Klassiker

50 Jahre Lamborghini Urraco ein Misserfolg setzte Akzente

Von Wolf Meinertshagen

Vor einem halben Jahrhundert – genauer gesagt vor 50 Jahren – feierte der Lamborghini Urraco seine Weltpremiere auf dem Turiner Automobilsalon. Die Italiener wollten im Jahr 1970 neue Wege gehen und versprachen sich vieles. Das Sportcoupé floppte zwar, doch setzte wichtige Akzente. 

Ferruccio Lamborghini wollte Ende der 1960er Jahre seine Marke einem breiteren Publikum öffnen und durch niedrigere Preise das Portfolio nach unten erweitern. Das hieß zwar nicht zurück zum Traktor – die Sparte verkaufte Lamborghini 1973 – sondern ein Konkurrent des Porsche 911 sollte entstehen. Das Sportcoupé besaß 2+2 Sitze und einen V8-Mittelmotor. Die 2,5-Liter-Maschine leistete solide 220 PS, die den italienischen Flitzer auf 245 km/h beschleunigten. Eine zwei- und drei-Liter-Version des Urraco wurden ebenso an den Markt gebracht, blieb in den Verkaufzahlen allerdings hinter der Standardversion zurück. Zahlreiche technische Neuheiten an Vergaser, Zylindern und Radaufhängung entwickelte das Team um den damaligen Lamborghini Chefkonstrukteur Paolo Stanzani und setzte sie erstmals im Urraco ein. 

Innovatives Design mit einigen Schwächen

Das Design des Sportcoupés stammte aus der altehrwürdigen Designschmiede Bertone, wo Marcello Gandini das Projekt verantwortete. Die innovative Gestaltung des Urraco sorgte aber auch für so manche Probleme. Aufgrund des Mittelmotors waren die Designer gezwungen, Front und Heck des 4,25 Meter langen Gefährts zusammenzustauchen, um im Mittelbau Platz für den Antrieb zu schaffen. Wer heute auf das Design schaut, wird vielleicht an die „Wet Nellie“ erinnert. Ein modifizierter Lotus Esprit, der Roger Moore alias James Bond im 1977er-Kinostreifen „der Spion, der mich liebte“ als U-Boot diente. Heute gehört das Filmrequisit übrigens Elon Musk und beeinflusste sogar das Design des Tesla Cybertrucks. 

Im Innern des Urraco gingen die Designer ebenfalls neue Wege und legten Drehzahl- und Geschwindigkeitsmesser statt vor das Lenkrad, daneben. Zusätzlich gab es ein schüsselförmiges Lenkrad, das optische Akzente setzte. Eine nette Idee, wodurch die Armaturen zwar flacher wurden, aber leider auch die beiden wichtigsten Anzeigen durch die Hände des Fahrers, verdeckt waren. Probleme in der Verarbeitung sorgten ebenso für eine geringe Akzeptanz wie der mit zwei Jahren recht lange Zeitraum zwischen Vorstellung und Auslieferung des Urraco. Insgesamt produzierte Lamborghini von 1970 bis 1979 nur 776 Einheiten, statt der eigentlich angepeilten 1.000 pro Jahr. Lamborghini selbst sieht das Erbe des Urraco aber vor allem in dem Konzept des V8-Motors, dass sich durch den nachfolgenden V10-Motor in den heutigen beliebten und wesentlich erfolgreicheren Topmodellen Gallardo und Huracán wiederfindet.

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