Aktuelles

Nicht nur Virulentes

Fast scheint es, als drehe sich alles nur noch um einen Virus, dabei gibt es doch noch mehr zu berichten. Auch in einer nicht mehr ganz so mobilen Welt.

Während wir in der vergangenen Woche an dieser Stelle noch (fast) ohne Erwähnung von Corona auskamen, hat das Virus in den letzten Tagen die Tagesplanung der Autoindustrie ganz schön durcheinandergewirbelt. Dass so eine Pandemie zuverlässig Messen verhindert, hatten wir schon gelernt. Dass Reisen per se eher minder gut ankommen, wenn man eine Virus-Ausbreitung abschwächen will, die Erkenntnis hat sich erst jetzt so langsam durchsetzt. Ganze sieben Veranstaltungen stehen derzeit für die nächsten drei Monate in unserem Kalender, normalerweise sind es eher 100 als 50. Und ob die drei geplanten Präsentationen für nächste Woche überhaupt stattfinden, warten wir mehr oder minder gespannt ab.

Auch ohne Veranstaltungen passiert wundersamerweise und bekanntlich jeden Tag so viel, wie in eine Zeitung passt. Das Internet nimmt noch zusätzlich Meldungen auf, aus journalistischer Sicht besteht also kaum Grund zu klagen. Jedenfalls nicht mehr als sonst auch. Weil uns aber das Klagen an sich nicht weiter bringt – es ändert an den Umständen in der Regel nichts, aber man hat schlechtere Laune – widmen wir uns lieber den kleinen versteckten Themen der Woche.

Da war zum Beispiel der Fahrer eines E-Autos – die Marke tut ausnahmsweise nichts zur Sache – dem auf dem Weg zum Ziel klar wurde, dass sein Energievorrat etwas knapp kalkuliert war. Also stoppte er an einer Baustelle deren Tor offen stand, klemmte kurzerhand sein Ladekabel an den Baustellenstrom an und füllte so seine Batterie. Zumindest ein bisschen. Er hatte in der Freude über die freie Zapfstelle leider übersehen, dass auf der Baustelle eine neue Polizeileitstelle entsteht und das Areal deshalb überwacht wird. Das merkte er erst, als Polizeibeamte auftauchten und ihn des Stromdiebstahls und des unerlaubten Eindringens in eine Baustelle bezichtigten. Jetzt weiß der gute Mann, dass die Entziehung elektrischer Energie eine Straftat darstellen kann und sieht einem entsprechenden Strafverfahren entgegen.

Apropos Strafen: Bis zu 30.000 Euro können fällig werden, wenn man in Frankreich sein E-Bike tunt. Hilfsweise darf man auch ein Jahr mit Ausgangssperre unter öffentlicher Aufsicht leben. Ganz schön tough, unsere Nachbarn. Bislang war uns nicht bewusst, wie gefährlich so ein getuntes Fahrrad für die öffentliche Ordnung ist.

Ganz so teuer dürfte es nicht werden, wenn man in den Niederlanden das neuerdings geltende Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen reißt, aber es wird sicher teuer als bei uns. Und selbst hier sind die Strafen verschärft worden. Wo man früher zweimal im Jahr mit 26 km/h mehr als erlaubt erwischt werden musste, damit der Führerschein eine Pause bekam, reicht jetzt einmal. Innerorts ist die gefährliche Grenze sogar auf 21 km/h abgesenkt worden. Wer also Pech mit der Lesefähigkeit der Tachoanzeige oder schlichtweg zu schwere Füße hat, sei hiermit auch von dieser Stelle noch einmal erinnert und kann somit nicht sagen, er hätte nichts gewusst.

Gewusst oder nicht, München wird bekanntlich die neue IAA-Stadt und ist schon jetzt Deutschlands heimliche Stauhauptstadt. Jedenfalls hat der Verkehrsdatendienstleister Inrix nach Auswertung seiner Zahlen herausgefunden, dass Münchens Autofahrer im vergangenen Jahr durchschnittlich schlanke 87 Stunden im Stau standen. Berlin lag mit 66 Stunden auf Platz zwei. Das ist zweifellos blöd für die Betroffenen. Die gute Nachricht lautet: Es könnte alles noch viel schlimmer sein. Der Autofahrer in Rio steht jährlich 191 Stunden still, in Paris und Rom sind es 165 und 166 Stunden. Das ist, grob geschätzt und ohne weiteren Corona-Einfluss ungefähr ein Arbeitsmonat.

Im hügelig-ländlichen Umfeld unseres Arbeitsplatzes stehen wir im Jahr – ohne das nun genau ausgewertet zu haben – im Schnitt wahrscheinlich ungefähr ein Viertelstündchen im Stau, und das auch nur, weil wir mal wieder vergessen haben, dass gerade der Regionalexpress vorbeisaust und deshalb die Schranke für ungefähr 2 Minuten geschlossen ist. Aber das nur am Rande. Es soll ja keiner neidisch werden. Dafür ist hier aber auch so wenig los, dass sich selbst so ein Virus ganz schön lange Zeit lässt, bis er mal jemanden trifft. Sonst noch was? Nächste Woche wieder. SP-X

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