Driving Times SERIE

„Indiana Jones“ Teil 3: Das Phantom das keines war

Manche sind Kult und viele werden zu Ikonen – Automobile und Filmproduktionen stehen oftmals in einer Symbiose zueinander. Driving Times hat sich deshalb 36 automobile Klassiker herausgesucht, die nicht zuletzt durch ihre Auftritte in Kinohits, Blockbustern und TV-Serien enorme Bekanntheit oder gar Kultstatus erlangt haben. Heute im Programm, der Rolls Royce Phantom II.

Von Fynn Göttsche

Kamele, Pferde, eine bewaffnete Eskorte, Proviant, Wüstenfahrzeuge und ein Panzer für nur ein Auto. 

Im dritten Teil der Indiana-Jones-Reihe sucht unser aller Lieblingsarchäologe nicht nur seinen Vater sondern auch den heiligen Gral. Der Film „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ aus dem Jahr 1989 führt den Zuschauer zurück in das Jahr 1938 und auf eine wilde Reise um die halbe Welt.  Der Archäologiedozent Dr. Henry Jones Junior – genannt Indiana, nach dem Familienhund – wird angeheuert, um seinen Vater, einen Literaturwissenschaftler, zu finden. Dargestellt von niemand geringerem als Sir Sean Connery. Dieser verschwand auf der Suche nach dem Gral für einen Geschäftsmann namens Donovan. Wie sich später herausstellt waren sowohl Donovan als auch die Kollegin Dr. Elsa Schneider mit den Nazis im Bunde. Mit denen geriet Indiana Jones bereits im ersten Teil der Trilogie in „Jäger des verlorenen Schatzes“ aneinander. Die Reise geht von den USA über Venedig, Österreich, Berlin bis letztlich zum heiligen Gral. Dessen Versteck befindet sich im Staat Hatay in der heutigen Türkei. Im Laufe des Films nutzen Indiana Jones und seine Widersacher so ziemlich jede Transportmöglichkeit jener Zeit. Angefangen von Pferden und Kamelen, über einen Zirkuszug, Boote, Schiffe und Autos in allen denkbaren Variationen. Eine Douglas DC3, ein Zeppelin oder ein am Zeppelin angebrachtes Doppeldeckerflugzeug, ja sogar ein vom britischen Mark VIII inspirierter Panzer kommt vor. Letztlich die größte Wertschätzung kommt einem Gefährt zu, welches eigentlich kaum zu sehen ist: Einem Rolls-Royce Phantom II.

Ein Rolls Royce Phantom II. Solch eine Luxuslimousine wünschte sich der Sultan von Hatay…

Dieser von 1929  bis 1936 produzierte britische Luxuswagen war die Bezahlung, die der Sultan von Hatay für die Unterstützung der Nazis auf der Suche nach dem Heiligen Gral forderte. Kamele, Pferde, eine bewaffnete Eskorte, Proviant, Wüstenfahrzeuge und einen Panzer kündigte er großzügig als Gegenleistung an. Einen Koffer voller Gold hatte er zuvor gar als Bezahlung abgelehnt und den Wagen der Nazis verlangt. Doch hier gibt es ein Problem. Denn obwohl der Sultan lauthals ausrief, dass es ein „Phantom II“ sei, nennt er nicht nur völlig falsche technische Daten. Denn er steht vor einem 1935er Rolls-Royce 20/25 hp Barker Saloon.

… und diesen Wagen bekam der Sultan, einen Rolls Royce 20/25 hp. Foto: Frode Inge Helland.

Dieser oftmals als der kleine Rolls-Royce bezeichnete Wagen wurde, wie bis Mitte des 20. Jahrhunderts gängig, von einem Karosseriebauer veredelt. In diesem Fall, wie der Name schon sagt, Barker Saloon. Der 20/25 hp war nicht nur eine halbe Tonne leichter und einen Meter kürzer als der Phantom II, sondern auch weit weniger leistungsfähig. Statt 7,7 hatte er nur 3,7 Liter Hubraum und nur 25 statt 120 PS. Der kleine 20/25 hp war als Rolls-Royce natürlich ein Vertreter der Oberklasse – der Phantom II war hingegen noch weit exklusiver. Übrigens: Der Phantom II war der letzte der Briten mit der charakteristischen Siegesgöttin namens „Spirit of Ecstasy“ auf dem Kühler, den der Firmengründer Henry Royce noch komplett selbst konstruierte. Interessanterweise lehnte er das so markante Markenzeichen seiner Konstruktionen heftig ab, hielt es gar für unnötigen Schnick-Schnack. Gerüchteweise soll das Design der auch „Emily“ genannten Figur in Auftrag gegeben worden sein, als Royce krank zuhause lag. Lediglich auf seinen privaten Wagen verhinderte er die Anbringung. „Emily“ wurde ein historisches Symbol für Exklusivität im frühen Automobilbau der Carrossiers und damit jenes Merkmal einer der großen Marken, die wie keine andere Synonym für Luxuslimousinen ist. Heute ist Rolls-Royce mehrfach umfirmiert und verkauft worden, kam zuerst zu Volkswagen, dann zu BMW. Doch die alten Rolls-Royce Wagen behalten ihren Hauch von Glanz und Noblesse. Vielleicht war es genau das, was den Sultan von Hatay so begeisterte? Letztlich wurden 1.680 Stück des Phantom II produziert, bis er 1935 vom Phantom III abgelöst wurde. Von diesen sollen sogar noch 70 Prozent existieren. Indiana Jones würde wohl passend sagen: der Rolls -Royce Phantom II ist ein wertvolles Kulturgut und gehört in ein Museum – genauso wie das Kreuz von Coronado zu Beginn des Kultstreifens. 

Die wichtige Szene, Der Rolls Royce ist klar als 20/25 hp erkennbar.
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