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Skoda: 30 Jahre Teil des Volkswagen-Konzerns.

Vor 126 Jahren gründeten der Buchhändler Vaclav Klement und der Schlosser Vaclav Laurin im böhmischen Jungbunzlau den Fahrradhersteller Laurin und Klement. Heute heißt Jungbunzlau Mlada Boleslav, Böhmen heute Tschechien, aus Laurin und Klement wurde Skoda und statt Fahrrädern baut die Firma heute Autos. Nach zahlreichen Umwälzungen in der langen Firmenhistorie, gehört sie am 28. März 2021, seit 30 Jahren zum Volkswagen-Konzern.

Es begann mit einer Beschwerde im Jahr 1895. Der Legende nach, hatte sich Klement in einem Brief über die Qualität des Dresdner Fahrradherstellers Seidel und Naumann ausgelassen. Als dessen auf tschechisch verfasste Kritik unbeantwortet blieb, entschloss er sich dazu, selbst Fahrräder zu bauen. Autos kamen 1905 hinzu. Diese Geschichte mag nun dem ein oder anderen bekannt vorkommen. In einer recht ähnlichen Anekdote hießen dieProtagonisten Ferruccio Lamborghini und Enzo Ferrari. Aber da ging es um Sportwagen, anstatt Fahrrädern. Dass sowohl Lamborghini als auch Skoda heute Teil von Volkswagen sind, ist Zufall. Doch passt dieser Geist, es besser zu machen, Anderen beweisen zu wollen und der Antrieb mutiger Pioniere ganz gut in die Erzählungen des Konzerns.

„Wie Böhmen noch bei Öst’reich war“, klingt es aus einem Schlager von Peter Alexander über die Zeit der Zugehörigkeit des heutigen Tschechiens zur Donaumonarchie. Als diese nach dem ersten Weltkrieg zerbrach, fand sich der Automobilhersteller Laurin und Klement in der jungen Tschechoslowakei wieder. Da der Großteil des Absatzmarktes in Österreich-Ungarn wegbrach, kamen schwere Zeiten und die Firma wurde vom Mischkonzern Skoda aus Pilsen aufgekauft. Dieser war zuvor auf die Rüstungsindustrie spezialisiert. Während der Besetzung Böhmens im Zweiten Weltkrieg wurde Skoda den „Reichswerken Hermann Göring“ zugeschlagen. Nach dem Ende des Krieges und der erneuten Unabhängigkeit der Tschechoslowakei – unter Sowjetischer Oberhoheit – wurde die Automobilsparte aus Mlada Boleslav abgespalten und als „Automobilové závody, národní podnik“ – Automobilwerke, Nationalbetrieb – verstaatlicht. 

Nach der Samtenen Revolution 1989 und dem Ende des Sozialismus, sah die Tschechoslowakei die Notwendigkeit der Privatisierung des einstigen Staatskonzerns. Zu diesem Zeitpunkt fertigte die nun wieder in „Automobilový koncern Škoda a.s“ umbenannte und umfirmierte Aktiengesellschaft etwas weniger als 200.000 Autos im Jahr. Vor allem die Modelle Favorit und Forman sowie einige veraltete Hecktriebler standen im Portfolio. Im Jahr 1990 kamen 24 Unternehmen für die Übernahme in Frage. Von diesen wurden acht ausgewählt und Premierminister Petr Pithart führte Gespräche. Von vier Firmen kamen konkrete Angebote. Am Ende blieben nur die Allianz Renault/Volvo und Volkswagen übrig. Intensive Sondierungsgespräche im Dezember 1990 gaben schließlich den Ausschlag zugunsten der Wolfsburger. Deren Trumpf war eine vorherige Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Favorit in den 1970er Jahren. Am 28. März 1991 schließlich unterzeichneten der Industrieminister Jan Vrba und Volkswagen-Konzernchef Carl Horst Hahn den Hauptvertrag. In der Folge übernahm Volkswagen 31 Prozent von Skoda für 620 Millionen Mark. Bis in das Jahr 2000 erhöhte der Konzern seine Anteile und hält seit dem 30. Mai 2000, 100 Prozent der Aktien an Skoda Auto. Innerhalb der ersten zehn Jahre investierte Volkswagen mehr als 3,75 Milliarden Mark in Skoda. 

Am 28. März 1991 unterschrieben der tschechische Industrieminister Jan Vrba und der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen Konzerns Carl H. Hahn den Vertrag. Foto: Skoda.

In Mlada Boleslav entstand eines der modernsten Automobilwerke der Welt. Mit neuen Modellen wie dem Octavia, der seit 1996 gebaut wird, begann eine neue Zeitrechnung für den einstigen Fahrradbauer. Vor dreißig Jahren war die Marke Skoda nur ein regionaler Marktführer eines kleinen Landes. Heute ist Skoda ein Global-Player und die größte Importmarke auf dem deutschen Markt. Die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge hat sich von 1991 bis 2020 versechsfacht. Seit 2014 liefert die Firma jährlich mehr als eine Million Autos aus. Die Mitarbeiterzahl stieg von 17.000 auf 42.000. Weltweit ist die Marke auf mehr als 100 Märkten vertreten und bündelt das Geschäft des Volkswagenkonzerns in den Wachstumsregionen Nordafrika, Russland und Indien. Skodawerke stehen derzeit in China, Indien, der Ukraine, der Slowakei und Russland. Die Autos von Skoda machen heute neun Prozent aller tschechischen Exporte aus.

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