Fahrbericht

Fahrbericht: Mercedes EQA – Der dritte Stern-Stromer

Unter zwei reinen E-Autos konnten Mercedes-Fans bisher wählen. Nach dem Mittelklasse-SUV EQC und dem Großraum-Van EQV macht der neue EQA das Duo jetzt zum Trio. Alle drei basieren auf bekannten Verbrenner-Modellen. Doch der kleinste Stern-Stromer hat es durchaus in sich.

Von Peter Maahn

Mit dem EQA bringt Mercedes sein bisher kleinstes und preisgünstiges Elektroauto. Es basiert auf dem klassischen GLA, hat eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern und tritt in der Klasse der kompakten SUV an. Die Preise beginnen bei rund 47.500 Euro.

Irgendwie ist die erste Begegnung mit dem EQA wie ein Wiedersehen mit einem guten Bekannten. Dass der Neuling um rund fünf Zentimeter kürzer als sein Pendant mit Benzin- oder Dieselmotor ist, fällt naturgemäß nicht weiter auf. Äußerlich ist der Elektro-Mercedes am deutlichsten am voll verkleideten Grill zu erkennen. Da kein Motor etwas verbrennen muss, braucht er der EQA eben kein luftdurchlässiges Gittergeflecht wie sein Schwestermodell der alten Schule. Die 200 Batteriezellen im Untergeschoß der Karosse werden anders gekühlt.

Deja vu auch beim Innenleben. Nur die beim Druck auf den Startknopf bunt aufleuchtenden Buchstaben EQA hinterm Lenkrad verraten das Besondere. Ansonsten das gleiche Erscheinungsbild mit den beiden MBUX-Displays, den kreisrunden und chromumrandeten Lüftungsdüsen oder der Bedieneinheit zwischen den Vordersitzen. Der Unterschied beginnt beim Losfahren, behutsam surrend schleicht der Mercedes los, nimmt ruckfrei Fahrt auf und fasziniert wie alle E-Autos durch die stets präsente Power, die gleichsam im Hintergrund auf den Fahrerbefehl wartet.

Alles völlig unaufgeregt, so gar nicht spektakulär. Wenn da nicht die beiden Tasten hinter dem Lenkrad wären. Schaltpaddels werden sie im Verbrenner genannt, weil durch sie ohne Griff zum Wählhebel der Automatik die Stufen gewechselt werden können. Eine Funktion, mit der ein Eingang-Stromer nun gar nichts anfangen kann. Aber da sie schon mal an Bord sind, sollen sie auch genutzt werden. Das Stichwort heißt Rekuperation, also Energie-Rückgewinnung.

Und kaum einer kann das so perfekt wie der EQA, bietet er doch wie sein großer Bruder EQC fünf Stufen dieser mit einer Motorbremse vergleichbaren Technik. Je nach Stufe verzögert das City-SUV mehr oder weniger stark. In der stärksten Einstellung „bremst“ er so heftig, dass zuweilen auch der Gurt einrastet. Die entstehende Energie kommt umgehend der Batterie zugute. Das Bremspedal kommt nur dann ins Spiel, wenn der Fahrer zu spät vom Gas geht und eben nicht wie berechnet an der roten Ampel zum Stehen kommt. Umgekehrt kann der EQA auch „Segeln“, also antriebslos beim Gaswegnehmen oder bergab rollen und auch dabei wird die Batterie mit Strom versorgt.

Eine weitere Spezialität des EQA verbirgt sich im rechten der beiden Monitore. Ist ein Ziel im Navigationssystem programmiert, macht sich der Bordrechner an die Arbeit. Er schlägt abhängig von Wetterlage oder Streckenprofil Routen vor, auf denen die beste Reichweite erzielt werden kann. Sinnvollerweise führen sie an betriebsbereiten Ladestationen vorbei. Bei der Berechnung der Fahrzeit bis zur Ankunft wird dann der Zeitraum an der Stromzapf-Säule berücksichtigt. Hilfreich für den Flensburger Kontostand ist auch, dass das Gehirn des elektronischen Beifahrers Kamera und Navidaten nutzt, um bei Passieren eines Tempolimits oder Ortschilds den EQA auf das vorgeschriebene Tempo einzuhalten. Eine Technik, die auch zum Beispiel bei VW oder Audi eingesetzt wird.

Wer behutsamer als in einem GLA-Verbrenner mit dem Gaspedal umgeht, kommt mit einer anfangs vollen Batterie gut 400 Kilometer weit und sogar noch mehr. Dabei sollte auf das Ausreizen der möglichen 160 km/h verzichtet werden. Erfahrungen zeigen aber, dass der Zeitunterschied zum Benziner oder Diesel auf die Gesamtstrecke bezogen nur marginal ist. Zumindest dann, wenn die Strecke kurz genug ist, um nicht nachladen zu müssen. Nur bei langen Touren hat der klassische Antrieb noch Vorteile.

Erfreulich ist die für Mercedes-Verhältnisse recht großzügige Serienausstattung. So sind LED-Licht, Rückfahrkamera, schlüsselloses Einsteigen, elektrische Heckklappe oder Fernlicht- und Spurhalteassistenz stets an Bord. Als ratsames Extra steht für 1.440 Euro ein Paket bereit, das wichtige Assistenzsysteme wie zum Beispiel Abstandsradar der Tot-Winkel-Warner enthält. Das macht natürlich einen EQA noch lange nicht zu einem Schnäppchen. Dennoch ist die Herzverpflanzung vom GLA zum EQA gelungen, auch wenn der kleine Stromer auf ernsthafte Rivalen trifft. Der Audi Q4 e-tron ist startbereit, der ID 4 von VW schon bestellbar. Und selbst der größere Ford Mustang Mach-E könnte sich als Gegner erweisen.

Mercedes EQA 250 – Technische Daten:
Fünftüriges SUV der Kompaktklasse mit fünf Türen; Länge: 4,46 Meter, Breite (ohne Außenspiegel): 1,83 Meter, Höhe: 1,62 Meter, Radstand: 2,73 Meter, Kofferraumvolumen: 340 bis zu 1.320 Liter. Leergewicht: 2.040 kg
Elektromotor mit 140 kW/190 PS, maximales Drehmoment: 375 Nm. Lithium-Ionen-Batterie mit 200 Zellen in fünf Modulen. Nutzbarer Energiegehalt: 66,5 kW/h. Reichweite nach WLPT 426 Kilometer. Ladezeit auf 100 Prozent an Wallbox (11 kW): 5:75 Std.; Ladezeit auf 80 Prozent an DC-Lader (100 kW): 30 Minuten. Frontantrieb, Eingang-Automatik, 0-100 km/h: 8,9 s, Vmax: 160 km/h, Normverbrauch (WLTP) 17,7kW/h/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 0 g/km, Effizienzklasse:A+, Preis: ab  47.450 Euro

Kurzcharakteristik:
Warum: Ein modernes und trotzdem vernünftiges E-Auto im begehrten SUV-Look
Warum nicht: Weil auch ähnliche Autos ohne Stern inzwischen viel zu bieten haben 
Was sonst: Die Liste wird immer länger, fast monatlich erscheint ein neues E-Auto
Wann kommt er? Schon bestellbar

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