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Limitiertes Design aus Italien und eine Problemlösung aus Dänemark

Von Fynn Göttsche

Kürzlich berichteten wir bei Driving Times über die Zusammenarbeit von Porsche und Embraer. Limitierte Modelle des Privatjet Embraer Phenom 300E und eines Porsche 911 Turbo S sind optisch aufeinander abgestimmt. Diese werden nur gemeinsam verkauft und sind auf zehn Paar begrenzt. Diese Kooperation sollte zahlreiche Alltagsprobleme lösen. So gehört die Schmach durch einen unpassenden Transport über die Runway der Vergangenheit an. Getuschel in der VIP-Lounge des Flughafens wandelt sich in Bewunderung. Die Notwendigkeit, verschiedene Verkehrsmittel aus dem privaten Portfolio optisch aufeinander abzustimmen, sehen auch andere Hersteller. In Italien übernahmen diese Idee nun Lamborghini und Ducati.

Dem Lamborghini Sián FKP37 wird nun die Ducati Diavel 1260 Lamborghini nachgebildet. Der seit 2019 gebaute Sián FKP37 ist der erste Hybrid in der Produktpalette der Italiener. Hinzu kommt, dass er mit seinem 819-PS leistenden 6,5-Liter-V12-Motor auch der stärkste Serienwagen der Bologneser ist. Tempo 100 aus dem Stand in 2,8 Sekunden und 350 km/h Spitze seien pro Forma erwähnt. Der Zusatz FKP37 steht für die Initialen und das Geburtsjahr von Volkswagen-Patriarch Ferdinand Karl Piëch, der im Jahr 2019 verstarb. Während seiner Amtszeit wurde Lamborghini Teil des Volkswagen Konzerns, dem Piëch damals vorstand. Der Motorradhersteller Ducati kam zudem unter Piëchs Ägide als Aufsichtsratschef hinzu.

Die Zweiradbauer entwarfen nun das Modell Diavel 1260 Lamborghini, dessen Design vom Sián FKP37 übernommen wurde. 162 PS leistet dieser Feuerstuhl und basiert bereits auf dem Topmodell von Ducati. Sowohl Zweirad als auch Automobil tragen die Farbe Gea Green auf der Außenhülle. Akzente, wie Rahmen und Felgen sind in Electrum Gold gehalten. Doch wozu das Ganze? Anders als bei Porsche und Embraer werden die Fahrzeuge nicht im Paket verkauft. Der Sián ist in Anlehnung an das Gründungsjahr 1963 auf 63 Stück limitiert, Ducati baut hingegen 630 Einheiten – trägt aber eine goldene 63 auf ihrer Verkleidung. Also haben gerade einmal zehn Prozent der Kunden die Möglichkeit, eine farbliche Harmonie in ihrer Garage zu kreieren.

Doch ein weiteres Problem kommt noch hinzu. Wer einen Lamborghini Sián besitzt, für den er bereits 3,5 Millionen Euro locker machte, hat sicherlich mehr als ein Auto in der Garage. Dieses passt dann natürlich optisch nicht mehr zum Motorrad. Die ganze Ästhetik ist dahin. Anders als bei der Porsche-Embraer-Zusammenarbeit fehlt ein essentieller Vorteil bei den Italienern: Aus dem Flieger wird direkt auf dem Rollfeld in den Sportwagen gewechselt – oder andersherum. Vom Lambo direkt auf die Ducati umzusteigen scheint eher selten. Folglich wäre der einzige, der diese farbliche Übereinstimmung sieht, der Eigentümer selbst. 

Doch was bleibt den Kunden übrig, die zwar die 35.000 Euro für die Ducati haben, aber nicht die 3,5 Millionen für den Lamborghini? Oder schlimmer, die 567 Kunden, die keinen Sián mehr abbekommen und nun das Motorrad ohne passenden Hypersportwagen in der Garage stehen haben? Keine Sorge, die Lösung für dieses italienische Problem ist eine dänische. Niemand geringeres als der größte Reifenhersteller der Welt – Lego – liefert Abhilfe. Die Billunder Bausteinbauer präsentieren nämlich für nur 350 Euro – und damit nur 0,1 Prozent des Originalpreises –  ein Modell des Lamborghini Sián FKP37. Dieser etwas weniger als 4000 Teile umfassende Nachbau im Maßstab 1 zu 8, erschien im Sommer. Er dürfte die ein oder andere Träne trocknen. Wer sich also die passend zur Weihnachtszeit im Dezember 2020 erscheinende Ducati Diavel 1260 Lamborghini zulegt, sollte vielleicht noch in der Spielwarenabteilung vorbeischauen. Fraglich ist, ob die Ducati überhaupt im freien Handel ankommt. Oder – wie bereits so viele Sondereditionen vor ihr – fast ungefahren in irgendwelchen Depots und Großgaragen von Scheichs und Oligarchen verstaubt.

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