Allgemein

Bremen Classic Motorshow: Anerkannter Start der Oldtimer-Saison 2020

Jetzt ist sie volljährig! Mit der 18. Auflage dürfte sich die Bremen Classic Motorshow am vergangenen Wochenende nun endgültig als Fixpunkt in den jährlichen Terminkalender der Oldtimer-Enthusiasten geschrieben haben. Rund 45.000 Besucher an lediglich drei Tagen können nicht irren.

Von Alexander Voigt

Diesen Erfolg als Auftakt der Klassiker-Saison schätzen und nutzen inzwischen auch die Großen der Szene: Der PS-Speicher aus Einbeck zum Beispiel verkündete an der Weser die Öffnung seiner sämtlichen Depots. Ab Sommer 2020 können die Besucher – teilweise in geführten Kleingruppen – die größte zugängliche Oldtimersammlung Europas erkunden. In Süd-Niedersachsen warten dann in vier Schaudepots und dem PS-Speicher selbst insgesamt rund 2.500 Exponate auf die Gäste aus aller Welt: 1.200 historische Motorräder, 630 PKW, Klein- und Kleinstwagen, 200 Lkw und Busse sowie eine Sammlung mit Elektrofahrzeugen und eine weitere mit Lanz Bulldogs.

Das Restaurationsteam des 1. Käferclub Wolfsburg auf der Bremen Classic Motorshow
Das Restaurationsteam des 1. Käferclub Wolfsburg auf der Bremen Classic Motorshow

Volkswagen Classic präsentierte sich unter dem Motto „Tradition verbindet“ gemeinsam mit Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer, Audi Tradition, Volkswagen Classic Parts sowie dem „1. Käferclub Wolfsburg e.V.“ in der Halle 5: „Einer der schönsten Wagen der Welt“. So titelte im September 1955 die „Gute Fahrt – Die Zeitschrift für den VW-Fahrer“. Die elegante Linie des Volkswagen Karmann Ghia verzauberte Fachpresse wie Autofahrer der Wirtschaftswunderzeit. 65 Jahre später startet Volkswagen Classic mit dem Jubiläum des „Typ 14“ in die Oldtimer-Saison 2020. Auf der Bremen Classic Motorshow erinnerte ein besonderes Exemplar an italienische Eleganz auf solider Käfer-Basis: das – am 31. Juli 1974 mit 50 PS aus 1.584 ccm und in Phönixrot lackierte – letztgebaute Typ 14 Coupé. Bisher war dieses besondere Fahrzeug nur in der werkseigenen Automobilsammlung Volkswagen Osnabrück zu besichtigen. An der Weser präsentierte Volkswagen Classic den Letzten seiner Art zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit.

Letztgebauter Karmann Ghia aus der Sammlung von Volkswagen Classic Osnabrück
Letztgebauter Karmann Ghia aus der Sammlung von Volkswagen Classic Osnabrück auf der Bremen Classic Motorshow

Unmittelbar benachbart begann der „1. Käferclub“ während der Messe, ein „Standzeug“ aus der Garage eines Club-Mitgliedes in ein TÜV-fähiges Fahrzeug zu verwandeln. „2019 haben wir hier in Bremen einen Käfer restauriert“, berichtet der Vorsitzende des Wolfsburger Vereins, Björn Schewe: „Dabei kamen so tolle Gespräche mit den interessierten Besuchern zustande, dass unsere begeisterten Mitglieder sich zum Teil extra Urlaub genommen haben, um dieses Jahr erneut dabei zu sein.“ 2020 – 65 Jahre nach der ersten Präsentation italienischer Eleganz auf solider Käfer-Basis – möchte der Club einen Karmann Ghia zurück auf die Straße bringen. Auf der Messe können natürlich keine Karosseriearbeiten durchgeführt werden.

Das Restaurationsteam des 1. Käferclub Wolfsburg bei der Arbeit
Das Restaurationsteam des 1. Käferclub Wolfsburg bei der Arbeit

Daher geht diese Instandsetzung in unorthodoxer Reihenfolge von statten: Front- und Motorklappe des Klassikers aus dem Jahr 1962 sind geöffnet und während man sich vorne um die Radaufhängung und die Lenkung kümmert, ist am Heck der 34 PS-starke, 1200 ccm große Boxer bereits ausgebaut. Oberflächen werden gereinigt und somit der Motor langfristig wieder lauffähig gemacht. Die erforderlichen Schweißarbeiten werden dann im Anschluss der Bremen Classic Motorshow von einem erfahrenen Karosseriebauer in einem besser passenden Umfeld durchgeführt. Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer feierte am Wochenende „30 Jahre T4“. Kaum zu glauben, aber die ersten Exemplare dieser Transporter-Generation werden in diesem Jahr das begehrte H-Kennzeichen bekommen und damit offiziell zum Oldtimer geadelt. Dafür hatten die Hannoveraner – neben einem 1965er T1 „Samba-Bus“ Restaurationsprojekt – ein ganz besonderes Exemplar im Gepäck: „Moosi“ – ein Multivan T4 Allstar. Der wurde 1994 eigens für einen Langzeittest produziert, der im Ingenieursdeutsch „Freilandbewitterung“ genannt wird. Es sollte getestet werden, wie stark ein Wagen verwittert, der über Jahre draußen steht und jedem Wetter ausgesetzt ist. Und so kam es: Der T4 stand 16 Jahre auf einem Volkswagen Prüfgelände herum. 2010 wurde er wieder „geweckt“, von einer dicken Moosschicht befreit, neu lackiert und technisch durchgecheckt. Testergebnis: Das Wetter kann einem T4 kaum etwas anhaben. Positiver Nebeneffekt des Tests: ein T4 mit nur 3.264 Kilometern auf dem Tacho. Der 44 kW / 60 PS starke „Moosi“ dürfte also einer der T4 mit der weltweit niedrigsten Kilometerleistung sein.

%d Bloggern gefällt das: