Aktuelles E-Mobilität

Beschleunigung und Dreifaltigkeit – die Strategie von Volkswagen will hoch hinaus.

Von Fynn Göttsche

„Trinity ist so etwas wie der Kristallisationspunkt unserer Strategie Accelerate,“ sagt Ralf Brandstätter, CEO der Marke Volkswagen. Trinity, also auf deutsch Dreifaltigkeit, ist der Name der neuen Elektro-Limousine, die ab 2026 im Wolfsburger Stammwerk gebaut werden soll. Das Projekt Accelerate, zu deutsch „Beschleunigen“, soll Volkswagen in die digitale und elektrische Zukunft katapultieren und wurde nun vorgestellt. Ein hohes Ziel. Ob sich Volkswagen von der Namensgebung des Trinity göttlichen Beistand dafür erhofft, muss an dieser Stelle offen bleiben.

Die Silhouette des Trinity. Foto: Volkswagen.

Der Kern des Trinity sind drei Elemente, die auch das Herz der Strategie Accelerate bilden. Diese sind eine neu entwickelte Elektronikplattform mit modernster Software, die Vereinfachung der Angebotsstruktur und vollvernetzte und intelligente Produktion im Stammwerk Wolfsburg. Der eingeschlagene Weg zur Elektromobilität wird entsprechend forciert. So sollen bereits 2030 mindestens 70 Prozent der in Europa abgesetzten Modelle reine Stromer sein. Doch der Weg führt nicht einfach nur zum E-Autobauer, sondern zum „softwarebasierten Mobilitätsanbieter“. Das heißt, dass die Digitalisierung auch bei Volkswagen wesentlich stärker in den Fokus rückt. Schlagworte wie autonom und vernetzt stehen an der Seite der E-Mobilität. Hierzu präsentierte CEO Brandstätter in Accelerate ganz konkrete Ziele. Bis 2025 sollen bereits 16 Milliarden Euro in E-Mobilität, Hybridisierung und Digitalisierung investiert werden. 

Visualisierung von Accelerate. Foto: Volkswagen.

Die neuen datenbasierten Elemente sollen dem Konzern ein ganz neues Geschäftsfeld öffnen. So werden die zukünftigen Modelle in weit weniger Varianten hergestellt. Die Autos sind werksseitig bereits mit allen Techniken ausgestattet – softwarebasierte Funktionen können hingegen je nach Bedarf direkt im Auto hinzugebucht werden. Dies senkt den Produktionsaufwand deutlich und spart Kosten. Dies ist auch bitter nötig, denn auch um wirtschaftliche Zahlen geht es bei Accelerate. So will der Konzern die Fixkosten um fünf Prozent senken, aber gleichzeitig die Produktivität um fünf Prozent erhöhen. Hierzu sollen etwa die Materialkosten um sieben Prozent sinken. In allen Regionen soll die Marke schwarze Zahlen schreiben. 

Den wichtigen Aspekt des autonomen Fahrens will Volkswagen für die breite Masse erschwinglich machen. Der Trinity soll dazu von Beginn an autonomes Fahren der Stufe 2+ und perspektivisch 4 ermöglichen. Diese Funktion ist ebenso direkt über das Bord-System buchbar. Die ID-Familie ist bereits mit modernen Konnektivitätssystemen ausgestattet. Alle zwölf Wochen erhalten diese ein elektronisches Update „over-the-air“. In zwei Jahren will Volkswagen eine vollvernetzte Flotte von über 500.000 Fahrzeugen auf den Straßen haben, über die direktes Kundenfeedback in neue Funktionen übertragen werden soll. Ab dem Trinity sollen die Autos auch untereinander vernetzt werden. Autos des gesamten Konzerns sollen zu einem neuronalen Netz zusammenwachsen. Über dies werden Fahrzeuge künftig kontinuierlich Daten austauschen. Wie zur Verkehrslage, Hindernissen oder Unfällen. Damit will der Konzern ein selbstlernendes System mit Millionen Fahrzeugen schaffen.

CEO Branstätter. Foto: Volkswagen.

Zum Gesamtportfolio gab Brandstätter ebenfalls einen Ausblick: Die ID-Familie aus ID.3 und ID.4, die momentan im Herzen des Wandels steht, wird kontinuierlich erweitert. Jedes Jahr soll mindestens ein neuer Stromer präsentiert werden. Los geht es noch dieses Jahr mit dem allradgetriebenen ID.4 GTX und dem sportlichen ID.5. Im Herbst kommt mit dem ID.6 X / CROZZ, ein siebensitziges Elektro-SUV für China. Die Pläne für ein Elektroauto unterhalb des ID.3 werden um zwei Jahre auf 2025 vorgezogen. Doch auch die Kernmodelle der Verbrenner werden „noch einmal einen Nachfolger bekommen“. Ob dies auch der jeweils letzte ist, bleibt offen, deutet sich aber an. Die Klassiker wie Golf, Passat, Tiguan und T-Roc dürften dafür zunehmend mit Plug-in-Hybridantrieben der neuesten Generation – mit dann bis 100 Kilometer elektrischer Reichweite – ausgestattet werden.

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