Driving Times SERIE

The Fast and The Furious Ruhrgebiet

Manche sind Kult und viele werden zu Ikonen – Automobile und Filmproduktionen stehen oftmals in einer Symbiose zueinander. Driving Times hat sich deshalb 36 automobile Klassiker herausgesucht, die nicht zuletzt durch ihre Auftritte in Kinohits, Blockbustern und TV-Serien enorme Bekanntheit oder gar Kultstatus erlangt haben. Heute im Programm, der Opel Manta.

von Fynn Göttsche

Meist werden Autos durch die Auftritte in einem Film oder einer TV-Serie zu beliebten Kult-Karossen. In seltenen Fällen ist es andersrum und es gibt den Film zum Auto. Ein ganz besonderer Wagen war innerhalb von nur vier Wochen sogar zwei Mal Titelgeber und Hauptprotagonist eines Kinofilms. So wurde 1991 das Jahr des Opel-Manta. Die beiden Kultstreifen “Manta, Manta” und “Manta – der Film” setzten nicht nur dem Auto ein Denkmal, sondern einer ganzen Subkultur.

Das Sport-Coupé Opel Manta wurde von 1970 bis 1988 in der A- und B-Serie produziert. Mit über einer Million ausgelieferten Modellen war der Manta von deutschen Straßen nicht wegzudenken. Charakteristisch für die Rüsselsheimer Sportschüssel waren deren Fans. Der Mantafahrer wurde zu einem Klischee, der durch die unzähligen, beliebten Mantawitze noch verstärkt wurde. Das Bild eines ungebildeten, rüpelhaften Ruhrpottlers mit Vokuhila-Frisur, Cowboystiefeln und Goldkettchen wird von dessen blonder Freundin komplettiert. Die ist natürlich „Frisöse“. Wenn der Mantafahrer nicht gerade mit einem Straßenrennen beschäftigt war, widmete er sich dem Tuning seines Schätzchens. Wichtigstes Accessoire ist der Fuchsschwanz an der Antenne. Aus dem Mund des Mantafahrers kommen die regelmäßigen Ausrufe “Boah” und “Ey”. 

Dieses Klischee wird in den beiden Mantafilmen nicht nur aufgegriffen, sondern bildet die ansonsten eher dünne Haupthandlung. “Manta, Manta” präsentiert mit Til Schweiger in dessen ersten Kinorolle, den typischen Mantafahrer Bertie. Er fährt einen getunten Manta-B mit Mattig-Breitbau Karosseriesatz, bunten Aufklebern auf Heckscheibe und Armaturen sowie gelb-lila-türkiser Lackierung. Der Film begnügt sich mit der Aufzählung der Klischees und wilder Rennen durch das Ruhrgebiet. Mit dabei Tina Ruland als blonde Uschi auf dem Beifahrersitz.

“Manta – der Film” wird zumindest ein wenig komplexer, denn der von Stephan Rudolf dargestellte Fred Grabowski ist nur Mantafahrer wider Willen. Sein großer Traum vom Golf GTI wird zunichtegemacht, als seine Mutter einen Manta in einem Preisausschreiben gewinnt und der Vater sein gespartes Geld anlegt. Seine blonde Freundin wendet sich deshalb Golffahrer Phil zu. Aus Rache kratzt Fred ihm nun den nicht allzu netten Schriftzug „Frisösenficker“ auf die Motorhaube. Der daraus resultierende Streit lässt sich natürlich nur durch ein Rennen Golf gegen Manta lösen. Dies gewinnt selbstverständlich der Manta, aber nicht ohne etwas Hilfe eines extrem potenten Motors, der kurzfristig nachgerüstet wurde.

Diese filmgewordenen Stereotypen wirkten auch noch lange nach. Begriffe wie Mantaplatte für Currywurst-Pommes oder Mantalette für Cowboysteifel sind bis heute geläufig. Zwanzig Jahre nach dem Höhepunkt der „Mantahypes“, griff die niederländische Fernsehserie New Kids den Manta und seinen Fahrer wieder auf. Die 35 Episoden und zwei Kinofilme erinnerten so Manchen an  die große Zeit des Opel-Mantas und dessen verzerrtes Klischee.

Beide Mantas aus den Filmen gibt es noch heute. Das auffällig getunte Modell, mit dem Til Schweiger durch den Ruhrpott bretterte, befindet sich heute in den Händen eines Sammlers, ist noch auf den Straßen unterwegs und zieht die Blicke auf sich. Das weit dezentere Modell von Fred Grabowski wurde erst Anfang des Jahres 2020 in einer Scheune wiederentdeckt. Heute fahren nur noch wenige tausend Mantas über deutsche Straßen – manch einen sieht man mit einem Fuchsschwanz auf der Hutablage vor einem Friseursalon stehen. 

Der Trailer von Manta, Manta.
Manta der Film – Trailer.
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