Aktuelles Fahrbericht

Caddy (R)Evolution

Fahrpräsentation des Caddy 5 von Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Von Alexander Voigt

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des VW Caddy bereits im Jahr 1978 mit der Präsentation des für den US-amerikanischen Markt konzipierten Rabbit Pickup. Erst 1982 tauchte der Name „Caddy“ zum ersten Mal in Europa auf, als er in Sarajevo mit dem unverkennbaren Gesicht des Golf I zum ersten Mal vom Band rollte. Ab Ende November 2020 erfolgt nun in Deutschland die Markteinführung der fünften Generation des Multifunktionsmodells von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Der Hochdach-Kombi bewährt sich inzwischen sowohl im Handwerk sowie im Bereich der Logistik, als auch bei Familien oder Hobbysportlern, bei der Lösung von größeren Transportaufgaben. 

Der neue Caddy V ist die erste Generation, die auf der MQB-Plattform des Volkswagen Konzerns aufbaut, so wie sie auch im Golf VIII eingesetzt wird. Damit wurde nun endlich die bisherige Blattfederung an der Hinterachse durch eine Schraubenfeder-Konstruktion abgelöst. Die kompakte Bauweise ermöglicht eine noch größere Durchladebreite zwischen den Radkästen, so dass nun eine zweite Euro-Palette quer im Heck eingeladen werden. Und auch Sonderaufbauten – etwa für Rampen zur Nutzung durch Passagiere mit Rollstuhl – sind weiterhin möglich. Die neue längslenkergeführte Starrachse mit Panhardstab führt somit zu einer höheren Quersteifigkeit bei 30 Prozent geringerer Längssteifigkeit. Damit konnten kürze Ansprechzeiten bei den Lenkbewegungen und ein deutlich verbessertes Anfedern realisiert werden. Diese technische Revolution an der Caddy Hinterachse lässt vor allem bei den Pkw-Versionen ein vollkommen neues Fahrgefühl entstehen. Zusammen mit dem modernisierten Design, entsteht erst gar nicht der Eindruck, dass die Pkw-Variante als aufgehübschter Lieferwagen auf den Markt kommen wird.

Mit der Umstellung auf die neue Plattform profitiert der neue Caddy auch durch den auf 2,75 Meter gewachsenen Radstand. Der zusätzliche Raum ermöglicht es, dass nun auch bis zu sieben Personen in dem wahrlich luftigen Innenraum Platz finden. Dabei verschwindet dann allerdings der Kofferraum weitgehend. Ein 1,4 Quadratmeter großes Glasdach erhellt zusätzlich die Atmosphäre und Elemente wie Ambientebeleuchtung sowie das schlüssellose Start- und Schließsystem verbreiten ein Ausstattungsniveau, das in dieser Klasse bisher nicht üblich war.

Und auch bei den angebotenen Assistenzsystemen setzt Volkswagen Nutzfahrzeuge auf Wachstum und spendiert dem Caddy insgesamt 19 Systeme, von denen fünf ihre Premiere feiern. Der Travel Assist zum Beispiel ermöglicht unterstütztes Fahren in allen Geschwindigkeitsbereichen. Dabei hilft das mit einer neuen Sensorik ausgerüstete Lenkrad. Zusätzlich unterstützt ein Abbiegeassistent den Fahrer, um Unfälle beim Kreuzen der Gegenfahrbahn zu verhindern. Zum ersten Mal in diesem Segment kommt ein Anhänger-Rangierassistent zum Einsatz, der bisher allein dem Crafter vorbehalten war.

Der Diesel-Anteil ist in diesem Segment besonders hoch. Daher kommt das bisher den Personenwagen vorbehaltene Twin-Dosing-Verfahren nun auch beim Caddy zum Einsatz. Dabei verfeinert eine ganze Kaskade von Katalysatoren und eine doppelte AdBlue-Einspritzung die Abgasbilanz des Familien-Transporters. Zur Wahl stehen drei Leistungsstufen des Zweiliter-TDI-Antriebs, die 75 PS (55 kW), 102 PS (75 kW) oder 122 PS (90 kW) leisten. Daneben steht noch ein Turbobenziner mit 114 PS (84 kW) zur Wahl. Als Kraftübertragung kommt als Standard eine manuelle Sechsgang-Schaltung zum Einsatz –optional ist bei den 84 und 90 kW-Aggregaten ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe lieferbar, das auch in der geplanten Plug-In-Hybrid-Variante zum Einsatz kommen wird.

Angekündigt ist ebenfalls ein 1,5-Liter-Turbo-CNG (Erdgas)-Motor (TGI mit 96 KW/130 PS). Auf eine vollelektrische Variante haben die Hannoveraner verzichtet, weil sie im Jahr 2022 mit dem ID.Buzz auf den Markt kommen werden. Bereits im kommenden Jahr bringt Volkswagen Nutzfahrzeuge eine vollwertige Reisemobil-Variante auf den Markt. Der Caddy California kommt mit einer gegen Aufpreis lieferbaren Miniküche, Panoramaglasdach und einem neu entwickelten Zelt zu den Kunden.


Im Innenraum kann der Caddy seine Herkunft aus dem Nutzfahrzeugbereich nicht vollständig verheimlichen. Leicht zu pflegendes Hartplastik dominiert, ist aber so verarbeitet, dass ein wertiger Eindruck entsteht. Die Sitze für Fahrer und Passagiere bieten einen guten Seitenhalt. Vor allem Vielfahrer sollten zu einem der hervorragenden AGR (Aktion Gesunder Rücken e.V.) Ergo-Sitze greifen. Sie wurden speziell für Vielfahrer und Langstreckenreisende entwickelt: Neben der Längs- und Höheneinstellung bieten sie die individuelle Einstellung der Sitzneigung und der Sitzflächentiefe sowie eine 4-Wege-Lordosenstütze.

Neu entwickelt wurde die Architektur der Anzeigen- und Bedienelemente: Die erste Schnittstelle zum Fahrer und Beifahrer bilden dabei entweder analoge Instrumente mit einer digitalen Multifunktionsanzeige oder – optional und in der Version „Style“ serienmäßig – das neue „Digital Cockpit“. Je nach Ausstattung serienmäßig oder optional an Bord: Radio- und Navigationssysteme mit Touchscreens in den Diagonalgrößen 6,5 über 8,25 bis zu 10,0 Zoll. Sie alle sind an eine Online- Connectivity-Unit (mit integrierter eSIM) gekoppelt und damit onlinefähig, so dass „We Connect“ und „We Connect Plus“ genutzt werden können; „We Connect Fleet“ für kommerzielle Anwendungen steht optional zur Verfügung.

Foto: Volkswagen.

Sofort zur Markteinführung wird der neue Caddy als Shuttle und Van in den neu konfigurierten Ausstattungen „Kombi“, „Caddy“, „Life“, „Style“ und „Move“ (Launch-Modell) sowie als Stadtlieferwagen in den Versionen „Cargo“ und „Cargo Maxi“ (langer Radstand) konfigurierbar sein. Der Caddy Cargo 2.0 TDI mit 55 KW (75 PS) in der Basis-Version ‚EcoProfi’ startet zu einem Preis von 20.862,60 Euro. Die Versionen mit fünf bis sieben Sitzplätzen beginnen mit dem 75 kW (102 PS) starken Kombi „EcoProfi“ zum Preis von 25.044,40 Euro.

Und wer ein bisschen mehr Platz benötigt, sollte sich noch ein wenig bis zum Caddy Maxi gedulden. Denn auch bei der Version mit dem verlängerten Radstand ist den „Nutzis“ ein großer Wurf gelungen!

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