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Volkswagen profitiert vom „Testfeld Niedersachsen“

Die zahlreichen Masten und ihre Apparaturen sind nicht zu übersehen: Aufmerksamen Fahrern auf der Autobahn 39 werden die 71 Kameras zwischen dem Kreuz Wolfsburg-Königslutter und Cremlingen bereits aufgefallen sein. Auf der neuen Versuchsstrecke werden über rund sieben Kilometer aber nicht alle paar Meter mögliche Verkehrssünder „geblitzt“. Ganz im Gegenteil – hier wird seit dem 8. Januar 2020 der gesamte Verkehr erfasst, um ihn für die Zukunft des automatisierten und assistierten Fahrens auszuwerten.

Von Alexander Voigt

Nach seinem vollständigen Aufbau wird sich das „Testfeld Niedersachsen“ im Bereich Wolfsburg, Braunschweig, Hildesheim und Hannover auf rund 280 Kilometer entlang der Autobahnen A2, A39, A391 sowie mehrerer Bundes- und Landstraßen erstrecken.

Foto: Volkswagen

Auf dem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebenen ersten Abschnitt entlang der A39 wird anhand von hochauflösenden Kameras das Fahrverhalten sämtlicher Verkehrsteilnehmer aufgezeichnet. Das geschieht anonymisiert: Sobald die Kameras erkannt haben, um was für ein Fahrzeug es sich handelt, wird es für die Datenerfassung durch einen farbigen Quader ersetzt. Kennzeichen und Insassen spielen ab jetzt keine Rolle mehr. Erfasst werden sogenannte Trajektorien; es handelt sich dabei um Geraden und Kurven, die nur die Bewegungen des jeweiligen Fahrzeuges abbilden.

Volkswagen – Partner des „Testfeldes Niedersachsen“ – erhofft sich auf der vom Land Niedersachsen und DLR finanzierten Strecke neue Erkenntnisse für das automatisierte Fahren. Anhand der Informationen, die in dieser Menge so bisher noch nicht existierten, werden die Wolfsburger an der Verbesserung der Software für das automatisierte Fahren arbeiten: „Uns kommt es in erster Linie darauf an, dass wir Erkenntnisse und Daten darüber sammeln können, wie sich der Verkehr tatsächlich verhält, um daraus Rückschlüsse für die Software für das autonome und assistierte Fahren zu gewinnen“, erklärt Sven Klomp, Projektleiter in der Vorentwicklung von Assistenzsystemen.

Neben der Erfassungstechnik wurde auch für Entwicklungszwecke die pWLAN-Technologie installiert, die für die direkte Kommunikation von Fahrzeugen untereinander und mit der Verkehrsinfrastruktur sorgt. Diese so genannte „Car2X“-Technologie findet sich bereits jetzt serienmäßig im neuen Volkswagen Golf VIII wieder und wird künftig auch im ID.3 zum Einsatz kommen. Diese Direktkommunikation stimmt sich innerhalb von Millisekunden mit ihrem Umfeld ab und kann den Fahrer so über Gefahrenstellen und -situationen informieren, bevor dieser solche überhaupt wahrgenommen hat. pWLAN dient hier speziell für die lokale Kommunikation zwischen den Fahrzeugen.

Je nach Umfeld kann das Signal über eine Reichweite von 150 Metern in der Stadt und bis zu 800 Metern auf dem Land oder der Autobahn übertragen werden. So warnen Fahrzeuge zum Beispiel vor ungesicherten Bahnübergängen, Stauenden oder Baustellen. Zudem werden die Fahrer informiert, was die flexiblen Verkehrsleitsysteme anzeigen oder dass sie eine „grüne Welle“ nutzen können, wenn sie ihr Tempo anpassen. Oder die angezeigte Restlaufzeit der Rot-Phase der nächsten Ampel ermöglicht auf dem Weg dorthin eine optimale Rekuperation eines E-Fahrzeuges.

Auf dem Autobahnabschnitt der A39 sowie künftig auch in zahlreichen anderen Bereichen des Testfeldes Niedersachsen ist diese Zukunftsmusik teilweise schon möglich. Durch das Zusammenspiel von Kameraerfassungstechnik und Car2X-Kommunikation kann dort schon heute eine 100-prozentige Car2X-Ausstattung aller Fahrzeuge simuliert werden. Hierzu wird für jedes von den Kameras erfasste Fahrzeug eine pWLAN-Botschaft generiert und ausgesendet. Die Signale werden aktuell jedoch nur für spezielle Testzyklen gesendet und erst im nächsten Schritt werden Fahrzeuge, die wie der neue Golf mit der „Car2X“-Technologie ausgestattet sind, davon in der Fläche profitieren.

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