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Rund 500 neue Drive-in-Lichtspielhäuser: Autokino-Boom in Corona-Zeiten

Seit die durchgehende Vordersitzbank im Auto verschwunden ist, führte das Autokino ein Nischendasein. Jetzt feiert es jedoch ein Comeback – aus aktuellen Gründen.

Der Corona-Lockdown hat zu einer Renaissance des Autokinos geführt. Rund 500 der Drive-in-Lichtspielhäuser gibt es aktuell in Deutschland, wie das Magazin „Auto Straßenverkehr“ ermittelt hat. Vor der Pandemie waren es gerade einmal 18, nur fünf davon hatten das ganze Jahr über geöffnet.

Zu beobachten war der plötzliche Boom auch bei der Bundesnetzagentur, wo seit März 516 Anträge auf UKW-Frequenzen eingingen. Diese sind nötig, um den Filmton ins Fahrzeug zu übertragen. In vielen der neuen Autokinos laufen nicht nur Filme, sondern es finden auch Konzerte, Gottesdienste, Lesungen und ähnliche Veranstaltungen statt.

Die ersten provisorischen Autokinos haben allerdings bereits wieder geschlossen, seit der klassische Lichtspielhaus-Betrieb wieder gestartet ist. Die Betreiber sahen im Outdoor-Cinema keine Konkurrenz zum Indoor-Kino, sondern einen Ersatz für die Zeiten, in denen letztere nicht öffnen durften. Ein anhaltendes Comeback des Autokinos dürfte es daher wohl eher nicht geben.

Erfunden wurde das Drive-in-Konzept 1933 in den USA, wo es in den 50er- und 60er-Jahren für Millionen Jugendlichen nicht zuletzt ungestörte Zweisamkeit abseits des puritanischen Elternhauses bedeutete. Auch die deutschen Teens und Twens wussten das bald zu schätzen, das erste Autokino eröffnete 1960 in Frankfurt. Doch der Stern der Pkw-Lichtspielhäuser begann hier wie dort bald zu sinken: Die großen Grundstücke am Stadtrand wurden versilbert und mit Immobilien bebaut, gleichzeitig machten Fernsehen und Videorekorder das Kinogeschäft insgesamt schwieriger. Vielleicht noch wichtiger: Mit dem Wegfall der Lenkradschaltung verschwand auch die durchgängige vordere Sitzbank aus dem Auto, was romantischen Treffen im wahren Wortsinn den Raum nahm. SP-X

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