Driving Times SERIE

Ein großer Torino im großen Lebowski

Manche sind Kult und viele werden zu Ikonen – Automobile und Filmproduktionen stehen oftmals in einer Symbiose zueinander. Driving Times hat sich deshalb 36 automobile Klassiker herausgesucht, die nicht zuletzt durch ihre Auftritte in Kinohits, Blockbustern und TV-Serien enorme Bekanntheit oder gar Kultstatus erlangt haben. Heute im Programm, der 1973er Ford Gran Torino aus The Big Lebowski.

Von Fynn Göttsche

Die Filme der Brüder Joel und Ethan Coen sind anders, als die klassischen Hollywoodstreifen. Sie hinterlassen beim Zuschauer Fragen und zeichnen enigmatische Figuren mit undurchsichtigen Verbindungen zueinander. So auch im 1998er Kultstreifen „The Big Lebowski“. Die Brüder schufen als Hauptfigur den von Jeff Bridges dargestellten Jeffrey Lebowski. Jeffrey Lebowski ist ein fauler Mann. Vielleicht sogar einer der faulsten Menschen der Welt. Er ist arbeitslos, trinkt viel White Russian und kifft noch mehr. Doch am meisten liebt er Bowling. Seine Freunde nennen ihn lediglich „den Dude“. Er ist mit sich zufrieden und lässt sich durch kaum etwas aus der Ruhe bringen. Doch als eines Tages zwei Schlägertypen in seine Wohnung einbrechen und auf seinen Teppich pinkeln, wird der Dude in etwas hineingezogen, dass selbst ihn nicht kalt lassen kann. Denn der Teppich hat die Wohnung erst richtig gemütlich gemacht. Wie sich herausstellte, wurde der Dude mit einem anderen Jeffrey Lebowski verwechselt – dem „Big Lebowski“, der zufälligerweise Millionär ist und dessen junge Frau trotzdem in der ganzen Stadt Schulden gemacht hat. Auf dem Weg einen neuen Teppich zu bekommen, geraten der Dude und seine Freunde Walter Sobchak und Donny Kerabatsos, gespielt von John Goodman und Steve Buscemi, in ein Netz aus Erpressung, Entführung, Betrug und Bowling. Walter würde sagen: „Sie betraten eine Welt des Schmerzes“ – zumindest im übertragenen Sinne. 

Der Trailer des „The Big Lebowski“.

Diese Welt des Schmerzes, betrat vor allem das treue Auto des Dude. Ein 1973er Ford Gran Torino. Das Auto passt in vielerlei Hinsicht perfekt zu seinem Fahrer. Der Wagen ist zwar etwas älter, doch fährt er noch ganz rund. Lediglich das Äußere ist etwas ramponiert und gleicht dem seines Besitzers. Dellen hier und da und vom einstmals mintgrünen Lack ist wenig übrig geblieben. Stattdessen erstrahlt der Gran Torino in einem warmen rostbraun mit grünen Sprenkeln. Doch während der Dude im Laufe des Filmes immer weiter in seinen Schlamassel rutscht, zeigt sich das Unglück vor allem am sich zunehmend verschlechternden Zustand seines Fords. Als eine Lösegeldübergabe scheitert, wird das Auto des Dude von einer Uzi-Maschinenpistole zerschossen. Kurz darauf wird der Wagen  gestohlen. Ein darin befindlicher Lösegeldkoffer gleich mit. Zwar taucht der Wagen wieder auf, aber der Koffer ist weg, die Karosserie noch zerbeulter als zuvor und der Innenraum stinkt nach Urin. Gegen Ende des Films wird das Auto nur noch von Spanngurten und Gottvertrauen zusammengehalten. Als der Gran Torino schließlich von deutschen Nihilisten angezündet wird und ausbrennt, erleidet Bowlingkumpel Donny einen Herzinfarkt und stirbt. Der Dude ist an einem Tiefpunkt. Doch „der Dude packt das“ und geht wieder bowlen.

Der Dude und sein Gran Torino.
Jeff Bridges als der Dude im typischen Outfit. Foto: Polygram.

Ursprünglich wollten die Produzenten einen Chrysler LeBaron verwenden, doch da der nicht gerade schlanke John Goodman kaum hineinpasste, fiel die Wahl auf den weitaus größeren Ford Gran Torino. Für die Dreharbeiten wurden zwei 1973er Modelle in der viertürigen Variante verwendet. Einer der Wagen wurde während der Produktion zerstört, der zweite fand ein paar Jahre später in der Serie Akte-X sein filmisches Ende. Der Gran Torino stellte, auch wenn es im Film kaum so wirken mag, die Luxusausführung des Ford Torino dar, der von 1968 bis 1976 produziert wurde. Neben der im Film gezeigten viertürigen Limousine, baute Ford den Gran Torino auch als Kombi und zweitüriges Coupé. Die dritte Serie dieses Ford, der auch der Filmwagen angehört, war eines der unökonomischsten Automobile der 1970er Jahre. Manchen galt der Wagen als Inbegriff dessen, was bei Ford, oder gar in der ganzen amerikanischen Automobilindustrie, falsch lief. Das Full-Size-Car hatte die passenden Ausmaße. Fast sechs Meter lang, weit über zwei Tonnen schwer und bis zu 7,5 Liter Hubraum. Mit dem Verbrauch von teilweise 30 Litern, war spätestens seit der Ölkrise von 1973, kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Trotz der immensen Größe der viertürigen Limousine verschenkten die Konstrukteure im Innenraum an jeder Ecke Platz. Diese Dimensionen ließen  den Gran Turino fast wie eine Parodie wirken. Außen so groß und innen so klein. Sowohl im Fahrgast- als auch im Kofferraum. Bequem war der Wagen deshalb auch nicht wirklich. Aber immerhin sah er gut aus. Das Fließheck war kurz, die Front umso länger und schloss mit der so markanten Knudsennase ab. Trotz all seiner Unzulänglichkeiten wurden fast 1,7 Millionen Ford Torino der dritten Generation zwischen 1972 und 1976 gebaut. 

Heute ist der Ford Gran Torino ein absolutes Kultauto. Dies liegt aber kaum an seinen bezaubernden Eckdaten, sondern vielmehr an seinen Auftritten in mehreren Filmen und Serien, von denen „The Big Lebowski“ einer ist. Außerdem findet sich der Wagen noch in der Serie „Starsky und Hutch“, die von 1975 bis 1979 gedreht wurde oder dem legendären Film „Gran Torino“ mit Clint Eastwood aus dem Jahr 2008.

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