KOMMENTAR

Ein grünes Monster zwischen Sport, Autos, Natur und der Frage nach dem Golfbag.

Golf. Wenn Sie bei dem Wort zuerst an den Sport und nicht das Auto dachten, fahren sie vermutlich keinen. Da liegt es näher, dass Sie einen Porsche besitzen. Nicht nur des Durchschnittseinkommens wegen, sondern auch weil sich die Volkswagen Nobeltochter seit langer Zeit im Golfsport engagiert. Seit 1988 richten die Zuffenhausener den Porsche Golf Cup aus. Ein Kundenevent mit zuletzt mehr als 17.000 Teilnehmern und 261 weltweiten Qualifikationsturnieren. Seit 2017 gibt es mit Porsche Golf Circle sogar eine App für die sportbegeisterten Kunden. Da liegt es nur Nahe, dass der Autobauer seit 2015 Titelsponsor der Porsche European Open ist, die zur European Tour zählt. Vom fünften bis siebten Juni findet die vierte Auflage dieser Veranstaltung statt. Auf einem Platz der natürlich auch den Namen Porsche trägt und dem exklusiven Flair des Edelautobauers gerecht wird: Der Porsche Nord Course.

Vor den Toren Hamburgs liegt diese Anlage, die Rocklegende Alice Cooper einst „das grüne Monster“ nannte und der Manchen als schwierigster Kurs Deutschlands gilt. Der Platz begeistert nicht nur durch seine Länge von 7057 Metern. Damit ist er Spitzenreiter der European Tour und einer der zehn längsten der Welt. Auch durch die besondere Hingabe des Gründers und Platzdesigners Michael Blesch. Der Kurs ist Teil der Green Eagle Golf Courses in Winsen an der Luhe. Die Anlage fügt sich in den Übergang des Ballungszentrums Hamburg in die wilde Natur der Lüneburger Heide. Nordwestlich, in direkter Nähe zum siebten Loch, liegen ein Amazon-Logistikzentrum und die Bundesautobahn 39. Die Löcher 13, 14 und 16 grenzen dafür direkt an das Naturschutzgebiet Hohes Holz. Inspiriert von der Landschaft der in der Nähe beginnenden Lüneburger Heide finden sich Heidesandflächen und Wacholder zwischen den Bahnen. Besonders gern arbeitet Blesch mit Wasserhindernissen. Doch so richtig zufrieden scheint er nicht, denn der Wandel ist eine Konstante des Porsche Nord Course. „Ein Golfplatz ist nie fertig“, sagt der Designer zu seinem Gestaltungswillen. Selbstbewusst gibt er an „eines der besten Par-3 der Welt“ auf seinem Platz geschaffen zu haben. Ob er Recht behält, wird sich zeigen, wenn am kommenden Wochenende die vierte Ausgabe der Porsche European Tour stattfindet. 

Michael Blesch. Foto: Porsche European Open.

Doch zurück zum Auto. Zwar gibt es nicht wenige Golffahrer, die auch gern Golf spielen. Doch wer sich auf dem Parkplatz seines lokalen Clubhauses umsieht, wird eine überdurchschnittliche Anwesenheit von Autos höherer Preisklassen feststellen. Für Porsche scheint es wie die Frage nach Henne und Ei. Wurde der Porschefahrer zum Golfer oder der Golfer zum Porschefahrer? Kaum zu beantworten, doch irgendwie passen sie zusammen. Im ersten Moment mag die Verbindung noch abwegig wirken, denn manch gut gefüllte Schlägertasche passt nur mäßig gut in den Kofferraum eines 911er. Da kommt dann die umgeklappte Rückbank gut gelegen und unter der Fronthaube bleibt eventuell noch Platz für den Trolley. Aber auch unter den Porschekunden dürfte diese Frage zunehmend ein Nischenproblem werden. Der SUV-Boom führt dazu, dass der Golfausflug im Porsche zur Familienangelegenheit werden kann. Denn von den 272.000 im Jahre 2020 verkauften Autos, waren fast 200.000 Einheiten solche ohne Platzprobleme. Darunter 93.000 Cayenne, 78.000 Macan uns 25.000 Panamera. Letztgenannter ist zwar kein SUV. Doch der Shootingbrake nimmt ähnliche Ausmaße an. In den Bestsellern sind sogar gleich mehrere Golfbags problemlos transportierbar. Der ikonische 911 kam gerade einmal auf 35.000 Einheiten. Vom Boxster und Cayman, die traditionell noch weniger geräumig sind, wurden zusammen 22.000 Stück verkauft. Der vollelektrische Taycan kam zwar gut in den Markt, aber die 20.000 verkauften Stromer sind noch ausbaufähig. Auch wenn bereits viel über den Vergleich von 911er und Taycan geschrieben wurde, sei an dieser Stelle auf einen eher vernachlässigten Punkt hingewiesen: Denn typisch für Elektroautos ist deren Platzgewinn. Bei Porsches Stromer dürfte dies die zentrale Frage nach dem Golfbag vereinfachen. Vielleicht finden sich bald vermehrt Taycan auf dem Parkplatz des Porsche Nord Course – zwei Porsche-E-Ladesäulen stehen dort bereits.

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