E-Mobilität Fahrbericht

VW ID.4 GTX: Atemberaubende Dynamik

Fahrpräsentation des neuen Performance E-SUV zwischen Wolfsburg und Harz.

Von Alexander Voigt und Tim Westermann

Vor wenigen Wochen überraschte Volkswagen mit der Nachricht, dass die Performance-Modelle der vollelektrischen ID.-Familie nicht etwa auch das Label „GTE“ erhalten, sondern vielmehr mit neuen Kürzel „GTX“ auf den Markt kommen werden. Wer an dieser Entscheidung auch nach den ersten Fahreindrücken weiterhin zweifelt, der sollte mit seinem Empfinden noch einmal hart ins Gericht gehen: Ein Exemplar könnte sofort in das Zeithaus der Autostadt rollen. Der neue Volkswagen ID.4 GTX ist ein Meilenstein vollelektrischer Mobilität.

Nota bene: Das sportliche E-SUV hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 2.750 Kilogramm, eine Höchstgeschwindigkeit von 180 Stundenkilometern und beschleunigt mit 6,2 Sekunden eine Zehntelsekunde schneller von Null auf Tempo 100 als ein aktueller Golf GTI. Diese herausragenden Fahrleistungen werden durch ein völlig neu entwickeltes Antriebskonzept realisiert: Der ID.4 verfügt über einen Dualmotor Allradantrieb. Zwei E-Maschinen – je eine an der Vorder- und Hinterachse – sind ohne Kupplung oder Kardanwelle rein „elektrisch“ miteinander vernetzt. Gemeinsam kommen sie auf eine Systemleistung von 220 kW / 299 PS. Die (hintere) Hauptmaschine sorgt dabei für 150 kW / 204 PS mit einem Drehmoment von 310 Newtonmeter, die vordere verfügt über 80 kW / 109 PS und 162 Nm.

Im NEFZ-Zyklus verbraucht der ID.4 GTX 16,3 kWh Energie. Die 77-kWh-Batterie ermöglicht eine kundennahe Reichweitenspanne von 340 bis 480 Kilometern im WLTP.

Das Highlight des Fahrzeuges – der von Volkswagen entwickelte elektronische Fahrdynamikmanager – steuert nicht nur das Zusammenspiel der beiden E-Motoren, sondern verknüpft den Antrieb mit den Regelsystemen der Bremsen und des Fahrwerkes. Er überwacht sämtliche Bewegungen des ID.4 GTX – ob Beschleunigen, Bremsen oder Kurvenfahrt. Der Fahrdynamikmanager arbeitet eng mit der Stabilitätskontrolle ESC und der Allradregelung zusammen. Die elektronische Quersperre XDS+, die ebenfalls an den Manager angebunden ist, rundet bei schneller Kurvenfahrt das Handling ab: Sie bremst die entlasteten kurveninneren Räder leicht ab – damit dreht sie das Auto je nach Bedarf leicht in den Kurvenradius hinein. Ebenfalls an das System angeschlossen ist die Regelung der adaptiven Stoßdämpfer (DCC, Sportpaket „Plus“), deren Härte für ein agiles und präzises Handling bis zu 200 Mal pro Sekunde angepasst werden kann. Dank dieser Vernetzung liegen Fahrdynamik, Traktion und Stabilität trotz der Höhe und des Gewichtes des E-SUV auf dem Niveau einer deutlich flacheren, sportlicheren Karosserie. Im Zusammenspiel mit der guten Lenkansprache sorgen die Regelungen des Fahrdynamikmanagers für eine lineare, vorhersehbare Fahrzeugreaktion bei gleichzeitigem hohem Gesamtkomfort des ID.4 – ein unglaublicher Fahrspaß ist somit garantiert. Die pure Kraftentfaltung und Kurvendynamik des ID.4 GTX ist schlicht atemberaubend: Kurvenstrecken des Oberharzes und Überholsituationen – zum Beispiel unmittelbar ab Ortsausgängen – werden noch einmal ganz anders (er)fahrbar.

Das Exterieur-Design unterscheidet die Performance-Version deutlich von den bisherigen ID.4-Modellen. Der vordere Stoßfänger des GTX glänzt durch das typische Wabendesign der Volkswagen GT-Modellfamilie; auch beim GTX ergänzt durch (drei) Zusatzlichter auf jeder Seite. Die untere Beplankung der Türen ist in der jeweiligen Wagenfarbe; das Dach inklusive der Säulen und der Reling immer in Schwarz gehalten. Das Heck ziert der „GTX“-Schriftzug und verdeutlich dem nachfolgenden Verkehr unmissverständlich, warum dieses Fahrzeug sportlich gefahren auf einmal ganz schnell weit weg sein kann. Trotzdem verfügt der ID.4 GTX über eine elektrisch klappbare Anhängerkupplung mit der Anhängelast von 1.400 Kilogramm (gebremst, acht Prozent Steigung), die ihn zu einem echten „Allrounder“ macht. Denn der Allradantrieb leistet nicht nur im „Sport“-Modus gute Dienste sondern auf „Traction“ geschaltet eben auch auf einer nassen Pferdewiese oder im bergigen Gelände.

Das Interieur ist ebenfalls ein echter Hingucker: Die Türverkleidungen und die Abdeckung der Instrumententafel erfreuen den Kunden in einem stilvollen Dunkelblau (das auf den Bildern deutlich heller als in der Realität wirkt) mit roten Nähten, die auch bei den Sitzen Wirkung hinterlassen. Optional gibt es auch elektrisch verstellbare 12-Wege-Sportsitze mit „Aktion Gesunder Rücken“-Siegel. Der Gepäckraum des ID.4 GTX fasst 543 Liter, durch das Umklappen der Fondlehnen wächst er auf 1.575 Liter (dachhoch beladen). Wie bei den anderen ID.4 Modellen stellt Volkswagen beim ID.4 GTX verschiedene Konfiguration-Pakete zur Wahl. Sie heißen Design, Comfort, Infotainment, Assistance und Sport und sind alternativ auch in einer „Plus“-Variante erhältlich, so dass in sämtlichen Bereichen kaum ein Wunsch unerfüllt bleibt.

Der Volkswagen ID.4 GTX wird noch im Sommer in die europäischen Märkte starten. In Deutschland liegt sein Grundpreis bei 50.415 Euro, auf die der Kunde 7.500 Euro Förderung (netto) beantragen kann.

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