E-Mobilität Motorsport

Ein ID.4 im „heißen Ofen“

Von Niedersachsen nach Niederkalifornien: Volkswagen absolvierte mit einem leicht modifizierten ID.4 die „Baja 1000“-Rallye 2021.

Von Alexander Voigt und Tim Westermann

Der Name Kalifornien steht nicht nur für einen bekannten US-Bundesstaat. Die südlich der Grenze gelegene, 1200-Kilometer lange mexikanische Halbinsel trägt den Namen Niederkalifornien – „Baja California“ auf Spanisch. Der Name der gesamten Region stammt vom spanischen „Calida Forna“ – „heißer Ofen“. Ein allzu passender Name für eine Region, die von brennend heißem Wüstensand und lebensfeindlichen Gebirgen dominiert wird. Eine Gegend, die geradezu perfekt ist, um ein Motorsportevent der Extreme auszurichten und Fahrzeuge auf Herz und Nieren zu prüfen. Ein speziell präparierter VW ID.4 war in der vergangenen Woche bei der „Baja 1000“ genannten Traditionsrallye dabei – als erstes seriennahes, vollelektrisches Fahrzeug überhaupt.

Seit 1967 wird die „Baja 1000“ auf der Halbinsel entlang des Pazifischen Ozeans ausgetragen. Mehr als 1000 Meilen anspruchsvoller Offroad-Strecken durch die wilde Ödnis der Baja. Der Rennfahrer und Volkswagen Markenbotschafter, Tanner Foust, steuerte vom 25. bis 29. April den leicht modifizierten – aber immer noch lediglich Heckgetriebenen – ID.4 „1st Edition“ durch den Sand der Sonorawüste. Das Laden des 82 Kilowattstunden Akkus des 201 PS-Gefährts, stellte eines der wichtigsten Probleme für den Stromer dar. 98 Prozent der Ladevorgänge sollten zwischen den Etappen stattfinden. Hierzu lieferte Volkswagen eigens einen 50-Kilowatt-Schnelllader an, der mit Biosprit betrieben wurde. Den renngerechten Umbau des Wolfsburger Stromers übernahm der Neuseeländer Rhys Miller in enger Abstimmung mit den Ingenieuren von Volkswagen. Dabei tat sich „unter der Haube“ des ID.4 recht wenig: Motor und Batterie blieben im Originalzustand. Ansonsten wurde der Stromer lediglich an die herausfordernden Eigenheiten des Wüstenrennens angepasst. Überrollkäfig für die Insassen und Offroadschutz für die Leistungselektronik sorgten für die nötige Sicherheit. Den Unterboden schirmt eine fast einen Zentimeter dicke Stahlplatte ab. Rennsitze kamen hinzu sowie ein weiterer Bildschirm im Cockpit, um die Batterietemperatur zu überwachen. Äußerlich wurde der ID.4 natürlich auch optimiert: Verbesserter Böschungswinkel, durch einen angehobenen Kühler, kleinere Felgen für erhöhte Dämpfung sowie eine um fünf Zentimeter höher gesetzte Karosserie bestimmten das Exterieur des Baja-ID.4.

Die Etappen der Rallye erstreckten sich über 33 bis 167 Meilen, so dass es größtenteils möglich war, den ID.4 sogar mit dem transportablen Schnellader wieder aufzuladen. Trotz der brutalen Verhältnisse der Wildnis der mexikanischen „Baja California“, war der einzige Schaden, der an der hinteren Stoßstange auftrat, lediglich kosmetischer Natur. Alle zentralen Einheiten des Antriebes, der Batterie und der Kontrollsysteme funktionierten wie erwartet. Damit erreichte das VW-Team als eines von 64 Fahrzeugen der ursprünglich 90 gestarteten Pkw und Lkw das Ziel der diesjährigen „Baja 1000“. „Das war alles, auf das wir gehofft haben“, freute sich Tanner Foust nach dem Zieleinlauf: „Die Strecke war herausfordernd, aber der ID.4 hat alle Erwartungen übertroffen.“ Und weiter: „Das zeigt das reale Potential der Technologie der vollelektrischen Fahrzeuge in allen denkbaren Bereichen, die wir gerade erst beginnen zu erforschen“, ist Foust von der Zukunft der vollelektrischen Mobilität überzeugt.

„Das war ein beeindruckender Test der ID.4-Technologie, da noch kein anderes seriennahes, vollelektrisches Fahrzeug jemals an diesem Event teilgenommen hat“, kommentierte Scott Keogh, Präsident von „Volkswagen of America“ den Erfolg und fügte hinzu: „Glückwunsch an unser Team, gezeigt zu haben, dass E-Fahrzeuge auch unter extremen Bedingungen bestehen und wieviel Spaß man mit ihnen haben kann.“ Man darf also gespannt sein, ob Volkswagen nicht doch – auch in den kommenden Jahren – am (vollelektrischen) Motorsport teilnehmen wird …

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