Klassiker

R32: Die Zeiten sich wandeln mit Macht – Blick zurück auf den Ur-Ahn des aktuellen Golf R.

Von Tim Westermann

Er ist ein Anachronist – zumindest gemessen an aktuellen Standards der Automobilproduktion. Aber das unverkennbare, sonore Brüllen eines 3,2-Liter-V6-Motors im Golf R32 betört Enthusiasten bis heute. Aber warum Anachronismus? In den zurückliegenden zwei Dekaden hielt die effiziente Turbotechnologie Einzug, nicht zuletzt auch wegen der politisch forcierten Senkungen der CO2-Normen. Der im Jahr 2002 vorgestellte R32 verfügt hingegen über eine Saugrohreinspritzung. In Kombination mit einer spezifischen Klappensteuerung der Abgasanlage, verleiht eben dies dem „Über-Golf“ bei entsprechender Drehzahl jenen martialischen Klang. Der auf dem Golf IV basierende Bolide ist ein liebenswertes Raubein und Ur-Ahn der heute extrem sportlichen R-Baureihe der Marke Volkswagen.

Der jüngste Golf R. Foto: Volkswagen.

24 Ventile, 241 PS, 320 Newtonmeter Drehmoment und beim Sprint aus dem Stand in 6,4 Sekunden auf Tempo 100. Für einen Golf war solch eine Leistungsentfaltung vor rund 20 Jahren etwas Besonderes. Erinnerungen an das Jahr 1976 wurden wach, als Volkswagen mit dem GTI der ersten Generation abermals einen starken Kompaktsportler auf die Straße schickte. Was beide Wolfsburger historisch gemeinsam haben, war die zunächst auf 5.000 Einheiten limitierte Produktionskapazität. Doch ähnlich wie der GTI vor 45 Jahren fand auch der R32 schnell seine Kunden, so dass auch dieser Golf in Serie ging. Letztlich wurden knapp 12.000 Exemplare verkauft. 

Der Golf R32. Foto: Volkswagen.

„Drehzahlmesser? Doppelendrohr?“ Der verdutzte, empörte Blick der Freundin gegenüber ihres Partners im damaligen Werbespot dürfte der etwas älteren Generation noch in Guter Erinnerung sein, träumte der Mann doch damals von seinem kompakten „Porschejäger“. Klar, das R steht für Racing. Und die 32 für den Hubraum. Seine Spitzengeschwindigkeit erreicht dieser Typ bei Tempo 247. Doch mehr Spaß macht es ihn auf serpentinenreiche Landstraßen oder in den Schnee zu entführen. Das 6-Gang-DSG-Getriebe war seinerzeit revolutionär und sorgt in nahezu jedem Drehzahlbereich für optimale Kraftübertragung auf die 18-Zoll-Räder. 

Wie dem auch sei. Volkswagen schuf mit dem R32 eine Grundlage und entschloss sich sehr zur Freude von sportlich orientierten Fahrern neben dem GTI eine weitere Performance-Variante des Golf aufzulegen, die sich später auch auf andere Baureihen übertragen sollte: Die Geburtsstunde von Volkswagen R schlug schließlich im Jahr 2002. Unter diesem Label entwickelten die Wolfsburger fortan die leistungstechnischen Speerspitzen diverser Modelle. So auch bei der aktuellen achten Generation des Golf. 

Im Gegensatz zum Ur-Ahn verfügt der neueste Golf R zwar nur über vier Zylinder, entfaltet aber dank modernster TSI-Turbo-Technologie mit insgesamt 320 PS wesentlich mehr Leistung. Auch beim Verbrauch ist zu sehen, welcher Unterschied in rund 20 Jahren Entwicklung liegt. Der Neue verbraucht auf 100 Kilometern rund drei Liter weniger. Aber Freude, sowohl auf der Rennstrecke als auch gemäßigt im öffentlichen Straßenverkehr, vermitteln beide Typen. Sie repräsentieren und zeigen jeweils auf ihre Art die stetig fortschreitende Entwicklung leistungsfähiger Verbrennungsmotoren vor dem Hintergrund der langsam aber ebenso stetig aufstrebenden Elektroantriebe. 

%d Bloggern gefällt das: