Klassiker Motorsport

Vierzig Jahre Vierradantrieb. Wie der Audi Quattro den Motorsport veränderte.

Von Fynn Göttsche

Es begann 1977 im skandinavischen Schnee. Audi wollte ein paar seiner neuen Modelle auf ihre Wintertauglichkeit testen und sie alle versagten. Der Bundeswehrgeländewagen VW Iltis, den die Ingolstädter als Begleitfahrzeug mitführten, raste allen davon. Dank seines zuschaltbaren Vorderradantriebs.

Der VW Iltis war dem Audi überlegen. Foto: Audi.

Der Techniker Jörg Bensinger erkannte sofort das Potential des Allradantriebs und begann – protegiert durch den damaligen Audi-Technikvorstand Ferdinand Piech – mit der Entwicklung des Autos, das als Audi Quattro Rallye- und Automobilgeschichte schreiben sollte. 

Auf dem Genfer Automobilsalon des Jahres 1980 präsentierten die Ingolstädter schließlich den ersten Audi Quattro. Die 200 PS des Fünfzylinder-Reihenmotors verteilte der Allradantrieb gleichmäßig über seine vier Räder auf die Straße. Zwar gab es schon zuvor Kleinstserien von PKW mit Allradantrieb, doch der Quattro war das erste in größerer Stückzahl gefertigte Straßenauto mit permanenten Allradantrieb. Ein Meilenstein. Bereits erste Testfahrten und Fahrpräsentationen des Quattro begeisterten die Automobiljournalisten. Der Audi kletterte auf Sommerreifen mit Leichtigkeit über schneebedeckte Pässe, während Konkurrenzmodelle nur unter schwersten Anstrengungen im Schneckentempo hinterherkrochen. Das Audi-Motto „Vorsprung durch Technik“ zeigte sich hier bestätigt. Diese Faszination war auch nötig, denn günstig war der Ur-Quattro nicht. Mit fast 50.000 Mark kostete er so viel wie ein Porsche 911. Die spätere Kurzversion des Quattro – die für den Rallyeeinsatz homologisiert werden musste – war mit ihrem Preis von knapp weniger als 200.000 Mark zeitweilig der teuerste Serienwagen Deutschlands.

Rallyeweltmeister Stig Blomqvist. Foto: Audi.

Audi erkannte, dass die wahre Bestimmung des Quattro nicht der Straßenverkehr war, sondern der Rallyesport. Schnee, Schotter und scharfe Kurven waren kein Problem. Zwar war der Audi etwas kopflastig, was in Kurven stets „slow in – fast out“ bedeutet. Doch der Kurvenantritt war dank des erhöhten Grips unerreicht. So verwundert es nicht, dass der Audi Quattro die Rallyeszene der 1980er dominierte. Besonders in der stärksten Klasse – der legendären Gruppe B – führten Walter Röhrl, Stig Blomqvist und Hannu Mikkola ihn zu diversen Siegen. Michele Mouton holte gar den ersten Gesamtsieg eines Rallye-Weltmeisterschaftslauf einer Frau im Quattro. Als die Gruppe B aus Sicherheitsgründen im Jahr 1986 eingestellt wurde, endete auch der Siegeszug des Audi Quattro. Andere Hersteller hatten den Allradantrieb inzwischen für sich entdeckt und heute ist er der absolute Standart im Rallyesport.

Ein letztes Aufbäumen des Ur-Quattro erfolgte bei der Bergfahrt zum Pikes Peak in Colorado. Walter Röhrl prügelte seinen 600 PS starken Boliden die Schotterpiste hinauf und landete als erst zweiter Fahrer unter der magischen elf Minuten Marke. Ein krönender Abschluss durch das „Rennen zu den Wolken“.

Audi-Werbung zum Pikes Peak-Sieg 1987. Foto: Audi.

Serienmäßig produzierte Audi den Ur-Quattro bis 1991. 11.664 Stück wurden gefertigt. Zwar wurde das Modell danach eingestellt, aber der Name Quattro blieb erhalten. Bis heute trägt jeder Audi mit Allradantrieb den Quattro in Modellbezeichnung und auf seinem Kühlergrill. Punktlich zum vierzigjährigen Jubiläum, brachte Audi eine limitierte Serie von 40 Audi TT RS Quattro heraus, der in seinem Design an das legendäre Rennmodell vom Pikes Peak erinnert. Die sicherlich schnell vergriffenen Modelle sind für 111.170 Euro zu haben.

Der 40-Jahre-Quattro TT. Das Design erinnert an die Bergfahrt von Pikes Peak. Foto: Audi.

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