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Der McLaren Elva Gulf Theme: Modernstes Design mit einer gewaltigen Ladung Nostalgie

von Fynn Göttsche

McLaren hatte wahrlich schon bessere Zeiten. Die Corona-Pandemie zwingt den kleinen Hersteller britischer Supersportwagen dazu, öffentlich über die Verpfändung der firmeneigenen Automobilsammlung nachzudenken. Alternativ wird auch eine Hypothek auf das erst 2017 durch Prinz William persönlich eröffnete, topmoderne Hauptquartier erwogen. Ein weiterer Baustein in der Rettungsstrategie ist das neue Modell Elva, das bereits zu Beginn des Jahres vorgestellt wurde. Nachdem die Produktionszahlen von ursprünglich 399 auf inzwischen 149 Stück reduziert wurden, greifen die Briten zu anderen Möglichkeiten, ihre Supersportwagen an den Mann zu bringen. Aktuell wird beim Elva nachgelegt und ganz tief ins Repertoire gegriffen, um Nostalgiker mit großem Geldbeutel direkt am Herz zu packen. Auf einer Online-Veranstaltung im Rahmen der Goodwood Speedweek präsentierte McLaren nun eine ganz besondere Lackierung.

Die für Spezialanfertigungen zuständige McLaren-Tochter MSO (McLaren Special Operation) bietet den ungefähr 1,7 Millionen Euro teuren Elva, nun in einer Version an, die Motorsportfans das Herz aufgehen lassen dürfte. Gemeinsam mit der Rennsportikone Gulf Oil wird McLaren seinen Elva in der so vertrauten hellblau-orangenen Farbkombination erstrahlen lassen. Die Lackierung in Gulf-Oil-Optik steht in ihrer Bedeutung für den Rennsport dem Namen „McLaren“ in nichts nach. Diverse Erfolge wurden in blau-orange erstritten, von den 1960ern bis heute, darunter auch einige von McLaren. Unvergessen bleibt auch der Einsatz des Gulf Porsche im Film „Le Mans“ von 1970, mit Steve McQueen am Steuer. 

So sehr der Look des Elva an die gute alte Zeit des Rennsports erinnert, so modern ist er andererseits. Durch die Verwendung von Karbonbauteilen wiegt der Roadster so wenig wie nie zuvor. Der V8-Motor leistet 815 PS und katapultiert den Elva so von Null auf Hundert in unter drei Sekunden. Vier Sekunden später fährt er bereits 200 km/h. Doch das Revolutionäre ist die gänzliche Abwesenheit eines der zentralen Designelemente eines Automobils. Die Windschutzscheibe fehlt. Hierbei greifen die Briten wiederum auf die Designideen des Firmengründers Bruce McLaren und dessen Sportwagen aus den 1960er zurück. Die gänzlich fehlende Scheibe wird durch einen gesteuerten Luftstrom ersetzt und erzeugt einen Käfig um die Insassen. Dadurch kann der Supersportwagen auch ohne Helm gefahren werden. Im Notfall werden Überrollbügel blitzschnell aus der Karosserie ausgefahren und schützen die Insassen. Wem das nicht geheuer ist, kann den McLaren Elva Gulf Theme allerdings auch mit Windschutzscheibe ordern. Manche Märkte schreiben sie sogar vor. 

Ob der Gulf Elva einen Teil zur Rettung McLarens beiträgt, bleibt abzuwarten. Zu wünschen wäre es ihnen, denn niemand sieht Legenden gerne untergehen. 

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