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Der Bugatti Centodieci – ganz viel Tradition in nur zehn Einzelstücken

Von Fynn Göttsche

Bugatti lebt nicht nur von seinen Produkten – den Hypersportwagen – sondern besonders von seiner Tradition. Mit einer bemerkenswerten Konsequenz ziehen sich rote Fäden durch die doch eher zerstückelte Historie der Marke Bugatti. Immer wieder zitieren die Ingenieure und Designer im Bugatti-Atelier im elsässischen Molsheim die Geschichte der Marke. Sie erinnern an Modelle und Personen und spielen mit den Emotionen der goldenen Zeit des frühen Motorsports. So auch mit dem aktuellen Modell des Bugatti Centodieci, dessen Prototyp nun angekündigt wurde. 

Der Zweite Weltkrieg beendete die Erfolgsgeschichte der Marke Bugatti jäh. Der Gründer Ettore Bugatti verstarb zudem bereits 1947. Dessen Sohn führte das Unternehmen danach nur mit mäßigem Erfolg weiter. Die Firma stellte noch Ersatzteile her, reparierte alte Modelle und verkaufte ein paar wenige Einzelstücke. Der letzte Neuwagen mit dem Namen Bugatti wurde 1956 präsentiert. 1963 fusionierte das Unternehmen mit Hispano-Suiza, die Interesse an der Luftfahrtsparte des Unternehmens hatten. Danach wurde es ruhig um den Namen Bugatti – zumindest was Neuwagen anging. Die Oldtimer erfreuten sich weiter großer Beliebtheit und erzielten regelmäßig hohe Preise bei Auktionen. 

Es ist nun bereits 30 Jahre her, dass nach langer Pause wieder ein neues Auto den Namen Bugatti trug. Der Italiener Romano Artioli erwarb die Namensrechte und knüpfte direkt an die Unternehmenstradition an. Anlässlich des 110. Geburtstages von Ettore Bugatti im Jahr 1991, nannte er sein Modell EB110. Es war der damals schnellste Supersportwagen der Welt. Doch nicht nur die enorme Motorleistung und die hohen Geschwindigkeiten machten dieses „Modell der Wiedergeburt“ so außergewöhnlich. Es war der besondere Designansatz der seit der Gründung die Marke umgibt. Ettore Bugatti stammte aus einer Künstlerfamilie und so verwundert es nicht, dass die Sportwagen mit dem roten Macaron auf dem Kühlergrill von ihren Konstrukteuren in erster Linie als Kunstwerke und dann erst als Maschinen gesehen wurden. Diesem Ansatz verpflichtete sich auch Romano Artioli als er den EB110 fertigte, für dessen Design er Stararchitekt Giampaolo Benedini mit ins Boot holte. Dieser hatte bereits bei Lamborghini moderne Fahrzeugdesigns verantwortet. Doch der Erfolg des Neustarts blieb aus. Und so kamen die Markenrechte 1998 zum Volkswagen Konzern. Die Wolfsburger restaurierten nicht nur den Stammsitz der Marke im historischen elsässer Chateau St. Jean in Molsheim. Direkt daneben errichteten sie das moderne Atelier – das so garnicht wie eineAutomobilfabrik wirken will – sondern gaben dem Unternehmen gänzlich neuen Schwung. Hin zur Entwicklung der modernen Hypercars wie dem Veyron oder Chiron.

Der Bugatti Centodieci (italienisch für: Einhundertzehn) fällt genau in diese Reihe. Als bewusstes Zitat des EB110 greift er die Designelemente des wichtigsten Supersportwagens aus der Zeit der Wiedergeburt der Marke auf. An der flachen Front, dem tiefsitzenden Frontspoiler und den dreigeteilten Lufteinlässen, ist der Vorfahr deutlich zu erkennen. Wie beim EB110 liegt der Motor unter einer transparenten Glasfläche. Zugunsten der Motor-Thermik setzt der Centodieci auf eine breite Luftaustrittsöffnung und geänderte Luftströme. Zudem sorgen Leitklappen um die fünf runden Lufteinsätze, als Raute platziert, für ausreichende Luftzufuhr des W16-Motors. Die sonst dominante Bugatti-Linie, die C-Linie, weicht daher einem neuen Design. Das Heck formiert sich zu einer großen Luftaustrittsöffnung, geprägt durch die acht Rückleuchtenelemente. Der Heckflügel ist zudem in Anlehnung an das Vorbild EB110 Super Sport festmontiert. Doch die Konstrukteure schauten nicht nur auf das Design. So verzichteten sie nicht auf den inzwischen charakteristischen Bugatti-W16-Motor mit seinen acht Litern Hubraum und 1600 PS. Nach der Ankündigung des Prototypen war die auf zehn Stück limitierte Sonderserie bereits innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Die Käufer dürfen 2022 mit ihren Modellen voller Tradition und Pferdestärken rechnen.

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