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Luca de Meo ruft zur Renaulution auf

Der Renault-Konzern steht vor großen Umstrukturierungen. Statt dem stetigen Wachstum von Umsatz und Volumen der Absatzzahlen, soll mehr auf den Wert des Unternehmens und die Wertigkeit seiner Produkte gesetzt werden. Vorstandsvorsitzender Luca de Meo nennt es Renaulution. Die Pläne präsentierte der Konzern nun digital.

von Fynn Göttsche

„From Volume to Value“ ist der Slogan unter dem der Umbau des Renault-Konzerns, zu dem auch Dacia, Lada und Alpine gehören, stattfinden soll. Ähnlich eines Autos, das immer weiter wuchs, doch zu schwer für den Motor wurde, sieht Luca de Meo den Konzern, dem er seit Juli 2020 vorsteht. Starke Diversifizierung  und Überwachstum brachten dem Unternehmen einige Probleme, die sich besonders in der Pandemie zeigten. Der Konzern wurde zuvor immer größer, doch nicht besser. Zwar ist Renault in 140 Ländern weltweit vertreten, doch machten fünf europäische Länder, 50 Prozent des Umsatzes aus. Viele kleine und regionale Angebote hemmten die Effizienz und sorgten für hohe Kosten. De Meo legt jetzt einen Plan vor, wie in den nächsten Jahren unnötige Diversität reduziert und der Break-Even-Point früher erreicht werden soll. Auch der Weg zur Elektromobilität und der Umbau zum Tech-Unternehmen sind vorgezeichnet. 

In drei Stufen soll die „Renaulution“ vonstattengehen. Den Auftakt übernimmt bis 2023 die erste Phase „Erholung“. In dieser Zeit sollen die Kosten gesenkt und so die operative Konzernmarge um drei Prozent gesteigert werden. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen auf acht Prozent des Umsatzes sinken. Bis 2025 soll danach die Phase der „Erneuerung“ laufen. Im Fokus stehen hierbei die Erschließung neuer Fahrzeugsegmente und die Steigerung der Rentabilität. Besonders der Ausbau der Elektromobilität ist dabei ein wichtiger Baustein. Ab 2025 folgt die Phase „Revolution“ auf dem Weg von einem Automobilhersteller mit Technikabteilung zu einem Technikkonzern mit Automobilabteilung. Hierzu erfolgt die verstärkte Ausrichtung des Geschäftsmodells auf Technologie, Energie und Mobilität. Die Renault Gruppe will zu einem Vorreiter der neuen Mobilitätsformen werden.

Um dies zu erreichen, ist besonders eine umfassenden Produktoffensive geplant. Die sogenannte „Nouvelle Vague“, zu Deutsch „Neue Welle”. Deren Ziel ist, die Führungsrolle bei der Wende der Antriebsenergien durch Elektro- und Wasserstofflösungen zu stärken und bis 2025 den grünsten Motorenmix aller Hersteller in Europa anzubieten. Dazu wird die Marke 14 neue Modelle auf den Markt bringen, davon sieben vollelektrisch. Ebenso wird die Produktbreite der Plattformen verringert. Auch in der Zusammenarbeit innerhalb der Allianz aus Renault, Mitsubishi und Nissan, sollen so Synergieeffekte genutzt werden. Es gehe dabei nicht um Marktanteile, sondern ein breiteres Angebot. 

Finanzvorstand Clotilde Delbos erläuterte den finanziellen Rahmen der „Renaulution“ tiefergehend. Die Fixkosten des Unternehmens  sollen gesenkt und so mehrere Milliarden Euro eingespart werden. Der Break-Even-Point soll bereits 2023 um 30 Prozent niedriger liegen. Pro Automobil soll die Herstellung im Durchschnitt um 600 Euro günstiger werden. Andererseits soll der Durchschnittspreis eines Renault um fünf- bis siebentausend Euro steigen; die Flotte also wertiger werden.

Weitere wichtige Bausteine der Modernisierung der Renault-Gruppe liegen im Bereich der Technologie. Zusammen mit Partnern und Zulieferern bildet der Konzern die „Software-Republik“. Mehr als 100.000 Quadratmeter Fläche in den Werkshallen des Konzerns sollen zur Softwarentwicklung zur Verfügung gestellt werden. 

Die einzelnen Marken des Konzerns werden in vier „Business-Units“ aufgeteilt. Größte und wichtigste ist die Marke Renault selbst. Bei ihr soll die Zukunft, besonders smart und elektrisch sein. De Meo stellte zudem einen Prototyp des vollelektrischen Renault 5 vor. Unter anderem wird zusammen mit Google ein digitales Umfeld für die Flotte bereitgestellt. Die gemeinsame App MyLink soll bereits im für 2022 angekündigten Megane EVision zum Einsatz kommen. Die Autos sollen dank der App jeden Tag ein bisschen intelligenter werden und vom Fahrer lernen. Die Antriebstechnik ist ebenso wichtig für die Zukunft des Konzerns: Mittelfristig ist der Hybridantrieb noch die Lebensversicherung des Herstellers auf dem Weg zur reinen Elektroflotte, die als Ziel bereits klar erkennbar ist. Die größte Elektro-Fahrzeug-Fabrik Europas ist bereits in Planung. Zudem will Renault seine Flotte nachhaltiger gestalten. Die Fahrzeuge sollen recyclebar, die Akkus austauschbar sein und darüberhinaus auch insgesamt länger halten.

Der Prototyp des neuen Renault 5. Foto: Renault.

Die Marken Dacia und Lada werden zusammengefasst. Beide sind profitabel, sollen aber Synergien nutzen, um Kosten zu reduzieren. Dacia solle Dacia bleiben, aber ein wenig cooler werden, betont Denis de Lot, CEO von Dacia-Lada. Bei Dacia ist eine durchschnittliche Steigerung des Preises um 30 Prozent angekündigt, da größere SUVs das Portfolio erweitern sollen. Dennoch solle die günstige Ausrichtung der Marke erhalten bleiben, denn „Preiswertigkeit gehe nie aus der Mode“. Ein erstes Modell eines SUV stellte de Lot bereits vor. Der russische Hersteller Lada soll mit einer Neuinterprätation des legendären Niva auch im Ausland erneut Fuß fassen und gleichzeitig die Marke neu definieren.

Das Conceptcar Dacia Bigster. Foto: Dacia.

Alpine fasst künftig Renault Sport, die Formel-1-Abteilung und die Marke Alpine zusammen. Die Marke Alpine solle dabei avantgardistische, vollelektrische Autos bauen, die sich an die sogenannten „Early Adopters“ unter den Kunden richten. Die dürften den Innovationen der Automobilindustrie gegenüber besonders aufgeschlossen sein. Bis 2025 soll dann auch bei dieser Business-Unit – inklusive der Motorsportinvestitionen – die Gewinnzone erreicht werden.

Eine zentrale Rolle in der Neuausrichtung erhält die Marke Mobilize. Renault-Finanzvorstand Delbos fungiert als Geschäftsführerin der Tochter und nannte sie eine „Marke mit einem Auftrag“. Diese fasst die Mobilitätsangebote wie Leasing, Abonnement, Car-Sharing oder Flottenangebote zusammen. Hierzu präsentierte sie gleich vier neue Modelle des Konzerns, die einzelne Aspekte der Mobilität der Zukunft bedienen sollen. Darüberhinaus deckt Mobilize die Bereiche Energie- und Datendienstleistungen ab. Bis 2030 soll die Marke 20 Prozent des Umsatzes der Renault-Gruppe ausmachen. 

Renault-Chef de Meo schloss mit einem Ausblick: neben den präsentierten Zielen der Renaulution sollen „Umwelt“, „Sicherheit“ und „Inklusion“ die großen Themen des französischen Konzerns werden. 

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