Driving Times SERIE

Kult und Ikonen – Startschuss zu unserer neuen Serie: Das private Dickschiff von 007

Manche sind Kult und viele werden zu Ikonen – Automobile und Filmproduktionen stehen oftmals in einer Symbiose zueinander. Driving Times hat sich deshalb 36 automobile Klassiker herausgesucht, die nicht zuletzt durch ihre Auftritte in Kinohits, Blockbustern und TV-Serien enorme Bekanntheit oder gar Kultstatus erlangt haben. Pro Monat wird Euch die Redaktion eine dieser Ikonen etwas genauer vorstellen und beleuchten.

Von Tim Westermann

Im Vorfeld dieser 36-teiligen Serie möchten wir Euch jedoch schon einmal mit einem privaten fahrbaren Untersatz einer Schauspiel-Legende einstimmen. Denn es war kein geringerer als Roger Moore, der sich einen Toyota Land Cruiser in seine private Garage stellte. Warum? Weil dieses Dickschiff in den 1980er-Jahren einfach vieles an Komfort übertraf, was damals „en vogue“ war.

Nein, 2020 ist zwar kein Jubiläum für den Toyota Land Cruiser. Aber immerhin feiert er dieses Jahr seinen 69. Geburtstag. Einer von ihnen war das Privatfahrzeug von 007-Darsteller Roger Moore und ist heute ein Bestandteil der Toyota-Sammlung aus Köln. Sein Land Cruiser stammt aus der Generation FJ60 und war seinerzeit in Europa äußerst selten. Bei seiner Einführung im Jahr 1980 ahnte noch niemand, dass dieser Geländewagen mit komfortabler Ausstattung vielleicht so etwas wie ein Vorbote für heutige SUV war.

Krass! Nach heutigem Standard bewertet war die Motorisierung. Sechs Zylinder bei 4,2 Litern Hubraum – das war schon etwas. Heute stehen 4,2 Liter schon eher für einen satten V8 mit PS-Zahlen jenseits von 300. Aber der Landkreuzer von Mr. Moore brachte lediglich 120 Pferdestärken auf die Straße. Naja, zwei Tonnen Gewicht taten ihr übriges, um „nicht so ganz wirklich“ an die Fahrleistungen der Dienstwagen von 007 anzuknüpfen. Zweifels ohne hat ein Geländewagen auch nicht den luxuriösen Charme eines Aston Martin oder Bentley, die Moore alias James Bond in Diensten ihrer Majestät zwar nie bewegte – denn dies war nur den Herren Connery, Craig beziehungsweise auch Dalton vorbehalten. Aber auch der Lotus aus Q´s Labor versprühte in jenen Agentenstreifen den Hauch von Luxus. Übrigens: Die meisten Autos, die Roger Moore in seinen sieben Bond-Filmen bewegte waren stets geklaut, wie beispielsweise eine gelbe Ente in „in tödlicher Mission“, mit der er, verfolgt von Gangstern, in der Nähe des Dorfes Pagi im Nordwesten Korfus durch die Landschaft knatterte. An seiner Seite die französische Schauspielerin Carole Bouquet als „Bondgirl“.

Dennoch – bei allem Esprit, den der gleichnamige Lotus versprühte – hat es dieser behebige, braune Japaner mit Gold-Applikationen und Plüschsitzen Moore offenbar angetan, so dass der Land Cruiser für Fahrten und Touren rund um Moores Schweizer-Chalet in Crans-Montana herhielt. Und über Geschmack kann man sich ja bekanntlich streiten. Insbesondere über den englischen aus Sicht der Deutschen. Was diesen Landcruiser aber ganz besonders von allen Bondfahrzeugen abhebt ist eine Tatsache, die nicht von der Hand zu weisen ist. Es ist das einzige Fahrzeug, das wohl vor einer Kamera nicht zerstört worden ist, denn James Bond hatte stets die Angewohnheit Q´s automobile Errungenschaften auf eine „besondere“ Weise im Einsatz zurückzulassen. So wie den weißen Lotus Esprit, der schlichtweg nach einem Einbruchversuch in die Luft geflogen ist. Was dem Toyota auch bleibt, ist die schiere Bequemlichkeit. Man wird in ihm weder geschüttelt noch fühlt man sich gerührt. Dies bleibt ganz dem Genuss eines Wodka Martini, James Bonds Lieblingsgetränk, vorbehalten. Dann aber, ohne hinterher ins Lenkrad zu greifen.

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