Aktuelles Fahrbericht

2,5 Tonnen surren über den Burgberg

Volkswagen präsentiert die neuen elektrifizierten Flaggschiffe Touareg eHybrid und R.

Von Alexander Voigt und Tim Westermann

Zumindest im Süden von Niedersachsen genügt die pure Erwähnung des traditionsreichen Namens „Hardenberg“ um eine Assoziationskette von „Korn“ (Spirituosen) über „Pferde“ bis hin zu „Hotels“ ablaufen zu lassen. Göttinger Studenten nahmen darüber hinaus bis weit in das 20. Jahrhundert hinein die Burgruine Hardenberg oberhalb eines wild romantischen Taleinschnittes als Ausflugsziel in ihr Visier. Ende September schließlich kamen alle Ausflügler an den steilen Hängen des Burgberges in den Genuss unheimlicher Begegnungen der elektrifizierten Art. Volkswagen reaktivierte anlässlich der Fahrpräsentation der neuen Touareg „eHybrid“ und „R“ einebeinahe vergessene Strecke der „Driving Experience“ und so kraxelten die künftigen – rund 2,5 Tonnen schweren – Flaggschiffe der Modellpalette der Wolfsburger elektrisch surrend über Jägersteige und Rückewege an den Hängen der Burg. Sicherlich keine alltägliche Nutzung des zertifizierten Geländewagens mit 3,5 Tonnen gebremster Anhängelast aber ein zeitgemäßes Symbol für die überraschende Vielseitigkeit der beiden elektrifizierten Touareg.

Technische Flaggschiffe des Volkswagen Konzern sind sie so oder so. Mit der Spreizung – vom Geländewagen bis hin zum temporär als Zero Emission Vehicle einsetzbaren Oberklasse-Reisewagen – nehmen die Touareg Plug-In-Hybridmodelle eine Sonderstellung unter den großen SUV ein. Sie erfüllen die Emissionsnorm Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC. Beide, sowohl der Touareg eHybrid, als auch das „R“ Performance-Modell, bauen auf der identischen Technik auf: Beide treibt ein 3.0-Liter-V6-Turbobenzinmotor (TSI) mit 250 Kilowattstunden (340 PS) an. Darüber hinaus verfügt das Duo über eine 14,3 Kilowattstunden (netto) starke, über der Heckachse sitzende Lithium-Ionen-Batterie, die den E-Motor (100 kW/136 PS) mit Energie versorgt. Damit können beide Versionen bis zu 47 Kilometer rein elektrisch bewegt werden. Der „eHybrid“verfügt über eine kombinierte Leistung beider Maschinen von 280 kW (381 PS) mit 600 Newtonmetern Drehmoment. Lediglich dank anderer Software bei der Motorsteuerung kommt der Touareg R hingegen auf eine Gesamtsystemleistung von 340 kW (462 PS). Für den 100-Newtonmeter-Sprung von der effizienten, komfortablen Auslegung des Touareg Plug-In-Hybrid Modells (ab 72.378 Euro) zum Performanceorientierten, sportlich ausgelegten Bruder (ab 84.660 Euro) werden rund 12.000 Euro mehr aufgerufen; natürlich inklusive der R-Modell-typischen Ex- und Interieur Design-Pakete.

Der Touareg eHybrid und der Touareg R sind serienmäßig mit dem „Innovision Cockpit“ ausgestattet. Es besteht aus dem „Digital Cockpit“ mit einem Zwölf-Zoll-Screen und dem Display des Infotainmentsystems „Discover Premium“ mit einem 15-Zoll-TFT-Touchscreen. Speziell auf die Hybridfunktionen ausgelegte Informationen erhält der Fahrer dort über die Anzeigen „Energiefluss“ und „e- Reichweitenmonitor. Im „Digital Cockpit“ kann in der links angeordneten Kombianzeige „Powermeter / Drehzahlmesser“ der aktuelle Status des Hybridsystems abgelesen werden.

Volkswagen war einer der ersten Automobilhersteller, der fürseine Fahrzeuge eine automatische Einparkhilfe anbot: den „Park Assist“. Mit Hilfe von Ultraschallsensoren gibt es die Option, halbautomatisch in Längs- und Querparklücken ein- und auszuparken. Der Wagen übernimmt dabei das Lenken und im Notfall auch das Bremsen. Der „Park Assist Plus“ er- möglicht jetzt nicht mehr halbautomatisch, sondern komplettvollautomatisch einzuparken. Dadurch kann der Touareg nun zum Beispiel auch assistiert in Garagen einparken. Wann auch immer die „Fahrtaste“ losgelassen wird, stoppt das SUVsofort. Die höchste Ausbaustufe des Systems ist jetzt der neue „Park Assist Plus mit Fernbedienung“. Dazu nutzt der Fahrer sein Smartphone – und die neue App „VW Remote Park Assist Plus“: Der Fahrer aktiviert im Infotainmentsystem die Parkplatzsuche. Sobald der Touareg geeignete Parklücken – im öffentlichen Verkehr, zuhause oder in Parkhäusern –erkennt, signalisiert er das inklusive der Position und Art der Parklücke über eine entsprechende Anzeige im Infotainmentsystem. Der Fahrer wählt eine der angebotenen Parklücken aus. Bis zu dieser Stelle ist die Funktionsweise des „Park Assist Plus“ und „Park Assist Plus mit Fernbedienung“ identisch. Entscheidet sich der Fahrer für das fernbediente Parken, steigt er aus, nimmt den Fahrzeugschlüssel mit und aktiviert über die App den Einparkvorgang. Dazu drückt er auf dem Smartphone den quasi aus dem Auto in die App übertragenen „Fahrtaster“. Damit startet das Einparken. Der „Fahrtaster“ muss aus Sicherheitsgründen dauerhaft betätigtwerden – ansonsten stoppt der Touareg sofort. Das große SUV parkt nun behände komplett selbständig und automatisch ein, während der Fahrer auf Leinenlänge entfernt fasziniert zuguckt. Um das automatische Ausparken per Smartphone zu aktivieren, wird der Motor erneut per App über eine eigene „Engine“-Taste gestartet. Große Ingenieurskunst „Made in Wolfsburg“, um moderne und breiter gewordene Fahrzeuge inkleine Garagen oder ebensolche Parklücken in älteren Parkhäusern zu bekommen. Und ein praktisches Nebenprodukt auf dem Weg zum automatisierten Fahren – sicherlich auch in anderen Fahrzeugklassen…

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