Klassiker

Lamborghini Countach – 50 Jahre Wahnsinn.

Von Fynn Göttsche

Lamborghini verkauft nicht etwa einfach nur schnelle Autos. Die Italiener aus Sant’Agata Bolognese versprechen neben Fahrspaß auch eine Lebensart. Nicht einfach nur Luxus und PS, sondern ein Gefühl irgendwo zwischen Dolce Vita und dolce fa niente – süßes Leben und süßes Nichtstun. Wer führe nicht gern mit einem Huracan, einem Gallardo oder Diablo über italienische Serpentinen, um hinterher Bella Figura an der Strandpromenade zu machen. Während des Genusses eines Espresso im besten Cafe der Flaniermeile, lassen sich die vorbeigehenden Menschen beobachten, wie sie das Auto bewundern. Dezenz ist Schwäche – das Leben ist schön. Doch diese Modelle kommen nicht einfach von ungefähr. Sie alle verblassen im Angesicht des automobilen Familienoberhaupt, das nicht nur im Design Vorbild war. Der Lamborghini Countach wird fünfzig und nicht nur sein Name bedeutet „Wahnsinn“. 

Der piemonteser Begriff Countach ist ein Ausruf der Begeisterung, der Verwunderung gar. Dessen genaue Bedeutung – auch aufgrund einer gewissen Frivolität – sich jeder selbst erschließen mag. Der Begriff „Wahnsinn“ dürfte ihm am nächsten kommen. Auch wenn „verdammte Kacke ist das geil“ vielleicht eher träfe. So viel zur Namensgebung. Der Hersteller selbst verzichtet in der Meldung zum Jubiläum auf die Übersetzung des Begriffs. Vielleicht ganz sinnvoll, ist die Geschichte wie der Countach zu seinem Namen kam, doch auch eher weniger Fakt als Fiktion. Angeblich brach dieser Ausruf aus einem Angestellten der Designschmiede Bertone hervor, die das Modell verantwortete. Lamborghini hingegen behauptet es sei ein Landwirt gewesen, der die Studie in einer Garage erspähte. Manch einer bezeichnet die Geschichte gänzlich als Werbegag. Einerlei, denn allein schon die Entstehung von Lamborghini als Hersteller von Supersportwagen basiert auf einer mäßig glaubwürdigen Legende. Angeblich hatte Traktorenhersteller Ferruccio Lamborghini etwas an seinem Ferrari auszusetzen. Enzo Ferrari hatte nicht darauf reagiert. Oder ihn beleidigt. Oder Ihn herausgefordert es besser zu machen. Oder das Ganze ist nie passiert. Daran scheiden sich die Geister. Doch was bleibt, ist eine schöne Geschichte, ein gutes Gefühl. Genau darum geht es bei Lamborghini. Mehr als nur die nackten Zahlen beim Quartettspiel – es sind die Emotionen. Und davon hatte der Countach mehr als genug zu bieten.

Am 11. März 1971 stellten die Designer von Bertone den Entwurf des Countach vor. Das gelbe Modell des Lamborghini Countach LP 500 wurde um Punkt zehn Uhr auf dem Genfer Automobilsalon enthüllt. Das moderne wie zeitlose Design schlug so gut ein, dass der Hersteller in regelrechte Bedrängnis kam, das Modell auch rechtzeitig zu produzieren. Die Kunden waren ungeduldig. Zu groß war das Verlangen nach etwas so Revolutionärem. Die Technik rund um dem V12-Motor wurde von einem Konstrukteursteam unter Leitung des Ingenieurs Paolo Stanzani entwickelt. Die äußere Erscheinung des Countach stammte aus der Feder des legendären Automobildesigners Marcello Gandini. Im Jahr 1974 startete schließlich die Serienproduktion und hielt bis 1990 an. In diesen Jahren wurde die Firma Lamborghini mehrfach verkauft, doch blieb der Countach stets der Garant dafür, dass diese Marke nie unterging. In fünf Generationen wurden rund 2000 Einheiten gefertigt.

Letztlich war der Countach nicht nur der maßgebliche wirtschaftliche Überlebensfaktor von Lamborghini, sondern prägte auch lange nach Einstellung seiner Produktion das Bild der Supersportwagenmarke. Nachfolgende Modellreihen trugen unbestritten Designzüge des Countach. Insbesondere die Linienführung, der unbedingte Wille zu Leistung und Luxus prägen bis heute das unverwechselbare Image von Lamborghini. Genau deshalb bleibt der Countach zweifellos ein zeitloser Klassiker, auch wenn in den zurückliegenden fünfzig Jahren viel geschehen ist. 

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