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Volkswagen Nutzfahrzeuge: Fuck.up-Night mit dem Aufsichtsrat

Jeder macht Fehler; wir lernen daraus! Das ist ein Motto der „Fuck.up-Night“ von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Am vergangenen Mittwoch Abend gastierte die inzwischen zur Kultveranstaltung gewordene Veranstaltung der Hannoveraner im „Mobile Online Dienste“ (MOD)-Projekthaus im angesagten Stadtteil List.

Von Alexander Voigt

Und auch bei der dritten Auflage mussten die rund 120 Teilnehmerplätze unter den an dem Event Interessierten aus den Reihen der Belegschaft verlost werden. Schließlich ist es dem Organisationsteam aus den unterschiedlichsten VWN-Bereichen erneut gelungen, eine Führungskraft davon zu überzeugen, einen persönlichen Moment der Niederlage, eines Misserfolges darzulegen und zu berichten, welche positiven Schlussfolgerungen sie daraus für ihre weitere Karriere gezogen hat. Nach dem Chef persönlich – Thomas Sedran eröffnete die erste „Fuck.up-Night“ und dem damaligen Fahrzeugbauleiter Joachim Butzlaff, lauschte das Publikum dieses Mal dem Mitglied des Aufsichtsrates der Volkswagen AG und der Betriebsratsvorsitzenden Volkswagen Nutzfahrzeuge Bertina Murkovic.

Nicht eine Sekunde habe sie gezögert, als sie die Anfrage, an diesem Abend mitzuwirken, erreicht habe, unterstrich Murkovic gleich zu Beginn, für wie wichtig sie dieses Erfolgsformat erachtet. Schließlich könne der begonnene Transformationsprozess nur gelingen, wenn die Belegschaft eingebunden wird. Dazu gehöre neben der verfassten, demokratischen Mitarbeiterbeteiligung bei Volkswagen, auch die Unternehmenskultur insgesamt zu verbessern und an jedes Thema anders heranzugehen, als es noch vor zehn Jahren der Fall war.

Ihre größte persönliche Niederlage habe sie genau am 12. Juni 2013 erlitten. An diesem Tag erklärte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt die Volkswagen Nutzfahrzeuge Betriebsratswahlen 2010 aufgrund eines technischen Fehlers bei der Durchführung für komplett unwirksam. Damit waren von einer Minute zu anderen rund 14.000 Mitarbeiter für drei Monate ohne eine funktionierende Vertretung gegenüber der Geschäftsführung. Für insgesamt 41 Betriebsräte bedeutete das, umgehend und ohne Klarheit über die weitere Zukunft in ihre ursprünglichen Unternehmensbereiche zurückkehren zu müssen. Murkovic kam in den Vertrieb: „Ich wurde quasi in kaltes Wasser geworfen und musste mich sprichwörtlich bewegen, um nicht zu ertrinken.“ Das „Ausprobieren verschiedener Schwimmstile“ führte dabei zwar zur Erweiterung des persönlichen Wissens- und Erfahrungshorizontes, aber gleichzeitig auch zu der Erkenntnis, die alltägliche Vielfalt der Themen bei der Arbeit als Betriebsrätin zu vermissen.

Damit brachte Murkovic ihr größtes persönliches „Fuck.up“ auf folgenden Punkt: „Den Wert einer Aufgabe erkennt man erst, wenn man sie nicht mehr hat!“ Dabei sei es wichtig, die notwendigen Dinge anzupacken, bei Misserfolgen immer wieder aufzustehen und weiterzumachen. Das ginge aber nur, wenn die Kolleginnen und Kollegen sich – wie bei der Volkswagen Nutzfahrzeuge „Fuck.up-Night“ – gut kennlernen, sich austauschen und daraus automatisch eine Netzwerkarbeit entsteht. Murkovic: „Macht Euch gegenseitig stark!“

Betriebsratsvorsitzende Volkswagen Nutzfahrzeuge: Bertina Murkovic

Neben einer VW-Führungskraft berichten stets auch „normale“ VWN-Mitarbeiter über ein persönliches „Fuck.up“. Janine Steinmann aus dem Team „Agile Booster“, das den kulturellen Wandel im Unternehmen voranbringen soll, schilderte, wie aus einer visionären Präsentation vor dem Volkswagen Nutzfahrzeuge Vorstand ein absolutes Desaster wurde. Der Vorstand wollte nur wissen, wie die nächsten Schritte für die nahe Zukunft aussehen sollen: „Darauf hatten wir keine Antworten“, erinnerte sich Steinmann und weiter: „Ich hatte anschließend das Gefühl, nichts mehr richtig zu machen. Feedback als Geschenk betrachten? Fand ich nicht!“ Erst nach einer beruflichen Auszeit in Schweden und zahlreichen Gesprächen fasste sie wieder Tritt: „Es gibt Momente, in denen gesagt werden muss, jetzt erst recht!“ und „Wenn Du aufhören willst, überlege, warum Du angefangen hast!“ sind zwei Lehren, die Janine Steinmann für sich aus der persönlichen Niederlage gezogen hat.

Der dritte Referent des Abends war der Tradition der „Fuck.up-Night“ folgend ein Externer: Markus Scheele, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Hannoveraner event it AG, berichtete, wie er nach dem Unfalltod seines 19-jährigen Bruders dessen bereits absehbare Rolle in der Familie übernahm: Er absolvierte neben seinem Wirtschaftsstudium eine Dachdeckerlehre, um den väterlichen Betreib übernehmen zu können. Erst Jahre später in der Meisterschule gestand er sich und seinem Vater, dass er diesen Weg nicht mehr weitergehen kann: Es war einfach nicht mehr das, wofür er jeden Morgen aufstehen wollte. Seit diesem entscheidenden Punkt in seinem Leben ist Scheeles Credo: „Arbeit muss Spaß machen.“ Wohl dem, der dieses Ziel in seinem Arbeitsleben umsetzen kann.

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