Aktuelles Fahrbericht

Gran Turismo mit Grandezza

Volkswagen erreicht mit dem Arteon Shooting Brake ein neues Design-Niveau.

Von Alexander Voigt

Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes die beiden Volkswagen Highlights des Jahres. Bereits im Sommer startete der Vorverkauf des neuen Arteon und des Arteon Shooting Brake. Jetzt stehen die beiden Volkswagen der oberen Mittelklasse bei den Händlern. Ebenfalls noch im Jahr 2020 starten beide Arteon Versionen erstmalig mit einem Plug-In-Hybridantrieb (bestellbar seit dem 26. November), bevor die Varianten des Hinguckers Anfang 2021 von einem sportlichen R-Modell gekrönt werden.

Mit der nicht unumstrittenen Einstellung des Phaeton und des CC entstand oberhalb des Passat eine nicht zu übersehende Lücke in der Modellpalette der VW Limousinen. Diese wurde mit der Premiere des Arteon als neues Top-Modell (neben dem Touareg) auf dem Genfer Auto-Salon am sechsten März 2017 wieder geschlossen. Die Arteon Fastback Limousine mit ihrer coupéhaften Dachlinie blieb damit in der Tradition des CC; natürlich auch weiterhin mit gewissen Einschränkungen beim Einstieg und der Kopffreiheit von großgewachsenen Gästen im Fond. Und das gilt ebenfalls für die umfangreiche Produktaufwertung im laufenden Jahr 2020.

Weitaus spannender ist da der jetzt erstmalig präsentierte Volkswagen Arteon Shooting Brake, dessen Design-Vater nicht umsonst inzwischen bei Bentley tätig ist. Mit dem Shooting Brake – Wolfsburger Traditionalisten dürfen auch gerne beim klassischen „Variant“ bleiben – ist die Quadratur des Kreises gelungen: Der neue Sportkombi ist ein, wenn nicht DAS Exemplar von wenigen Modellen der Automobilgeschichte, bei dem die Kombiversion wirklich die Bezeichnung „Gran Turismo“ im Sinne von „für die große Fahrt“ verdient hat. Häufig wirkt das Heckabteil wie nachträglich angesetzt. Das ist beim Arteon Shooting Brake in keinster Weise der Fall. Die lediglich sanft abfallende Dachlinie sorgt neben zwei zum Heck hin sogar ansteigenden Linienführungen und der filigranen C-Säule, die einen lichten hinteren Innenraum gewährleistet, für einen Designeindruck, den man aus Wolfsburg nicht erwartet hat und der noch lange nachhallen wird.

Der neue Innenraum wird von einer optischen und haptischen Aufwertung bestimmt: Holzeinlagen, hochwertiges Kunstleder mit feinen Ziernähten, das neue, berührungssensitive Lenkrad und die 30 möglichen Farben der Ambientebeleuchtung – durchleuchtete Dekorleisten inklusive – erfreuen die Sinne. Der Radstand ist mit 2,84 Metern noch einmal fünf Zentimeter länger als der des Passat. Die Kopffreiheit logiert vor allem hinten (plus 48 Millimeter) deutlich über der der Limousine und garantiert die großartige Reisetauglichkeit des Arteon Shooting Brake. Dafür fasst der Kofferraum rund 565 Liter; bei umgeklappten Rücksitzen sind es im Kombi sogar stolze 1.632 Liter mit einer Ladetiefe von mehr als zwei Metern.

Assistenzsysteme wie der Spurhalteassistent „Lane Assist“ und die automatische Distanzregelung „ACC“ plus „Front Assist“ verschmelzen im neuen Arteon zum „Travel Assist“. Das neue System ermöglicht das automatisierte Fahren bis 210 km/h mit Längs- und Querführung.

Beide Versionen kommen in den Ausstattungsversionen „Arteon“, „Elegance“ und „R-Line“ auf den Markt. Bereits bestellbar sind die bei Geschäftswagen-Fahrern und Flottenbetreibern besonders gefragten Turbodiesel-Versionen (TDI mit Twindosing) mit 110 kW (150 PS) und 147 kW (200 PS). Optional kann die große Version mit einem Drehmoment von 400 Newtonmetern durch den Allradabtrieb 4MOTION ergänzt werden. Hinzu kommen zwei Turbobenziner (TSI) mit 140 kW (190 PS) und 206 kW (280 PS). Ebenfalls noch 2020 kommt im Arteon erstmals ein Plug-In-Hybridantrieb mit der aus dem Passat GTE bekannten Systemleistung von 160 kW/218 PS und einem Systemdrehmoment von 400 Newtonmeter zum Einsatz. Die rein elektrische Reichweite ist mit rund 60 Kilometern so groß, dass tägliche Distanzen lokal emissionsfrei – bis zu 140 km/h schnell – zurückgelegt werden können. Bei höheren Geschwindigkeiten schaltet sich der effiziente TSI-Vierzylinder (Turbobenziner) hinzu.

Als Fastback Limousine beginnt der Arteon zu Preisen ab 43.524,37 Euro; der Shooting Brake ist ab 44.387,06 Euro zu haben. Performance Liebhaber müssen sich noch ein wenig länger gedulden und sollten sich schon einmal den Februar/März im Kalender ihres Jahresplaners 2021 markieren. Dann wartet in beiden neuen R-Modellen als Topversion beider Karosserievarianten ein 235 kW (320 PS) starker Performance-TSI auf die erste Probefahrt.

%d Bloggern gefällt das: