Allgemein Ratgeber

Erklärt: Mit allen Vieren – so arbeitet die Allradlenkung

Neben Allradantrieb fahren auch immer mehr Autos mit Allradlenkung vor. Durch das mitlenken der Hinterräder lässt sich der Wendekreis reduzieren und die Fahrstabilität steigern. So funktioniert’s!

Allradantrieb hat viele Vorteile: Egal ob händisch zuschaltbar, automatisch bei Bedarf aktiviert oder permanent verfügbar – sobald die Kraft über vier statt zwei Räder auf die Straße übertragen wird, steigt die Traktion. Das sichert im Gelände das Weiterkommen und sorgt auf der Straße für mehr Stabilität in der Kurve. In letzter Zeit ist allerdings immer wieder auch von Allradlenkung die Rede. Die Technik, die 1903 zum ersten Mal in einem Dampfwagen der US-amerikanischen Cotta Automobile Company eingesetzt wurde, ist fast so alt wie der Allradantrieb, wurde in der Geschichte aber nur sporadisch genutzt. Jetzt scheint er sich langsam durchzusetzen.

Allradlenkung ist häufig bei sportlichen SUV und Limousinen sowie bei Sportwagen zu haben
Allradlenkung ist häufig bei sportlichen SUV und Limousinen sowie bei Sportwagen zu haben

Das Prinzip ist simpel: Statt wie üblich nur die Vorderräder zu lenken, können bei einem Auto mit Allradlenkung auch die Hinterräder gesteuert werden. Während die ersten Modelle noch mit einer mechanischen Lenkung arbeiteten, wird die Technik heute ausschließlich über ein sogenanntes Steer-by-Wire-System realisiert. Das heißt, es gibt keine klassische Verbindung vom Lenkrad an die Hinterräder. Vielmehr wird das Lenksignal elektrisch an spezielle Lenkgestänge und Stellmotoren im Heck übertragen.

Allerdings schlagen die Hinterräder nicht immer im gleichen Winkel ein wie die vorderen. Wie stark, und vor allem in welche Richtung im Heck gelenkt wird, berechnet ein Steuergerät Als Basis dafür dienen unter anderem der Lenkwinkel an der Vorderachse und das aktuelle Tempo. Denn: Bei geringer Geschwindigkeit wird an der Hinterachse entgegen des Lenkrad-Einschlags gelenkt. Dadurch lässt sich zum Beispiel beim Rangieren der Wendekreis merklich reduzieren. Mercedes, wo die Allradlenkung erstmals bei der kommenden, neuen S-Klasse zum Einsatz kommt, verspricht bis zu zwei Meter weniger Wendekreis; dafür werden die Hinterräder um bis zu 10 Grad eingeschlagen. So wirken selbst große Autos wie die Stuttgarter 5,20-Meter-Limousine deutlich handlicher. Generell steigert das Gegenlenken bei Stadttempo die Agilität.

Ist man dagegen schneller unterwegs, wird die Lenkrichtung umgekehrt. Das gleichgerichtete Einschlagen der Räder an beiden Achsen sorgt für deutlich mehr Fahrstabilität. Gleichzeitig wird, zum Beispiel beim Spurwechsel, durch die Allradlenkung die Drehbewegung des Fahrzeugs um die eigene Hochachse reduziert, was vor allem von Fondpassagieren als deutlich ruhiger und angenehmer empfunden wird. Auch der Reiseübelkeit kann so unter Umständen vorgebeugt werden.

Übrigens: Wo die Grenze zwischen der gegen- und gleichläufigen Lenkbewegung gezogen wird, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Üblicherweise findet der Übergang vom Agilitäts- in den Stabilitäts-Modus zwischen 50 und 100 km/h statt.

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