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Es braust ein RUF wie Donnerhall…

Von Fynn Göttsche

Porsche und Tuning sind nicht wirklich zwei Themen, die der Automobilfreund sofort verbindet. Die Zuffenhausener stimmen ihre Schöpfungen bereits vorzüglich ab und auch die Demographie des Porschefahrers überschneidet sich eher seltener mit derjenigen, der Tuner. Manch ein Purist rümpft abfällig die Nase, wenn Tuning und Porsche in einem Satz genannt werden. Beim Wort Porschetuner, bekommt er gar Stresspickel – es sei denn, es folgt ein kleiner Nachtrag. Ruf. Fällt dieser Name ist aller Vorbehalt vergessen und das Herz geht auf. 

Denn Alois Ruf weiß, was er tut. Alles begann 1939 in Pfaffenhausen im Allgäu und da sitzt der Autohersteller bis heute. Alois Ruf Senior und dessen Frau betrieben anfangs eine Tankstelle und eine Autowerkstatt. Diese wurden nach und nach erweitert und so wurde im Jahre 1975 der erste Ruf Turbo gebaut. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Heute führt Alois Ruf Junior die Firma. Seit 1981 ist sie als Automobilhersteller anerkannt und entwickelt Supersportwagen auf Basis von Porschemodellen. Besonderen Fokus setzen die Pfaffenhausener dabei auf die Turbotechnik. Das Flaggschiff des Veredlers ist der RUF CTR, genannt „Yellowbird“. Auf Grundlage des Porsche 911 Carrera 3.2 wurde das Modell entwickelt. Teilweise erfolgte der Ausbau von Rohkarosserien, die direkt von Porsche erworben wurden oder der Umbau von Serienwagen. Der von 1987 bis 1991 gebaute Supersportwagen spielte im Konzert der Großen, ganz oben mit und kann sich bis heute sehen lassen. Auch 30 Jahre nach dem CTR, erschienen mehrere Serien von veredelten Porsche-Sportwagen, stets mit dem charakteristischen Understatement der Firma Ruf. Sie rollen immer noch aus den Hallen, die auf dem gleichen Gelände stehen, wie die erste Werkstatt von Ruf Senior.

2017 ging Alois Ruf den Schritt vom Veredler zum Entwickler und stellte auf dem Genfer Automobilsalon, den ersten von Ruf komplett selbst konstruierten Supersportwagen vor. Den RUF CTR 2017. Äußerlich zitiert der CTR 2017 den alten Yellowbird. Also bewährtes Porsche 911 Design. Der Laie mag denken, einen restaurierten Klassiker vor sich zu haben. Doch vor ihm steht ein nur etwas weniger als 900.000 Euro teurer Supersportwagen der neusten Generation. Der in Kleinserie produzierte Ruf beinhaltet nur noch wenige Teile, die direkt von Porsche stammen, wie Windschutzscheibe oder Scheibenwischermotor. Es lauern 1200 Kilogramm Fahrspaß unter dem Kohlefaser-Monocoque aus eigener Herstellung. Sogar das 510 PS 4-Liter-Aggregat oder der alternativ erhältliche, 710 PS starke 3,6 Liter Biturbo stammen von Ruf selbst. 365 km/h sollen laut Hersteller möglich sein. Insgesamt plant Ruf, 50 Stück zu bauen. Verkauft sind sie schon längst. Auch die zwei Jahre Wartezeit schreckten die Kunden nicht ab.

So behauptet der Familienbetrieb aus dem Allgäu seine Position als führender Veredler von Porschemodellen aber auch als innovativer Konstrukteur von hochwertigen Supersportwagen.

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