Interviews

Abt: „Junge Leute nehmen das Auto anders wahr“

Profi-Rennfahrer, Influencer, TV-Experte: Der meinungsstarke Daniel Abt im Gespräch

Björn-Lars Blank

Während im Straßenverkehr die Weichen in Richtung E-Mobilität gestellt sind, rückt „Elektro“ auch im Motorsport und bei Sportwagen zusehends in den Vordergrund. Wohl kaum jemand kennt sich mit solchen Modellen besser aus als Renn-Profi Daniel Abt. Nach insgesamt 69 Formel E-Rennen konzentriert sich der Kemptener aus der Tuning- und Motorsportfamilie um das Unternehmen Abt Sportsline auf neue Aufgaben. Für die Seat-Performancemarke Cupra ist der 28-Jährige Markenbotschafter. Auf Sat.1 ist er Experte für die Live-Übertragungen der Formel E. Dazu ist er auf Social Media eine gefragte Persönlichkeit: Seine Videos auf Youtube wurden bisher über 88 Millionen-mal angesehen. Im Gespräch verrät Abt, warum er Formentor-Fan ist und wie junge Menschen das Thema Auto sehen. 

Daniel Abt. Foto: Audi Sport ABT Schaeffler.

Daniel Abt, das Jahr 2021 bringt für Sie neue Rollen mit sich: Zum einen als TV-Experte für Sat.1, zum anderen als Markenbotschafter für Cupra. Was verbinden Sie und was verbindet Sie mit der Marke?

Daniel Abt: Ich hatte bereits bei einigen Presseveranstaltungen die Chance, Cupra und die Menschen, die hinter der Marke stehen, kennen zu lernen. Ich habe gemerkt, dass Cupra einen anderen, einen frischen Ansatz hat: Wie sie sich präsentieren, Kommunikation sehen und ihre Produkte darstellen. Das Dynamische und Progressive für das Cupra steht, ist auch etwas, was für mich steht. Ich kann mich damit stark identifizieren. So hat es mir damals schon viel Spaß gemacht auf den Events zu sein und jetzt nochmal umso mehr, mit einer ganz neuen Form der Zusammenarbeit. Da ich für die Marke stehe, an gemeinsamen Projekten arbeite und auch ein wenig die Zukunft gestalten kann. Dies ist für mich eine sehr schöne und spannende Herausforderung. 

Stichwort „jung“. Als eigenständige Marke ist Cupra im Februar drei Jahre jung geworden. Was ist Ihr persönlicher Favorit innerhalb der Cupra-Familie?

Abt: Die Antwort ist ziemlich klar. Ich bin großer Formentor-Fan. Ganz besonders jetzt mit fünf Zylindern. Ich war schon immer ein großer Fünfzylinder-Fan. Ich bin lange Zeit andere Autos gefahren, die diesen Motor hatten. Deshalb freue ich mich sehr, dass dieser Motor es in das Auto geschafft hat. Er steht für Tradition und Racing-Herz. Der Formentor hat das schärfste Design und ist definitiv mein Favorit. 

Sie stehen für beide Welten, die der E-Mobilisten, wie auch die der „Petrolheads“. Wie sehen Sie die Zukunft der Mobilität?

Abt: Das ist eine schwierige Frage. Es ist eine spannende Zeit, denn in der Brache passiert gerade enorm viel. Dass sich Dinge verändern, ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern Alltag. Ich bin niemand, der Veränderung ablehnt. Veränderungen sind Chancen, die Dinge anders zu gestalten, neue Sachen auszuprobieren und besser zu machen. Dazu gehört es auch Fehler zu machen. Stillstand ergibt wenig Sinn und in den nächsten Jahren wird sich zeigen, wer innovativ und gut aufgestellt ist und die Zeichen der Zeit erkannt hat. Hierbei geht es nicht nur um E-Autos und Hybride. Ich glaube, der Verbrenner hat immer noch seine Daseinsberechtigung. Auf allen drei Plattformen wird viel passieren.

Im Motorsport stehen sich beide Lager ja eher ablehnend gegenüber. Wie geht es da weiter? 

Abt: Das Gegeneinander bringt am Ende keinem etwas. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Denn die Definition von Motorsport ist, dass Autos schnell auf einer Strecke racen und Motoren sind per Definition ebenso Verbrenner wie auch Elektromotoren. Am Ende geht es darum, was wollen die Hersteller. Es ist nun mal einfach so, dass Motorsport eine Marketingplattform ist. Wenn das Marketing dann Richtung Elektro oder Hybrid geht, will ein Hersteller natürlich auch, dass es dort mehr Motorsport gibt. Dies bedeutet natürlich nicht, dass klassischer Motorsport nicht mehr betrieben wird. Er wird sich verändern. Aber wer sich einfach nur hinstellt und schimpft, wird verlieren. Als die Formel E anfing, wurde uns auch gesagt, was wir für Idioten sind. Sechs Jahre später haben viele doof geschaut und ihre Meinung geändert. Man muss sich dem anpassen und Motorsport im Allgemeinen fördern. Motorsport ist nicht Verbrenner oder Elektro, sondern der Sport an sich. Dieser verliert an Relevanz. Und wir müssen ihn erhalten und alles dafür tun, dass es Plattformen gibt, auf denen toller oder faszinierender Sport gezeigt wird. Damit vor allem junge Leute morgens aufstehen und sagen, dass sie sich Motorsport ansehen wollen. Und nicht nur Youtube-Videos gucken oder Spotify-Alben hören. Das ist die Aufgabe, vor der der Sport steht, besonders junge Leute zu begeistern. Junge Leute wachsen heute anders auf. Auch ich bin da vielleicht schon die etwas ältere Generation. Die jungen Leute nehmen das Thema Auto ganz anders wahr. Deswegen können wir das nicht einfach so machen wie vor 30 Jahren. Wir müssen mit der Zeit gehen und das Entertainment des Sports umdenken. Ob Elektro, Verbrenner oder Wasserstoff ist für mich persönlich nicht entscheidend. Wichtig ist, dass der Sport funktioniert.

Zwei neue Formate im Motorsport sind die Extreme E und die Pure ECTR, bei denen Cupra auch teilnimmt. Was versprechen diese neuen Serien?

Abt: Beides ist noch recht schwer einzuschätzen, da es gänzlich neue Formate sind. Besonders die Extreme E ist ein großes Fragezeichen. Wie wird es aussehen, wie wird es ankommen, wie ist das Racing? Das ist schwer zu sagen. Was ich weiß, ist, dass die Leute die dahinterstehen, auch die sind, welche auch hinter der Formel E stehen. Die kenne ich alle persönlich. Das sind Leute, die wissen, wie man so etwas kreiert. Wenn man sich bei Extreme E anschaut, was für namhafte Teams und Leute dort an den Start gehen: die „Big Player“ der Szene. Da mitzumischen, ist auf jeden Fall cool und wir haben Bock, die großen Teams auch herauszufordern und zu schlagen.

Sie sind auf Social Media eine bekannte Persönlichkeit und stehen in der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie mit hetzenden anonymen Kommentaren um? Hat Ihnen Ihre Motorsportkarriere, durch die Sie bereits im Rampenlicht standen, hier geholfen, um gefestigt damit umzugehen?

Abt: Motorsport half da weniger, denn man hat nicht dieses direkte Feedback. Wenn du mit Social Media anfängst, bist du es gewohnt, dass es positiv ist. Es sieht nur eine kleine Anzahl an Leuten, die dich gut finden. Sobald es hingegen größer wird, wirst du Leuten angezeigt, die dich vielleicht nicht so gut finden, oder nicht kennen oder die nur im Internet sind, um ihren Dampf abzulassen. Vor allem wenn du jünger bist, ist das ein Problem. Da stehen beispielsweise 100 Kommentare und darunter ein schlechter. Dieser Kommentar hängt dir dann im Kopf, wenn du ins Bett gehst und du denkst, du hättest etwas falsch gemacht. Ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich das ausblenden muss. Bei mir sind die Kommentare zwar meistens sehr gut, anderen geht es da schon schlechter, wie beispielsweise Politikern. Das sind dann auch Kommentare von Leuten unter falschen Namen, denen es vielleicht selbst nicht allzu gut geht. Da hilft es nur, diese Kommentare zu ignorieren, sich auf das Positive zu konzentrieren und an sich selbst zu glauben. Es gibt keine Welt, in der man jedem gefällt. Wenn man eine Aussage trifft, wird es immer jemanden geben, dem es nicht gefällt. Das muss man einfach an sich abperlen lassen.

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