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Glosse: (Sinn)volle Material-Belastung im Rallye-Sport

Staubige Pisten, spektakuläre Drifts und brüllende Turbomotoren. Wie in nahezu jeder Motorsport-Disziplin werden auch bei den World Rallye Cars Erkenntnisse für die Serienfahrzeuge gewonnen.

Von Tim Westermann

Staubige Pisten, spektakuläre Drifts und brüllende Turbomotoren. Wie in nahezu jeder Motorsport-Disziplin werden auch bei den World Rallye Cars Erkenntnisse für die Serienfahrzeuge gewonnen. Während also Sébastien Ogier und Co an diesem Wochenende auf Sardinien um WM-Punkte kämpfen und ihre Boliden bis an ihre Grenzen und zum Teil auch darüber hinaus bringen, wollen wir einmal einen Rückblick auf den wohl materialmordensten Saison-Lauf der WRC-Welt werfen, der in diesem Jahr leider nicht stattfindet, aber den Ingenieuren im Jahr 2013 wertvolle Erkenntnisse für die Serienproduktion lieferte. 

Die Akropolis Rallye ist seit Jahrzehnten einer der legendärsten und spektakulärsten WM-Läufe der Welt. Gilt sie doch als brutalste Schotter-Rallye des WRC-Kalenders. Wer also einen sicheren Weg sucht, durch gezielten Materialmord einen Pkw zu recyceln, sollte die Akropolis-Rallye fahren. Da ist die sukzessive Mülltrennung gleich mit inbegriffen, wenn sich der Wagen auf den Wertungsprüfungen nach und nach in seine Bestandteile auflöst. 

Gleich zu Beginn werden die mit viel Profiltiefe gesegneten Reifen zu glatten Slicks verarbeitet. Parallel dazu fräsen Kieselsteine und Staub in kürzester Zeit den Lack von der Karosserie, was ein Sandstrahler nicht besser könnte. Danach werden die leichten Anbauteile den gewachsenen Felsen und kantigen Gesteinsbrocken auf der Piste geopfert, bevor es dann mit „sanften“ Einschlägen an Felswänden und hartem Buschwerk auch noch den Teilen unter der Karosserie an den Kragen geht – Wahnsinn. Und trotzdem halten die World Rally Cars das alles aus und fahren nach dem Service wieder wie aus dem Ei gepellt auf die Strecke, wo das ganze Spiel von vorn beginnt. Unglaublich, was ein Rallye-Auto wegstecken kann. Die Mechaniker-Crews im Servicepark vollbringen bei der Instandsetzung in kürzester Zeit sogar so manches Wunder.Die gesammelten Erkenntnisse aus der Materialbelastung sind zudem unschätzbar wertvoll für einen Automobil-Hersteller – Telemetrie sei Dank. So schließt sich ein Kreislauf zwischen Motorsport, Technischer Entwicklung und Serienfertigung. Das gilt an diesem Wochenende auch Sardinien.

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