Klassiker

Bugatti dominierte 2020 die Auktionen klassischer Automobile

Von Fynn Göttsche

Der Auktionsmarkt für klassische Automobile ist hart umkämpft und lange Zeit beherrschte die italienische Sportwagenmarke Ferrari dieses besondere Feld des internationalen Automobilhandels. Die Boliden aus Modena erzielen regelmäßig höchste Preise und gelten als Inbegriff der zeitlosen Klassiker. Doch die Konkurrenz aus dem Elsass lässt dies genau so regelmäßig nicht auf sich sitzen und so stieß Bugatti im Jahr 2020 die Italiener vom Thron: Die fünf höchsten Zuschläge auf Automobilauktionen des vergangenen Jahres fielen für Autos aus Molsheim. Das gelang keinem anderen Hersteller zuvor.

Der Bugatti Type 59 Sports von 1934 mit der Chassis-Nummer 57248 kam für 12,681 Millionen US-Dollar unter den Hammer. Er wurde als Rennwagen für das Bugatti-Grand-Prix-Werksteam gebaut und errang einen Sieg in Spa sowie einen dritten Platz in Monaco. Unter anderem fuhren ihn Rennpiloten wie Robert Benoist, Louis Chiron, René Dreyfus, Achille Varzi und Jean-Pierre Wimille. 1937 kaufte König Leopold von Belgien den Bugatti. Noch heute befindet sich das Fahrzeug in unrestauriertem Originalzustand. Das Antriebsaggregat ist ein 3,3-Liter-Achtzylinder-Reihenmotor, der etwa 250 PS leistete.

Für 10,44 Millionen Euro ging ein seltener Type 57S Atalante von 1937, mit der Chassis-Nummer 57502 an einen neuen Eigentümer. 1937 kaufte der britische Bugatti-Liebhaber Earl Howe das Modell. Der Bugatti Type 57S Atalante ist eines von nur 17 Fahrzeugen, die Jean Bugatti mit der Atalante-Karosserie ausstattete. Der Motor ist ein 3,3-Liter-Achtzylinder, der bis zu 175 PS leistete.

7,1 Millionen Dollar zahlte ein Käufer für den Bugatti Type 55 Super Sport Roadster von 1932 mit der Karosserienummer 55220. Bugatti produzierte bis 1935 insgesamt nur 38 Fahrgestelle vom Type 55 Super Sport. Elf der 14 gebauten, mit Roadster-Karosserie von Jean Bugatti ausgestattete Fahrzeuge existieren heute noch. Victor Rothschild, der spätere dritte Baron Rothschild, war der Erstbesitzer und behielt ihn für viele Jahrzehnte in seiner Sammlung. 1985 erwarb der Bostoner Professor Dean S. Edmonds Jr. diesen Bugatti für 440.000 britische Pfund. Damals war es das teuerste Automobil, das je in Großbritannien verkauft wurde. Dieser restaurierte den Roadster aufwändig.

Fast schon ein Schnäppchen ist der 5,23 Millionen teure Bugatti Type 35C Grand Prix von 1928. Dieses Schätzchen mit der Fahrgestellnummer 4871 wurde für die Targa Florio 1928 gebaut. Die erste private Besitzerin Jannine Jennky, eine französischen Rennfahrerin, fuhr damit zum Gesamtsieg beim ersten Coupe de Bourgogne in Dijon. Nach 1932 ging das heute über 90 Jahre alte Fahrzeug lediglich durch vier Hände. Es ist noch gänzlich unrestauriert. Verbaut ist ein Achtzylinder-Reihenmotor mit zwei Liter Hubraum. Das 125 PS-Aggregat beschleunigte das Auto auf damals aberwitzige 200 km/h.

5,07 Millionen Dollar zahlte ein Kunde für den Type 55 von 1931 mit der Chassis-Nummer 55221. Louis Chiron und Graf Guy Bouriat-Quintart fuhren den Wagen 1932 bei den 24 Stunden von Le Mans. Später wurde eine Figoni-Karosserie um das Fahrgestell gebaut. Mit dieser Karosserie blieb der Type 55 über 60 Jahre in Familienbesitz. Der 2,3-Liter-Achtzylinder leistet rund 160 PS.

Einer der vier gebauten Bugatti Atlantic. Foto: Bugatti.

All diese Preise verblassen aber in der Erwartung des Heiligen Grals der Automobilwelt. Ein 1937er Bugatti Type 57 SC Atlantic – einer von nur vier Stück – gilt bis heute als verschollen. Ob dieser in den Wirren des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde, oder – so die Hoffnung – noch in einer französischen Scheune schlummert, ist unklar. Absolut einig sind sich die Fachleute aber darin, dass – sofern das automobile Bernsteinzimmer zurück an die Oberfläche tritt – es zweifellos zum teuersten Auto der Welt würde. Die Schätzungen beginnen bei mehr als 100 Millionen Euro.

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