fahrt durch die Hügel an der Küste der Biskaya zeigen sich doch deutliche Unterschiede. Der eher gemächliche Arona ist aufgrund seiner Form in den Kurven etwas träger und dadurch stärker zu spüren. Der Ibiza ist mit seinen geringeren Maßen und Gewicht natürlich im Vorteil.

Auf der Fahrt durch Bilbaos Umland kommen wir auch durch Gernika. Die heilige Stadt der Basken, die in Pablo Picassos Gemälde Guernica Weltgeltung erhielt. Die künstlerische Bedeutung eines Picasso ist beim Design der Seat-Modelle freilich nicht zu erwarten, doch verstecken müssen sie sich nicht. Beide haben im Äußeren gegenüber der Vorgängermodelle nur unwesentliche Veränderungen erfahren. Beim Arona wird das Facelift deutlicher als beim Ibiza. Der Stoßfänger wurde neugestaltet und soll den Offroad-Charakter des kleinen Stadtgeländewagens hervorheben. Eine erneuerte Scheinwerfersignatur aus LEDs erhalten beide Modelle. Ihnen gemein ist zudem die Betonung der Seat-Design-DNA. Die Modellbezeichnungen wurden in Handschrift-Optik auf dem Heck angebracht und auch das Logo wurde verändert. Seat möchte so den jugendlichen und emotionalen Charakter der Einstiegsmodelle herausstellen. Als Marke überzeugen die Spanier weit mehr als andere Kunden von Mitbewerbern und Erstbesitzer. Für 56 Prozent der Seat-Fahrer ist es entweder ihr erstes Auto oder sie fuhren zuvor einen anderen Hersteller. Innerhalb des Volkswagen Konzerns hat die spanische Tochter damit eine feste Rolle neben den Schwestermarken gefunden. Die beiden Kleinen arbeiten dies ansehnlich heraus und konzentrieren sich dabei auf die Kernkompetenzen. Auch wenn Kleinwagen und Mini-SUV nach eng und ungemütlich klingen mögen, ist dies nicht der Fall. Selbst mit knapp zwei Metern Körpergröße lässt es sich bequem sitzen. Der Stauraum reicht für Einkäufe oder einen Wochenendtrip und auch im Fond kommen zumindest auf Kurzstrecken keine Klagen auf.

Während das Exterieur eine Evolution erfuhr, spricht Seat beim Interieur von einer Revolution. Diese geht dabei noch über die Assistenzsysteme hinaus. Konnektivität dank „embedded SIM“ und Seat Connect ist gewährleistet. Kompatibilität mit Apple CarPlay oder Android Auto kommt hinzu. Remote-Services bieten von überall Zugriff auf Fahrzeugdaten oder Standort. Vergessen wo man geparkt hat, gehört so auch der Vergangenheit an. Wer sein Auto verleiht, kann auf Wunsch benachrichtigt werden, wenn dieses zu schnell unterwegs ist. Besonders die Eltern von Fahranfängern dürfte diese Funktion interessieren. Mit Hola Hola lässt sich zudem die Sprachsteuerung aktivieren.

Der Seat Ibiza und der Seat Arona sind bereits konfigurierbar. Die Preise beginnen bei 14.950 für den Ibiza beziehungsweise 18.860 Euro beim Arona. Beide sind in den Ausstattungsvarianten Reference, Xperience, Style und FR erhältlich.

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