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Der scharfe Theo: 48 Lenze und kein bisschen leise – Käfer mit 135 PS

48 Jahre auf dem Buckel, 135 PS im Heck und zwei Rallye-Gesamtsiege auf dem Konto. Ja, der Theo Decker Käfer aus der Sammlung von Volkswagen Classic ist etwas Besonderes. Basierend auf dem Modell 1302 aus dem Jahr 1972 wurde aus dem ehemals handzahmen Alltagsbegleiter jener Tage ein echtes Raubein – nachdem kein Geringerer als „Kultschrauber“ Theo Decker in Essen fachmännisch Hand angelegt hatte. Aber von vorne: Wer ist Theo Decker?

Von Tim Westermann

Den eingefleischten Fans aus der Szene für luftgekühlte Volkswagen muss man hier nicht viel erklären. Kurzum – Theo Decker war eine echte Autorität, wenn es um Käfer-Tuning ging. Der begnadete Schrauber gründete im Jahr 1958 an der Bocholder Strasse 185 im Essener Stadtteil Borbeck seine Tuning Werkstatt. Spezialisiert auf das scharf machen von VW Käfern erarbeitete er sich schnell einen ausgezeichneten Ruf. Denn seinerzeit galten er und die Tuning-Schmiede von Oettinger als einzig richtige Veredler von Motoren. Mit einem Unterschied. Theo Decker fertigte sämtliche Bauteile in seiner Werkstatt selber an. So auch beim Kult-Oldie von Volkswagen Classic.

Der Theo Decker Käfer beim Start zur Silvretta Classic 2013 in Partenen.
Der Theo Decker Käfer beim Start zur Silvretta Classic 2013 in Partenen.

Nach einem Umbau wurde der ursprüngliche 1,6-Liter-Motor auf zwei Liter aufgebohrt. Ferner ergänzten weitere Bauteile das Tuning – unter anderem zwei Weber-Doppelvergaser und ein getunter Auspuff mit Fächerkrümmer. Mit dem Ergebnis von satten 135 PS, anstatt der vorherigen 50. Das Fahrwerk wurde zudem tiefer gelegt und der Käfer auf 195er Reifen mit 15-Zollfelgen gestellt. Übrigens: wie alle 1302 und 1303-Modelle verfügt der „Theo“, wie er intern bei Volkswagen Classic gerne genannt wird, hinten über eine Schräglenkerachse. Die bis in die späten 1960er-Jahre verbaute Pendelachse gehörte der Vergangenheit an. Zwar war die Schräglenkerachse von den Produktionskosten her teurer. Aber das Fahrverhalten des Käfers damit deutlich besser. So viel zur Technik.

Die Silvretta Hochalpenstrasse mit ihren Serpentinen ist das ideale Refugium Für den "Theo".
Die Silvretta Hochalpenstrasse mit ihren Serpentinen ist das ideale Refugium Für den „Theo“.

Und wie fährt er sich? Mit einem Wort: Außergewöhnlich. Spaß pur. Schon beim Anlassen bollert der Vierzylinder-Boxermotor sonor im Heck. Handbremse lösen, kurz den ersten Gang einlegen und rauf aufs Gas. Der Decker-Käfer sprintet mit ohrenbetäubendem Lärm auf die ersten Kurven der Landstraßen zu. Das straffe Fahrwerk lässt eine sportliche Gangart locker zu und vermittelt in jeder Lage ein sicheres, kontrolliertes Fahrgefühl. Die Gänge des manuellen Viergang-Getriebes lassen sich sauber und ohne Hakeln schalten. Dieser Käfer hat so viel Kraft, das auch Überholvorgänge zum Kinderspiel werden. Naja, gerade mal 870 Kilo Leergewicht sprechen bei der Leistung eben ihre eigene Sprache. Um einen besseren Eindruck zu vermitteln, haben wir ein aktuelles Video mit dem Theo Decker Käfer für Euch online gestellt.

Sagt mehr als tausend Worte: Unser Video mit dem Theo Decker Käfer

Mit dem Duft von Benzin im Cockpit – alte Autos haben halt noch Charakter – und dem griffigen Lenkrad erinnert uns der Klassiker auch an seine zwei Rallye-Gesamtsiege. Auf der jährlich ausgetragenen Silvretta Classic trug er 2013 seine Besatzung über rund 650 Kilometer die serpentinenreichen Pisten der österreichischen Alpen rauf und wieder runter zum Titel. Nur zwei Jahre später feierte er bei der China Rallye im Reich der Mitte vor den Toren Pekings seinen zweiten Triumph. Stets sicher und vor allem ganz nach dem Volkswagen-Credo für diese Modellreihe: Zuverlässig. Auch in dieser Saison wird der Sportler bestimmt wieder zum Einsatz kommen.

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