Klassiker Motorsport

Modena Cento Ore – für diese Rallye holt Lamborghini zwei Schätze aus dem Museum

von Fynn Göttsche

Italien – ein Sehnsuchtsland. Jedes Jahr aufs Neue, pünktlich zur Urlaubszeit, rollen die Blechlawinen von Deutschland aus in Richtung des Teutonengrills an den italienischen Stränden. Von der Fahrt bleiben meist nur die Erinnerung an überfüllte Autostrade, unterbesetzte Mautstationen und die Erkenntnis, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer schlechter fahren, als man selbst.

Die wirkliche Schönheit der italienischen Straße sieht man nicht auf der Autostrada. Es lohnt sich die modernen Verkehrsachsen des Landes am Mittelmeer zu verlassen und die kleinen Straßen im Binnenland zu befahren. Oftmals folgen sie Jahrtausende alten Wegen, liegen gar über Römerstraßen, winden sich über Hügel und um Berge. Der die Heimat von Pizza und Pasta von Nord nach Süd aufteilende Gebirgszug des Apennin bietet romantische Landschaften, jahrtausendealte Historie und vor allem Fahrspaß.

Diese Melange wird bei der Klassik-Rallye Modena Cento Ore, erlebbar. Zur zwanzigsten Auflage ging es innerhalb von vier Tagen von Rom nach Modena. Nach dem Auftakt in der Ewigen Stadt, entlang von Kolosseum und Kapitol, folgten 1000 Kilometer über die Lebensadern vergessener Tage. Durch verschlafene Städtchen, in denen die Zeit stehen geblieben scheint; über Hügel auf deren Spitze die Überreste mittelalterlicher Burgen thronen, entlang von pittoresken Dörfern, aber auch großen Kathedralen und majestätischen Villen. Ob in den Städten Assisi, Perugia oder Florenz, die Geschichte von Jahrhunderten zieht an den Fahrern der Modena Cento Ore vorbei. Bei dieser Strecke, die eine Würdigung des ganzen Landes ist, verwundert es nicht, dass sich die Teilnehmer besonders herausputzen. Die Rallye rühmt sich ihrer Gentlemen-Fahrer, die in ihren Klassikern die Strecken entlangjagen. Mindestens vierzig Jahre sollten die Boliden alt sein. Eine Rennsportvergangenheit ist zwar nicht nötig, aber erwünscht. Fast möchte der Fahrer abbremsen und verweilen, um die Schönheit seiner Umgebung auf sich einwirken zu lassen. Doch diese Zeit hat er nicht. Die Konkurrenz sitzt ihm stets im Nacken. Leistungsfähige Automobilklassiker und ihre erfahrenen Piloten wetteifern um den Sieg in dieser ganz besonderen Motorsportdisziplin. 

Lamborghini hat anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Rallye zwei besondere Beweise seiner Ingenieurskunst aus dem Museum zurück auf die Straße geholt. Ein Lamborghini Countach 25 Anniversario stach besonders aus dem Teilnehmerfeld hervor. Dieses Modell aus dem Jahre 1990 war zwar eines der jüngsten Klassikautomobile der Rallye, als letztes Modell der von 1974 bis 1990 produzierten Reihe dennoch ein ganz besonderes. Allein der Name „Countach“ verspricht aufsehen. Im Piemonteser Dialekt bedeutet der Ausruf etwa „Wahnsinn!“, „Geil!“ oder „Fantastisch!“. Angeblich soll ein Mitarbeiter der legendären Designschmiede Bertone dies ausgerufen haben, als er die Studie zum ersten Mal erblickte. Der silbergraue Zweisitzer mit V12-Motor und Flügeltüren wurde von niemand geringerem pilotiert als Emmanuele Pirro. Der fünfmalige Sieger von Le Mans und mehrmalige Tourenwagen-Weltmeister nannte es eine „denkwürdige Erfahrung, ein Stück Automobilgeschichte zu fahren“. Er ergänzte gar: „Ich habe mich verliebt“. Der Kommunikationschef von Lamborghini Gerald Kahlke steuerte das zweite Modell, einen 1973er Jarama GTS. Der Jarama feiert dieses Jahr sein fünfzigjähriges Jubiläum.

Am Ende der viertägigen Fahrt über den italienischen Stiefel wartet die Stadt Modena, die wie kaum eine andere für das automobile Erbe Italiens steht. Bevor es zur Zieleinfahrt kommt, geht es für die Piloten und ihre Boliden noch in das legendäre Autodrome Dino e Enzo Ferrari in Imola, für einen würdigen Abschluss der Rallye Modena Cento Ore. Bei den Runden der Lamborghini auf der nach dem Ferrarigründer benannten Rennstrecke mag dem ein oder anderen die Legende über die besondere Beziehung von Ferruccio Lamborghini und Enzo Ferrari in den Sinn gekommen sein. So soll der Traktorhersteller Lamborghini privat einen Ferrari besessen haben, der regelmäßig streikte. Als er sich bei Ferrari beschwerte, entgegenete dieser ihm, dass er keine Ahnung von Sportwagen hätte und nur Traktoren bauen könne. Diesen Affront ließ er natürlich nicht auf sich sitzen und – so erzählt man sich – erschuf die Sportwagen-Marke Lamborghini.  

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