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Bugatti: Romano Artioli und die Auferstehung einer Legende.

Als Romano Artioli 1932 geboren wurde, war Bugatti eine der ganz großen Marken für Premium Automobile. Dass die Wiederbelebung der Marke einst von ihm abhängen sollte, zeichnete sich noch nicht ab. Doch bereits als Kind wurde die Faszination des jungen Romano für Automobile deutlich. Im Alter von zwölf Jahren war für ihn klar, dass sein Leben Autos und Motoren gehören würde. Er studierte Maschinenbau in Bozen und reparierte Autos.

1952 kam das endgültige Aus der Produktion bei Bugatti. Die Marke konnte sich nach dem Tod des Gründers Ettore im Jahr 1947 und den Nachkriegswirren nicht mehr erholen. Der als Nachfolger ausersehene Sohn Jean verstarb bereits 1939. Dessen Bruder, dem die Leitung zufiel, hatte kein glückliches Händchen bei der Führung der Firma. Als der damals 20-jährige Romano Artioli davon hörte, schwor er sich, die Marke zu retten. „Wenn niemand auf die Situation bei Bugatti reagiert, werde sich so lange arbeiten, bis ich die Marke eines Tages zurückbringen kann“, soll er gesagt haben.

Romano Artioli. Foto: Bugatti.

Doch dies sollte dauern. Zwischenzeitlich machte Artioli ein kleines Vermögen im Automobilsektor. Er wurde größter Importeur für Suzuki und GM in Italien und sogar der größte Ferrari Händler. Sein Vermögen investierte er zu einem nicht gerade geringen Teil in historische Bugatti-Modelle. Der Legende nach, soll sein Freund Ferruccio Lamborghini ihn Mitte der 1980er Jahre motiviert haben, sich seines Traumes zu besinnen und Bugatti zurückzubringen. 1987 erwirbt Artioli schließlich die Bugatti Markenrechte aus dem Besitz des französischen Staates und gründet die Bugatti Automobili S.p.a. 

Die Marke sollte am traditionellen Firmensitz im elsässischen Molsheim neu entstehen. Leider fehlte es dort an geschultem Personal und Räumlichkeiten. So baute Artioli sein Werk im italienischen Campogallianio. Auf 240.000 Quadratmetern entstand die modernste Automobilmanufaktur ihrer Zeit. Die offenen und lichtdurchfluteten Hallen waren klimatisiert und sollten den Mitarbeitern das Gefühl geben, an der frischen Luft zu sein. Der Cousin von Artioli, Giampaolo Benedini entwarf das wegweisende Gebäude.

Der EB110. Foto: Bugatti.

Für das erste Modell, was aus diesen Hallen rollen sollte, bediente sich Romano Artioli der Tradition der Marke. Er nannte seinen Supersportwagen „EB110“. Benannt nach dem Gründer Ettore Bugatti, der im Jahr 1991 genau 110 Jahre als geworden wäre. Am 110. Geburtstag Ettore Bugattis, wurde der EB110 erstmals vorgestellt. Das Modell war auf der Höhe der Zeit und dieser sogar voraus. So besaß es das erste volle Carbon Chassis. Die 550 PS des 3,5-Liter-V12-Motors kamen dank des Allradantriebs über alle vier Räder auf die Straße. 351 Stundenkilometer sollen möglich gewesen sein und machten ihn damals zum schnellsten Supersportwagen der Welt. Presse und Promis rissen sich um Bugatti. Michael Schumacher gehört zu den prominentesten Besitzern eines EB110. Doch so schnell er aufstieg, so schnell sank der Stern von Bugatti unter der Leitung von Romano Artioli wieder. Finanzkrise, starker Yen und Golfkrieg schütteln den Markt durch. So endet das Projekt nach sieben Jahren mit der Insolvenz im Jahr 1995. 128 Fahrzeuge wurden bis dahin produziert. Der fast fertige EB112 wird nicht mehr präsentiert. 

Impressionen der Geschichte von Bugatti. Foto: Bugatti.

Doch die Insolvenz des italienischen Abenteuers der legendären Marke war nicht das Ende. Der Volkswagen Konzern erwarb die Rechte an Bugatti. Seit 1998 residiert die Ikone der Automobilgeschichte nun auch endlich wieder im elsässischen Stammhaus. Als Hommage an den EB110 und dessen dreißigjähriges Jubiläum, laufen die Arbeiten im Molsheimer Atelier bereits am Modell „Centodieci“. Über den heute 88-jährigen Romano Artioli sagt Bugatti-Präsident Stephan Winkelmann: „Er ist ein Stück Geschichte unserer Marke. Dank seiner Initiative und seiner Beharrlichkeit wurde Bugatti wiederbelebt“.

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