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Tagesspiegel Future Mobility Summit 2021: Mobilität von Morgen in Theorie und Praxis.

Bereits zum elften Mal lud der Berliner Tagesspiegel zum Future Mobility Summit. Prominenz aus Politik und Wirtschaft gaben sich die Klinke in die virtuelle Hand. Unter anderem Ministerpräsident Söder, Wirtschaftsminister Altmaier, der britische Investitionsminister Lord Grimstone of Boscobel und auch die Umweltaktivistin Luisa Neubauer nahmen per Lifestream oder vor Ort teil. Viel wurde über künftige Maßnahmen für eine neue Mobilität gesprochen. Der Konsens war klar: autonom, elektrisch und vernetzt. Der Weg und die Geschwindigkeit wurden hingegen heiß diskutiert. 

Manchen kann es nicht schnell genug gehen und sie würden lieber gestern als morgen gänzlich auf den Verbrenner und den Individualverkehr verzichten. Anderen mahnen, den Wandel sozial verträglich zu gestalten und den ländlichen Raum nicht zu vergessen. Weitere Teilnehmer sprachen über die Art der Antriebe und besonders der Herausgeber des Tagesspiegels Stephan Casdorff fragte seine Gäste regelmäßig nach der Rolle des Wasserstoffs. 

In mehreren Panels und auf virtuellen Bühnen wurden Detailfragen der Mobilität von Morgen diskutiert. Etwa der Datenraum Mobilität, die Bedeutung des Wasserstoffs bis 2050 oder die kommende Bundestagswahl. Die oftmals sehr theoretischen und vagen Fernziele wurden durch praktische Beispiele der Mobilitätswende ergänzt. So berichteten ein E-Bike-Hersteller oder Start-Ups über ihre Lösungsansätze. Besonders anschaulich wurde die Zukunft im Pilotprojekt HEAT. Das Programm war Kern eines Panels zum Thema „Urbane Mobilität – flexibel und sicher“. Die Teilnehmer waren Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hochbahn, Thomas Walbrun von Siemens, Prof. Dr. Frank Köster vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie Jürgen Müller von IAV. Sie alle sind Teil des Konsortiums hinter dem Forschungsprojekt. HEAT steht für „Hamburg Electric Autonomous Transport“. Die Gruppe betriebt einen autonom fahrenden Kleinbus in der Hamburger Hafencity. Von der Forschung an diesem Shuttle und den besonderen Herausforderungen an den autonomen Pendlerverkehr gab es viel zu berichten. Stellvertretender IAV-Vorstand Müller mahnte besonders bei der Cybersicherheit. Die Systeme müssen gegen Hackerangriffe geschützt werden, damit automatisierte Shuttles im urbanen Umfeld eingesetzt werden können. Ein wichtiger Punkt ist auch die Akzeptanz des fahrerlosen Verkehrs. Viele Menschen sind Umfragen zufolge noch skeptisch und deren Zahl nahm in den vergangenen Jahren eher zu. Hochbahnchef Falk wies hingegen darauf hin, dass kaum jemand bisher überhaupt autonom gefahren sei. Die Menschen sollten in die Hamburger Hafencity kommen und HEAT kennenlernen. Denn Akzeptanz würde nur durch ausprobieren geschaffen. 

Auf die Frage nach den „Lessons learned“ sagt Müller von IAV: „Die wichtigste Lesson learned ist, dass es sich bei HEAT um ein System of Systems handelt.“ Dies bedeutet, dass zahlreiche Bereiche immens eng vernetzt sind und genau aufeinander abgestimmt werden müssen. Deutlich wurde dadurch, welch große Herausforderung das Projekt darstellt. Statt wie geplant mit Tempo 50, ist der Shuttle bisher nur halb so schnell unterwegs. Doch auch dies will das Team hinter HEAT demnächst lösen. Hochbahnchef Falk sagt vorsichtig: „Auf dem Papier wirken Dinge einfach, doch müssen sie erst erprobt werden.“ HEAT ist ein Forschungsprojekt mit Vorreiterrolle. Wenn es hingegen repräsentativ wäre, wäre es laut Falk das Ende des autonomen Personenverkehrs. Entsprechend motiviert und ambitioniert sind die Panelmitglieder, ihr Projekt zu optimieren, denn: Als die Moderatorin zum Abschluss fragt, wann die App zum rufen eines autonomen Shuttles kommt, antworten die vier Teilnehmer übereinstimmend etwa Mitte des Jahrzehnts. 

Beim Tagesspiegel Future Mobility Summit wurde deutlich, dass die Coronapandemie wie ein Katalysator auf die zentralen Fragen des Verkehrs der Zukunft wirkt. Leere Straßen, Homeoffice und die Angst vor der Ansteckung im ÖPNV wirbelten den Sektor durcheinander. Bei allen Herausforderungen wurde klar, dass die Industrie diese allein nicht lösen kann, sondern immer auf die Zusammenarbeit mit den Kommunen und staatlichen Akteuren angewiesen ist. Verband der Automobilindustrie-Chefin Hildegard Müller machte deutlich, dass der Wandel ohne die geeignete Infrastruktur nicht gelingen kann. Dies zeigt sich etwa bei den Themen Ladesäulen für E-Autos, Schienen- und Netzausbau, Energiegewinnung oder etwa bei dem Projekt HEAT, dass ohne die Hochbahn als Tochter der Stadt Hamburg nicht realisierbar wäre.

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