E-Mobilität

Dreijährige Weltreise im Elektro-Golf

Björn-Lars Blank

Wer eine Weltreise machen möchte, braucht ein dickes Portemonnaie. Oder muss sehr einfallsreich sein, so wie Wiebe Wakker. Ohne Geld in der Tasche machte sich der Student im umgebauten Elektro-Golf auf die Fahrt von den Niederlanden nach Australien. 1119 Tage und 95.000 Kilometer später war er am Ziel seiner Träume angekommen: Der Hafen von Sidney samt Panorama der weltberühmten Oper. Von seiner besonderen Reise im Elektro-Golf berichtete Wakker nun in der Autostadt in Wolfsburg.

Wiebe Wakker in Dubai.

Im Zuge der Ausstellung „Neue Mobilität – Neu denken“ bildete der Vortrag des Elektro-Globetrotters den Auftakt eines neuen Formats, das im Livestream übertragen wurde. Der Wakker’sche Elektro-Golf „Blue Bandit“ ist auch im Zeithaus ausgestellt. Umso ärgerlicher, dass die Autostadt im November coronabedingt kurzerhand nicht für den Publikumsverkehr geöffnet ist. Denn die Weltreise beeindruckt: Die Entscheidung zu diesem Trip fiel, nachdem Wakker feststellte sein Studium mache ihn nicht glücklich. „Es war zu sehr dominiert von wütenden alten weißen Männern“, zeigt der Niederländer auf, dass ihn konventionelle Konzepte und Althergebrachtes seiner Professoren nicht inspirieren. Warum also nicht mal raus, die Welt sehen? 

Wiebe Wakker vor der Sidney Harbour Bridge.

Was als fixe Idee beim Bierchen in der Kneipe begann, entwickelte sich in der Folge zum festen Plan. Zudem sollte es auch kein konventionelles Auto sein, sondern ein Elektroauto. Das Projekt „Plug me in“ wurde geboren. Über Kontakte organisierte sich Wakker ein Promo-Auto eines Energiekonzerns: einen hellblauen Volkswagen Golf Variant. Dieser wurde einst zum Elektroauto umgebaut und kommt mit einer Ladung 200 Kilometer weit. Kein Geld in der Tasche und ein Auto mit 200 Kilometer Reichweite – das schreit nicht nach Weltreise. Wakker zeigte sich davon unbeirrt. Mit Charme und viel Geschick auf Social Media machte er sich und seine Geschichte bekannt. Auf einer Website konnte ihm Jedermann Hilfe in Form von Essen, Strom und einer Bleibe für den Tag anbieten. Und die Angebote flatterten bald nur so herein. 

Wiebe Wakker am Uluru (Ayers Rock).

Am 15. März des Jahres 2016 begab sich der smarte Niederländer auf Welttour, zunächst durch sein Heimatland und in der Folge Belgien und Deutschland. Als es in Italien keine Beherbergungsangebote mehr in Richtung Süden gab, dafür Skandinavien lockte, ging es kurzerhand zurück in den Norden. Am Nordkap angekommen, besann sich Wakker auf sein eigentliches Ziel Südhalbkugel: Es folgten lange Reisen durch Polen, die Ukraine, die Türkei und den Iran, ehe es ihn nach Dubai in die Vereinigten Arabischen Emirate verschlug. Hier war die Wakker-Story durch Social Media und mehrere TV-Auftritte so groß, dass sogar die Scheichs aufmerksam wurden und ihn zum Dinner und Feiern einluden: Kontrastprogramm zum Essen aus Mülleimern zu Beginn seiner Reise. Die Reise durch Indien in Richtung Ost-Timor, wo die Fähre Richtung Australien ausläuft, waren gekennzeichnet durch Visa-Probleme, Autoreparaturen ohne Fachkräfte und zahlreiche Anekdoten und großer Hilfsbereitschaft der Menschen. In Australien angekommen ging es auf Rundreise durch den Kontinent. Nach drei Jahren und zwei Monaten auf Achse, erreichte Wakker schließlich seinen Sehnsuchtsort Sidney, zusammen im Konvoi mit weiteren Elektroautos, die ihn zum Zieleinlauf Geleit gaben. Drei Jahre und zwei Monate, in denen er jeden Tag seine Geschichte auf das Neue wildfremden Menschen erzählte. Und in denen er nie wusste, wie es morgen eigentlich weiter geht mit ihm und „Blue Bandit“, seinem hellblauen Golf Variant. Ganz schön wacker, dieser Wakker. 

Wiebe Wakker am Ziel seiner Reise in Sidney.
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