E-Mobilität

Toyota legt ein Solarpanel auf das Dach des Prius. Lohnt sich das?

von Fynn Göttsche

„Papa, warum bauen die eigentlich keine Solarzellen auf Autodächer? Dann lädt das doch während der Fahrt?“ Diese Frage stellte kürzlich die Tochter eines Freundes, ihrem Vater. Da dieser keine Erklärung über Wirkungsgrade, Parkplätze, Wetter, Sonnenstunden sowie Gewicht und Kosten von Solarzellen anfangen wollte, sagte er lediglich: „Das lohnt sich nicht.“ Die Frage war vom Tisch. Hätten die Konstrukteure von Toyota ihn gefragt, hätte er wohl ausführlicher geantwortet. Doch dazu kam es naheliegenderweise nicht und Toyota tat nun genau das. Die Japaner bauten ein Solarpanel auf das Dach des Prius.

Der Toyota Prius und sein Solarpanel. Foto Toyota.

Der Toyota Prius, ein Vorreiter in der Hybridtechnik hat sicherlich seinen Platz in der Geschichte der teilelektrischen-Antriebe erkämpft und verdient. Er wird sicherlich stets ein Meilenstein bleiben. Der aktuelle Schritt sorgt nun aber für so manches Verständnisproblem. Zumindest bei Allen, die über grundlegende Kenntnisse der Mathematik verfügen.

Das Solarelement des Prius kommt mit einer überwältigenden Nennleistung von 180 Watt auf den Markt. Die Älteren erinnern sich, das reichte mal für zwei bis drei haushaltsübliche Glühlampen. Also nichts womit man ein Auto fahren könnte. Doch die Zelle wird glücklicherweise nur unterstützend tätig und lädt einen zusätzlichen 12-Volt-Akku, dessen Energie bei Bedarf abgerufen werden kann. Toyota gibt für den Plug-in-Hybrid einen Verbrauch von zehn Kilowattstunden (kWh) auf 100 km an. Pro Tag sollen so überragende fünf Kilometer Reichweite hinzukommen. Natürlich nur bei Sonnenschein und wenn das Auto nicht unter einem Baum, in einer Garage oder auf der Schattenseite eines Gebäudes stand. Wer also über eine Süd-Auffahrt verfügt, kann im Sommer vielleicht nochmal schnell zum Einkaufen fahren. Auf dem Rückweg wird aber wohl wieder der Verbrenner benötigt. Alternativ lädt das Akku in acht Tagen etwa 80 Prozent der Kapazität der Hybridbatterie auf. Das sind ganze 40 Kilometer. Auf das komplette Jahr verspricht Toyota bei 200 Sonnentagen etwa 1000 Kilometer Reichweitengewinn. Das klingt erst einmal ganz nett. Wer jetzt in der Grundschule aufgepasst hat und die Grundrechenarten beherrscht, wird schnell merken, dass das gar nicht so viel ist.

Das Solarpanel des Prius. Foto Toyota.

Deutschland hat mit etwa 30 Cent pro Kilowattstunde schon die höchsten Strompreise in Europa. Wenn der Verbrauch von zehn kWh auf 100 Kilometer richtig ist, sprechen wir hier trotzdem nur über eine jährliche Ersparnis von 30 Euro. Diverse Kommunen bieten hingegen für ihre Ladeinfrastruktur Flatrates an und zahlreiche Gratis-Ladesäulen stehen bundesweit zur Verfügung. Weitere Möglichkeiten der Kostensenkung finden sich auch noch, wie die Abrechnung über den Arbeitgeber oder ähnliches. Wer nun auf den Preis des Solarpanels von 3000 Euro schaut, sollte sich schnell überlegen, ob er das Auto in 100 Jahren noch fahren möchte.

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