KOMMENTAR

Einst Loblied, heute Abgesang. Vom Aufstieg und Fall des Dieselmotors

Ein Kommentar von Fynn Göttsche

Kürzlich fiel mir eine Zeitung aus dem Jahr 2009 in die Hände. Darin sah ich eine Anzeige, die mich ein wenig zum schmunzeln brachte. Sie war überschrieben mit: „Sparen beim Fahren“. 30 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch, 25 Prozent weniger CO2 und 50 Prozent mehr Drehmoment waren angepriesen. Wie sollte das erreicht werden? Mit einem Dieselmotor. Als günstiger und umweltfreundlicher galt der Diesel vor nicht allzu langer Zeit. Dann kam der Abgasskandal und die einstige Zukunftstechnik begann einen weltweiten Abstieg. In den USA, wo Verbrauch und Umweltschutz nur sehr nachrangige Kategorien sind, waren ohnehin nur 2,7 Prozent der Autos auf den Straßen Selbstzünder. Doch in Deutschland sind aus einstmals mehr als der Hälfte der jährlichen Neuzulassungen nicht einmal mehr ein Drittel geworden. In anderen Ländern sieht es noch düsterer aus. Dass nun neue Abgasnormen und Elektrifizierungsförderung massiv in den freien Markt eingreifen, tut sein Übriges. Doch zurecht? 

Moderne Diesel-Aggregate reduzieren ihre Emissionen weiter dank Twindosing und AdBlue. Foto: Audi.

Der Innovationskraft der deutschen Autobauer sei Dank, kitzeln die Ingenieure weitere Einsparungen aus den Selbstzünder-Aggregaten heraus. Durch AdBlue-Einspritzung, Twindosing und elektronische Assistenzsysteme, sinken Verbrauch und Schadstoffausstoß weiter. Angesichts der immer noch weit niedrigeren CO2-Emissionen im Vergleich zu Benzinern kommen die Hersteller nun in Bredouille, die Grenzwerte der EU-5-Norm einzuhalten. Diese schreibt einen einzuhaltenden CO2-Ausstoß-Durchschnitt der neu zugelassenen Modelle vor. Da der Anteil der Benziner und vor allem der SUVs weit stärker steigt, als dass der Anteil der Elektro- und Hybridfahrzeuge zunimmt, drohen gewaltige Strafzahlungen. Der Diesel könnte mittelfristig ein Bauteil auf dem Weg der Reduzierung der weltweiten CO2-Emissionen und dem Kampf gegen den Klimawandel sein. Autobauer tun ihr Möglichstes das Vertrauen in die Selbstzünder wiederherzustellen, doch der Kunde ist verunsichert und die Politik setzt alles auf die unausgegorene Technik der Elektro-Autos. Während die Bereiche Stromerzeugung, der ökologische Rucksack der Akkus und der Ladeinfrastruktur immer noch nicht zufriedenstellend beantwortet sind, wird die zuverlässige Dieseltechnik ohne Not an den Rand gedrückt. Schade.

%d Bloggern gefällt das: