Driving Times SERIE

Ein Leichenwagen für die Untoten – Das Ectomobile

Manche sind Kult und viele werden zu Ikonen – Automobile und Filmproduktionen stehen oftmals in einer Symbiose zueinander. Driving Times hat sich deshalb 36 automobile Klassiker herausgesucht, die nicht zuletzt durch ihre Auftritte in Kinohits, Blockbustern und TV-Serien enorme Bekanntheit oder gar Kultstatus erlangt haben. Heute im Programm, der Cadillac Miller Meteor von 1959.

Von Fynn Göttsche

„Spukt es zuhause oder in der Nachbarschaft? Rufen Sie die Ghostbusters! Sie sind bereit Ihnen zu glauben und kommen sofort vorbei.“ Doch sie laufen nicht einfach, oder fahren mit der U-Bahn. Die Ghostbusters kommen mit dem „Ectomobile“.

Der dänische Spielzeugriese Lego bringt dieses Ectomobile nun erneut als Bausatz heraus. Anlass ist der Film „Ghostbusters Afterlife“, der im Jahr 2021 herauskommt. Das Auto des Originalfims soll auch einen Auftritt haben. Nachdem bereits 2014 ein 506 Teile großes Modell erschien, kommt am 15. November ein 2352 Teile umfassender und wesentlich größerer Nachfolger. Ganze 47 Zentimeter lang und 22,5 Zentimeter hoch ist das Gefährt der Ghostbusters. Es wird 194,95 Euro Listenpreis kosten. 

Das Ectomobile 

Nachdem die drei Wissenschafter Peter Venkman, Ray Stantz, and Egon Spengler ihre Jobs an der Universität verlieren, machen sie sich als Geisterjäger selbstständig. Zusammen mit Winston Zeddemore etabliert sich das von Bill Murray, Dan Akroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson dargestellte Quartett als „Ghostbusters“. In New York gibt es für sie viel zu tun, denn die Erscheinung des antiken Gottes Gozer des Zerstörers kündigt sich an. Nachdem zahlreiche Geister, Monster und andere übernatürliche Erscheinungen eingefangen wurden, tritt die Gruppe im großen Finale des Films gegen Gozer an. Dieser versucht in der Form eines gigantischen Marshmallowmannes New York zu zerstören. Natürlich gibt es ein Happy End und die Gruppe fährt im „Ectomobile“ davon. So endet einer der zehn erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Mit einem Auto, das sich in das kollektive Gedächtnis einer Generation einprägte.

Die Ghostbusters und das Ectomobile. Der Name stammt vom Kennzeichen. Foto: Warner-Columbia.

Bevor das „Ectomobile“ zum Dienstwagen für die Geisterjäger wurde, war es ein schwarzer Leichentransporter mit diversen Defekten, den das Team erwarb. Dieser Leichenwagen basierte auf dem 1959er Cadillac Commercial Chassis. Cadillac vertrieb verstärkte Versionen des Fahrgestells seiner Luxusmodelle der Fleetwood Reihe unter diesem Namen an Karosseriebauer. Diese versahen die Fahrgestelle mit Aufbauten. Meistens Kranken- und Leichenwagen. Diese Typen wurden im ländlichen Raum der USA der 1950er und 1960er Jahre aus Kostengründen für beide Zwecke genutzt. Die im Film gezeigte Version stammt von der Firma Miller-Meteor und hieß Futura Duplex. Genau genommen ist im Film ein ehemaliger Krankenwagen zu sehen. Dieser wurde von den Produzenten als schwarzer Leichenwagen ausgegeben, um diesen schließlich durch die von den Ghostbusters angebrachte weiß-rote Farbkombination und mehrere Sätze Blaulicht wieder wie ein Krankenwagen aussehen zu lassen. Zusätzlich wurden weitere Dachaufbauten angebracht, wie verschiedene Messgeräte, Schläuche und die markante Sirene. Übrigens: Deren Klang stammte von einem stark bearbeiteten und rückwärts abgespielten Leopardenknurren.

Eine Hammer-Aufgabe

Der Designer des „Ectomobile“ Stephen Dane berichtete, dass er das Auto innerhalb von nur zwei Wochen vor Drehbeginn herzurichten hatte. Aufgrund des Zeitmangels weicht das „Filmfahrzeug“ in einigen Punkten von seinen Plänen ab, wie der Bemalung und anderen geplanten Aufbauten. Für die Dachaufbauten kaufte er wahllos Dinge in einem Baumarkt, die in diesem Moment gut aussahen und passten. Stephen Dane bezeichnete das Auto seinerzeit als „Teil der lebendigen Geschichte und Teil der amerikanischen Kultur. Er wäre nicht verwundert, wenn es eines Tages im Smithsonian ausgestellt würde.“

Der 1959er Cadillac Miller-Meteor stammt aus der Zeit, als Cadillac keinen Halt bei dem  Design der so typischen Heckflossen kannte. So waren dies nicht nur die größten Flossen die Cadillac jemals verbaute, sondern sie statteten jede Heck-Flosse auch gleich mit zwei Rücklichtern aus. Zusammen mit den Weißwandreifen versprüht das Modell sofort das Gefühl der 1950er Jahre. Die bescheidenen 320 PS, die der 6,3 Liter V8-Motor leistete, waren auch bitter nötig, denn mit seinen sechs Metern Länge wog der Wagen stolze drei Tonnen. Zum Zeitpunkt des Filmdrehs im Jahr 1984 war der Wagen bereits 25 Jahre alt und versprühte weder einen besonderen Hauch von Luxus noch von Klasse. Es wurden lediglich 400 Stück gefertigt. Aber die verbliebenen Exemplare fanden aufgrund des Films unter Sammlern einen reißenden Absatz. Heutzutage werden einzelne Modelle selbst in schlechtesten Zuständen zu enormen Preisen gehandelt. Nicht nur aufgrund des Alters des Cadillac, sondern wegen der Bedeutung des „Ectomobiles“.

%d Bloggern gefällt das: