Driving Times SERIE

Morgen ist heute schon gestern: Der DeLorean DMC12

Manche sind Kult und viele werden zu Ikonen – Automobile und Filmproduktionen stehen oftmals in einer Symbiose zueinander. Driving Times hat sich deshalb 36 automobile Klassiker herausgesucht, die nicht zuletzt durch ihre Auftritte in Kinohits, Blockbustern und TV-Serien enorme Bekanntheit oder gar Kultstatus erlangt haben. Heute im Programm, der DeLorean DMC12 aus der Zurück in die Zukunft Trilogie.

Von Fynn Göttsche

Wenn man schon eine Zeitmaschine in einen Wagen einbaut, dann bitteschön mit Stil – der DeLorean DMC12

Zeitreisen sind beliebte Themen in Literatur und Filmgeschichte. Entsprechend vielfältig sind die Erscheinungsformen der Zeitmaschinen. Egal ob die Polizei-Zelle TARDIS aus „Dr. Who“, die Telefonzelle aus „Bill und Teds verrückter Reise durch die Zeit“ oder die Couch aus „(T)Rraumschiff Surprise Periode-1“. Doch das bekannteste Vehikel für die Reise durch die Zeit ist zweifellos ein DeLorean DMC 12 aus der Komödie „Zurück in die Zukunft“ von Robert Zemeckis aus dem Jahr 1985. 

Der Trailer des Kultstreifens.

Dem Wissenschaftler Dr. Emmet Brown, dargestellt von Christopher Lloyd, kam die Idee für ein Fluxkompensator genanntes Gerät, als er beim Aufhängen einer Uhr von der Toilette fiel und sich den Kopf anschlug. Dieser Fluxkompensator ermöglicht nichts weniger als die Reise durch die Zeit. Den baut „Doc Brown“ in einen DeLorean-DMC-12 ein. Die „läppische“ Leistung von 1,21 Gigawatt, die für den Zeitsprung benötigt wird, zieht der Fluxkompensator aus Plutonium. Da Plutonium nicht ganz so frei verfügbar ist, lässt sich Doc Brown unter einem Vorwand von libyschen Nationalisten aushelfen. Als diese dessen Trick durchschauen, überfallen sie ihn während der ersten Erprobung der Zeitmaschine. Zwar töten sie Doc, doch sein Freund und Helfer, der 17-jährige Schüler Marty McFly, gespielt von Michael J. Fox, kann mit dem DeLorean entkommen. Zwar bringt sich Marty in Sicherheit, doch landet er unfreiwillig im Jahr 1955. Dort sucht er den Doc Brown der Vergangenheit auf, um wieder zurück in die Zukunft zu reisen. Doch es wird nicht ganz so leicht, denn Plutonium ist in jenen Tagen  noch schwerer zu bekommen, als 1985. Außerdem verhindert Marty durch einen Zufall, dass sich seine Eltern kennenlernen und in einander verlieben und somit auch seine eigene Geburt. Unter Ausnutzung eines Blitzeinschlages soll die notwendige Energie für den DeLorean erzeugt werden, damit Marty zurückkehren kann. Doch zuvor muss er dafür sorgen, dass seine Eltern zueinander finden. Letztlich führt er die beiden zusammen und Zeitsprung gelingt. Marty landet wieder im Jahr 1985. In dieser neuen Gegenwart überlebt Doc Brown nicht nur den Angriff der Libyer, er reist am Ende sogar selbst in die Zukunft. 

Der Erfolg des Films bewog Steven Spielberg und Robert Zemeckis dazu, für den Streifen zwei Fortsetzungen zu drehen. Diese führten die Protagonisten in die Jahre 2015 beziehungsweise 1885. Bis heute ist die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie eine der erfolgreichsten Zeitreise-Reihen und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Besonders im Jahr 2015, dem Besuch Martys in der „Zukunft“ wurden zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt. Fans warteten sogar am Drehort des Films auf den Zeitreisenden. Firmen wie Nike, verkauften Produkte, die in der Zukunftsvision der Reihe vorkamen und sogar ein Trailer für den im Film angekündigten „Der Weiße Hai – Teil 19“ wurde produziert.  Linda Zervakis berichtete in der deutschen Tagesschau gar scherzhaft von einem durch einen DeLorean ausgelösten Verkehrschaos in den USA.

Die Zeitmaschine, ein modifizierter DeLorean-DMC-12 konnte einen ähnlichen Erfolg nicht vorweisen. Sein Erfinder John DeLorean war Vizepräsident von General Motors, doch fühlte er sich zu Höherem berufen. Er wollte, dass Automobile ethischer werden. Langlebig, nachhaltig, effizient und sicher sollten sie sein. Im Amerika vor der Ölkrise des Jahres 1973, einer Zeit grandioser Übermotorisierung, kam diese Idee hingegen nicht gut an. Folglich nahm DeLorean seinen Hut und gründete mit der DeLorean-Motor-Company seine eigene Firma. Dieses Unternehmen nahm sich der Konstruktion des ersten und einzigen Modells des DeLorean an – dem DMC-12. Das Exterieur wurde vom legendären italienischen Designer Giorgio Giugiaro entworfen. Dieser hatte bereits das Erscheinungsbild von Golf I, Fiat Panda, Lotus Esprit und zahlreichen weiteren Automobillegenden verantwortet.

Die flache Front und das kurze Heck des Coupés fand sich in vielen von Giugiaros Entwürfen wieder und stammte ursprünglich von einer Studie für den Maserati Medici. Die wohl charakteristischsten Stilmerkmale waren die Flügeltüren und die unlackierte Edelstahlkarosserie des Zweisitzers. Gefertigt wurde der DeLorean-DMC-12 im nordirischen Belfast vom Automobilbauer Lotus. Die britische Regierung unterstützte den Bau des Werkes mit immensen Summen. Aus einem Grund: die Arbeitslosigkeit in der vom Bürgerkrieg gebeutelten Region zu senken. Als der DeLorean im Jahr 1981 schließlich auf den Markt kam, war von der Zurückhaltung der Ölkrisenzeit Anfang der 1970er Jahre nicht mehr viel übrig. Der 2,8 Liter V6-Motor leistete verhältnismäßig schmale 132 PS. Der beschleunigte den 1,3 Tonnen schweren DeLorean zwar auf knapp 200km/h, war aber weit schwächer als andere Zeitgenossen, die leichter, günstiger und verbrauchsärmer waren. Hinzu kamen zahlreiche technische Probleme. Die Bordelektronik war fehleranfällig, die Flügeltüren konnten die Insassen verletzen und die Wartung war aufwändig. Als führende Köpfe der Firma schließlich in den Kokainhandel verwickelt waren – angeblich um die Finanzierung zu sichern – ging es endgültig bergab. Nach 9.000 produzierten Einheiten wurde das Projekt DeLorean bereits  1982 wieder eingestellt. 

John DeLoreans Vision eines ethischen Automobils war seiner Zeit vielleicht voraus, umso besser passt es damit zu einer Filmreihe, die „Zurück in die Zukunft“ heißt. Das futuristische Aussehen des Sportwagens passte ebenso. Da DeLoreans günstig und zahlreich zur Verfügung standen, wählten Zemeckis und Spielberg eben jenes Auto und verhalfen ihm damit zu spätem Ruhm. Ohne die Trilogie wäre das Auto wohl in Vergessenheit geraten. Doch heute ist der DeLorean eine Ikone: als bekannteste Zeitmaschine der Filmgeschichte. Auch wenn John DeLoreans Traum in seinem wirtschaftlichen Ruin endete, machte ihn das Auto doch unsterblich und ziert letztlich sogar seinen Grabstein.

%d Bloggern gefällt das: