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Volkswagen macht mit Twindosing den Diesel sauberer

Der Diesel hat zurzeit nicht den besten Ruf. Doch Markus Köhne, Leiter der Entwicklung Dieselmotoren bei Volkswagen, sieht das vermeintliche Ende dieser Antriebsform noch lange nicht gekommen: „Der Diesel gehört zur Volkswagen-DNA. Wir sehen noch immer die Beliebtheit dieser Technik bei unseren Kunden. Immerhin sind 70 Prozent aller verkauften Passat mit einem Diesel-Motor ausgerüstet.“

Von Alexander Voigt

Hinzu kommen die Emissionswerte als wichtiger Beitrag bei der Realisierung der CO2-Flottenverbrauchsziele, die hohe Reichweite und das kräftige Drehmoment. Da überrascht es nicht, dass parallel zur Konzentration auf elektrische Antriebe in Wolfsburg ein neuer Selbstzünder entwickelt wurde, der nach und nach in die Querplattform des Konzerns eingeführt wird. Der neue Zwei-Liter-Antrieb EA288 Evo wird mit 150 PS (110 kW) bereits seit der Modellpflege im vergangenen Jahr im Passat eingesetzt und treibt jetzt auch den Golf 8 an.

Twindosing - doppelte SCR-Einspritzung
Twindosing – doppelte SCR-Einspritzung

Der Motor nutzt eine neue Technik, bei der zusätzliche Katalysatoren im Fahrzeugunterboden eingesetzt werden, um Abgaswerte und Verbrauch deutlich zu verringern. Im Golf erreicht der Motor nun einen im Vergleich zum Vorgänger-Modell um 17 Prozent geringeren Verbrauch (3,7 Liter) und einen CO2-Ausstoß von 97 Gramm pro Kilometer nach der Messmethode NEFZ. Die realitätsnähere Messmethode WLTP kommt auf 119 Gramm.

Um gleichzeitig den Ausstoß der schädlichen Stickoxide zu reduzieren, entwickelte die Mannschaft um Markus Köhne das sogenannte Twindosing. Dabei wird eine ganze Katalysator-Kaskade mit einem Partikelfilter kombiniert: Ein direkt am Motor platzierter Oxydationskatalysator reduziert unverbrannte Kohlenwasserstoffe und das Kohlenmonoxid. Ebenfalls in unmittelbarer Motornähe zur schnellen Aufheizung wurde der Dieselpartikelfilter mit SCR-Beschichtung und eigenem AdBlue-Dosiermodul angeordnet. Schließlich übernimmt doppelter SCR-Kat inklusive Sperrkatalysator und einem zweiten AdBlue-Dosiermodul die Abgasbehandlung im Fahrzeugboden.

SCR-Katalysatoren benötigen hohe Temperaturen, um wirksam zu arbeiten. Allerdings nimmt die Wirkung oberhalb von 400 Grad wieder ab, so dass der unter dem Fahrzeugboden montierte Katalysator eingreift, wenn der SCR-Kat direkt am Motor an seine Reinigungsgrenzen kommt. „Dann schlägt die Stunde des Twindosings“, erklärt Köhne. „Mit dem zweiten SCR-Katalysator im Unterboden können wir bei hoher Belastung und entsprechenden Temperaturen unser Abgasnachbehandlungssystem deutlich ausweiten.“ Diese Verbesserung macht sich vor allem unter Belastung im realen Fahrbetrieb bemerkbar. Die Emissionen verringern sich dabei um bis zu 70 Prozent. Bei Testfahrten über verschiedene Messstrecken im öffentlichen Verkehr ergaben sich Stickoxid-Werte von zwölf bis 19 Milligramm je Kilometer. Der aktuelle EU-Grenzwert steht bei 80 Milligramm!

Die Systementwicklung dieser neuen Technologie begann vor drei Jahren. Sie wird nun nach und nach in Volkswagen Modellen – auch bei den Nutzfahrzeugen wie zum Beispiel dem neuen Caddy – eingesetzt. Mit dem neuen EA288 Evo, der in verschiedenen Leistungsstärken angeboten wird, werden in Zukunft alle neuen 2,0-Liter-TDI mit Twindosing ausgestattet sein.

Der Verbrauch von AdBlue wird dabei, so Köhne, nicht – beziehungsweise nur äußerst gering – steigen: „Wir machen den Einsatz dank Twindosing noch effizienter als bisher.“ Zahlreiche Parameter bestimmen die Fein-Dosierung, wohin genau das AdBlue „befeuert“ wird. Selbstverständlich bedeutet der Schritt vom Mono- zum Twindosing höhere Kosten für das intelligente System aber bei weitem keine Verdopplung.

Das Beispiel Volkswagen zeigt anhand der neuen Technik, wie aufwendig eine effektive Abgasreinigung beim Diesel wird. Der Selbstzünder gehört zwar noch lange nicht zum alten Eisen, doch wird er sich wahrscheinlich angesichts des Aufwands für die Abgasreinigung aus der Motorisierung der preissensiblen (Einstiegs-)Segmente nach und nach verabschieden.

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