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Pure ETCR: Rennserie für Elektro-Tourenwagen geht 2020 an den Start

In Paris präsentierte sich die ETCR Rennserie für vollelektrische Tourenwagen erstmals der Öffentlichkeit. Unter dem Namen „Pure ETCR“ geht die Serie ab Juli 2020 auf Promo-Tour. 2021 wird erstmals eine Meisterschaft ausgefahren.

Von Björn-Lars Blank

 „Ausfahren“ ist dabei wörtlich zu nehmen. Denn das sportliche Konzept sieht eben keine Rundstreckenrennen nach klassischem Motorsportmuster vor. Vielmehr treten die Piloten in Vierer-Gruppen in sogenannten „Battles“ gegeneinander an. Der beste Fahrer eines Laufs sammelt die meisten Punkte. Pro Rennwochenende soll es drei Durchgänge geben, ehe die vier Top-Fahrer um die Plätze auf dem Podium fahren.

Die Batterie für die ETCR liefert Williams, der Reifen ist ein Einheitspneu von Goodyear. Die Kapazität der Batterie beträgt 62 Kilowattstunden. Das reicht nach offiziellen Angaben für eine Renndauer von 21 Minuten, das viermalige Nutzen der „Push-to-Pass“ Funktion inklusive. Die Ladedauer von 10 auf 90 Prozent der Kapazität beträgt eine Stunde, bei 60 kW Ladestrom. Ein ETCR-Rennwagen kommt dauerhaft auf 300 kW (408 PS) Leistung, mit Boost (Push-to-Pass) sind es kurzzeitig deren 500 kW (680 PS). Die Leistung wird von einem Ein-Gang-Getriebe an die Hinterachse übertragen.

Im Jahr 2020 geht die Serie zunächst auf Promotiontour. Der erste Auftritt erfolgt beim Goodwood Festival of Speed vom 9. bis zum 12. Juli. Im Zeitfahren werden sich dort zwei ETCR-Boliden messen. Demoveranstaltungen in Kopenhagen, am Salzburgring und in Inje (Südkorea) im Rahmenprogramm der WTCR-Serie (Tourenwagen-Weltcup der FIA) sowie in Guangdong (China) runden die Tour 2020 ab. Das 24 Stunden-Rennen in Daytona (USA) am 30. Januar 2021 bildet einen weiteren Promotion-Termin, ehe es später im Jahr 2021 erstmals um Meisterschaftspunkte gehen wird. Mit 18 Fahrern kalkuliert die Pure ETCR für die erste Wettbewerbssaison, für die auch ein Status bei der FIA angepeilt ist. Acht Rennwochenenden, von denen vier in Europa stattfinden sieht der Plan vor. 2022 soll auf zehn Rennevents aufgestockt werden.

Hinter der vollelektrischen Serie steckt mit Eurosport Events der gleiche Ausrichter wie bei der WTCR (World Touring Car Racing). Vermarkter Francois Ribeiro meint auf die Frage, warum man jetzt auch elektrischen Motorsport organisiert: „Es ist an der Zeit dafür. Jeder sieht die Entwicklung in der Automobilbranche derzeit. Der Motorsport kann das nicht ignorieren.“ Dabei betonte er auch, dass die ETCR kein Ersatz für die WTCR sein soll. Vielmehr erhofft man sich durch Crosspromotion ein Nebeneinander der beiden Rennserien. Mit Cupra und Hyundai haben zwei Automarken bereits Fahrzeuge für die ETCR entwickelt und waren in offizielle Entwicklungsphasen mit der Serie involviert. „Hersteller können bei Tourenwagen auch ihr tatsächliches Produkt zeigen, nicht bloß eine Technologie. Das galt schon immer und gilt heute mehr denn je“, rechnet sich der Vermarkter Chancen aus, um weitere Marken ins Boot holen zu können.

Mit der Pure ETCR formiert sich der erste Tourenwagen-Wettbewerb mit rein elektrischen Rennern. Das bisher populärste E-Format im Motorsport ist die Formel E. In deren Rahmen trägt der britische Hersteller Jaguar mit der i-Pace Trophy auch einen vollelektrischen Markenpokal aus. Opel hat mit dem Corsa-e derweil einen Rallyecup auf den Weg gebracht. „Elektrisch – Das ist die Zukunft des Motorsports“, ist sich auch Marcello Lotti sicher. Lotti ist der Mann, der sich das Konzept der TCR ausgedacht hat, dass heute von vielen Tourenwagenserien weltweit adaptiert wurde. Auch für die neue Pure ETCR legte der Italiener den konzeptionellen Grundstein.

Die Promotion-Veranstaltungen der Pure ETCR im Überblick:

2020

9. – 12. Juli: Goodwood Festival of Speed, England

24. – 26. Juli: Salzburgring, Österreich

1. – 2. August: Kopenhagen, Dänemark

16. – 18. Oktober: Inje Speedium, Südkorea

November (genaues Datum steht noch nicht fest): Guangdong, China

2021

30. – 31. Januar: 24 Stunden-Rennen in Daytona, USA

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