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Sitech Sitztechnik und die Volkswagen Forschung & Entwicklung arbeiten „Hand in Hand“

Sitech Sitztechnik stellt in Wolfsburg gemeinsam mit der Volkswagen Forschung und Entwicklung die hohe Sitz-Kompetenz des Volkswagen Konzerns sicher.

Von Alexander Voigt

Die Sitze eines Autos werden von vier der fünf menschlichen Sinne wahrgenommen: Sitze werden gesehen, gerochen, erfühlt und sogar – unter Belastung – gehört. Lediglich der Geschmack bleibt – zumindest bei dem durchschnittlichen Nutzer – auf den optischen Eindruck beschränkt. Dabei sollen Autositze zugleich für jeden (Mit-)Fahrer bequem sein. Sie sollen beinahe wie ein auf Maß geschneidertes Kleidungsstück passen. Die Fachleute sprechen dabei von dem Spektrum zwischen der „Fünf-Prozent-Frau“ und dem „95-Prozent-Mann“. Das heißt, ein idealer Fahrzeugsitz soll lediglich bei den kleinsten, zierlichsten und den größten, kräftigsten Nutzern an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit kommen. Wie gelingt diese Quadratur des Kreises bei Volkswagen?

Hier wird ein Sportsitz für den neuen Golf GTI getestet: SITECH Entwickler Thomas Asmus (40) zeigt die Belastungszonen beim Ein- und Ausstieg. Foto: Sitech.

Es gibt in Wolfsburg eine ganze Reihe von „Heiligen Hallen“, in denen nie oder nur äußerst selten für die Öffentlichkeit fotografiert werden darf. Jetzt war es wieder einmal soweit: In den Ortsteilen Sandkamp am Westrand der Stadt und im Heinenkamp im Wolfsburger Süden gewährten die Entwicklungsabteilungen von Sitech und Volkswagen einen exklusiven Blick hinter die Kulissen jahrzehntelanger Kompetenz bei der Konzeption und dem Bau von Fahrzeugsitzen. Mit langjähriger Erfahrung und im alltäglichen, intensiven Austausch miteinander werden in Sandkamp Sitze für zahlreiche Modelle des Konzerns entwickelt und auch produziert.

Darüber hinaus werden Entwicklungsarbeiten für Dritte übernommen. Hinzu kommt die aktuelle (Neu-)Ausrichtung der Sitech, Sitze auch an weitere Automobilhersteller liefern zu wollen. Allein das aktuelle Entwicklungsportfolio umfasst die Sitze des Golf, Tiguan, und Touran für das Werk Wolfsburg, des Arteon und Passat für Emden und schließlich die Entwicklung der „Bestuhlung“ für den T7 und den Crafter von Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Für die Sitze des neuen Golf hat Volkswagen Entwicklungsingenieur Sascha Ring (43) sehr viele Stunden am Computer und auch sehr viele Kilometer persönlich im Fahrzeug gesessen. Foto: Sitech.

Gleich zu Beginn des Rundganges bekennt Sascha Ring, Teamleiter bei Volkswagen, zuständig für die Sitze des Golf und des ID.3: „Immer der nächste Sitz ist der Beste!“. Dabei geht es bei der Entwicklung neben neuen, cleveren Detaillösungen, wie zum Beispiel den Abdeckungen der Isofix-Verankerungen im neuen Golf, die beim Einsetzen des Kindersitzes zusätzlich als Einführungshilfen der Kindersitzbefestigung unterstützen, vor allem darum, den besten Kompromiss in einem komplexen Spannungsfeld zwischen messbaren und subjektiven Faktoren zu finden: Geo- und biometrische Randbedingungen wie der Freiraum für den Fahrer, der „Hüftreferenzpunkt“ des Sitzes, die Freigängigkeit beim Klappen oder die Variabilität im Innenraum spielen ebenso eine Rolle wie die Sicherheitsanforderungen der Automobilhersteller bis hin zu gesetzlichen Vorgaben. Hinzu kommen notwendige Funktionalitäten und zahlreiche Verstellmöglichkeiten. Natürlich müssen auch Kosten und Gewicht in Einklang mit den subjektiven Faktoren gebracht werden. Die sinnlichen Wahrnehmungen bestimmen schließlich den alltäglichen Komfort der Kunden.

Ein hochauflösender Scanner hilft SITECH bei der Qualitätskontrolle von einzelnen Bauteilen und auch gesamten Sitzen: Die ermittelten Messwerte werden am PC mit den Vorgaben verglichen. Foto: Sitech.

Diese Komplexität kann zum Wohle des Endkunden nur durch das permanente Zusammenwirken von endlosen Versuchen, Tests und Messungen gelöst werden: Das weltweite Umgebungsklima wird in speziellen Klimakammern und Umweltsimulationen berücksichtigt. Dafür stehen an 365 Tagen im Jahr, sieben Tagen die Woche, 24 Stunden am Tag Roboter bereit, um zum Beispiel Ein- und Ausstiegssimulationen zu testen: Bespannt mit einem speziellen Jeansstoff, inklusive Gürtellaschen und -schnalle werden quasi drei verschiedene Personen programmiert, die 22.000 mal pro Sitz ein- und aussteigen. Für die Sitze von Post- und Auslieferungsfahrzeugen 50.000 mal und bei Projekten mit besonderen Anforderungen sogar bis zu 100.000 mal.

Der Sportsitz für den neuen Golf GTI wurde gründlich getestet: Hier simuliert ein Roboter das Ein- und Aussteigen. Foto: Sitech.

Anhand von Messpuppen können reale Messwerte eines sitzenden Kunden (Hüftpunkt, Torsowinkel sowie der Abstand des Kopfes zur Kopfstütze) in einem neuentwickelten Sitz abgenommen werden – sogar das neue Modell bis zum Ende der Produktion begleitend, um per Stichproben permanent die Qualität zu überwachen. 3D-Scanner kontrollieren, ob es Abweichungen zwischen dem gebauten und dem geplanten Sitz gibt.

Der Sportsitz aus dem neuen Golf GTI im Prüflabor: SITECH Entwicklungsingenieur Chris Oldenburg (38) muss an der Messpuppe insgesamt 20 Messpunkte erfassen. Foto: Sitech.

In Wolfsburg Heinenkamp dokumentieren vier High-Speed-Kameras auf dem Sitech-Airbag-Prüfstand mit 5.000 Bildern pro Sekunde, wie Airbags beim Testen mit 10 bis 19 Meter pro Sekunde aus der Sitzseite und demnächst auch in den Raum zwischen den Vordersitzen schießen. Klimaschränke stehen bereit, um dabei jede Witterungsbedingung der Erde simulieren zu können.

Bei einem Unfall entfaltet sich der Seitenairbag in maximal 19 Millisekunden auf sein maximales Volumen. Zum Vergleich: Ein menschlicher Wimpernschlag dauert rund 100 Millisekunden. Foto: Sitech.

„Aber nur wir können einen schwitzenden Menschen präzise und mit sehr hoher Messgenauigkeit zu simulieren“, unterstreicht Thomas Asmus, Leiter Bewertung und Prototypenbau, die Kompetenz der Sitech Sitztechnik GmbH zum Ende des Rundganges und zeigt auf den in seiner Art und Ausführung weltweit einzigartigen Klimadummy. „Dieses Gerät simuliert sowohl die Körpertemperatur, als auch das Schwitzverhalten eines sitzenden Menschen“, erklärt der 40-jährige Familienvater sichtlich stolz die Wirkungsweise und weiter: „Während einer Konditionierungsphase bringen Verdampfer temperierte Feuchtigkeit auf und in den zu prüfenden Sitz. Während der Klimasitz den Klimadummy wieder abkühlt, misst das Gerät mit insgesamt 70 Sensoren, jeweils 35 für Sitz und Lehne, wie die Abtrocknungsphase, und somit das Klimaverhalten des Sitzes, verläuft.

Der Sportsitz für den neuen Golf GTI mit einem weltweit einzigartigen Klima-Simulator, eine Eigenentwicklung von SITECH und einem Institut für Sondermaschinenbau. Das Gerät simuliert die Körpertemperatur und vor allem das Schwitzen des menschlichen Körpers. Foto: Sitech.

Ein Aufwand der sich im Zusammenspiel von rund 30 Zulieferern für den Sitz eines aktuellen Volkswagen Modells lohnt. Nutzer und Fachpresse sind sich seit vielen Jahren einig: Die Volkswagen Innovationen führen zu den besten Fahrzeugsitzen weltweit. Und speziell der neue Ergo Active Sitz, der zum Beispiel im Golf verbaut wird, toppt diesen Anspruch der Wolfsburger noch einmal: Die Initiative „Aktion Gesunder Rücken e.V.“ (AGR) gab nach der Prüfung des Sitzes bekannt, dass der Sitz nicht nur neun von neun Anforderungen erfüllt, sondern sie bei acht Messpunkten sogar übertrifft. Jetzt fehlt wirklich nur noch der erste Sitz mit Geschmack …

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