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Digitale Revolution, analoger Fahrspaß

Fallen internationale Fahrpräsentationen neuer Modelle auf das Ende des Jahres, wird häufig das südliche Europa gewählt, um den Fotografen ihre Jagd nach perfekten Bildern zu erleichtern. So auch der Plan beim neuen Golf 8.

Von Alexander Voigt und Tim Westermann

Vom Atlantik bei Porto im Norden Portugals ging es durch das Douro-Tal – seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe. Die Herbstsonne taucht das Laub der Weinberge der Jahrhunderte alten Kulturlandschaft in ein mildes Licht und lässt das blaue Wasser des Flusses funkeln – es hätte so schön sein können… Stattdessen liegt die niedrige Wolkendecke wie ein Deckel unmittelbar über dem nebelverhangenen Flusstal. Der Herbstregen kommt waagerecht und löst dabei sogar den „Side Assist“ am Außenspiegel aus. Riesige Wasserflächen auf der Straße, mehr Bäche als Rinnsale fließen die Hänge herab und queren die schmalen Bergstrecken. Stets optimal ausgeleuchtet durch das neue „IQ.Light“ des Golf 8. In dieser Topversion kommen erstmals in der Kompaktklasse LED-Matrixscheinwerfer zum Einsatz, die die Nacht zum Tag werden lassen, bis ein Fahrzeug entgegenkommt oder das nächste Bergdorf durchfahren wird. Dann blendet das neue Lichtsystem (partiär) ab.

Gefahren wurde ausschließlich die neue Top-Ausstattungslinie „Style“, die mit der Basisversion „Golf“, der mittleren „Life“ und der sportlichen „R-Line“ die bisherigen „Trend“-, „Comfort“- und „Highline“ ablösen wird. Ist dabei bereits das serienmäßige Fahrwerk ein Genuss, lässt dieser sich noch durch die neueste Version des DCC weit über das in der Kompaktklasse Übliche optimieren. Damit kann das Kurven- und Ansprechverhalten auf Lenkbefehle von komfortabel-ruhig bis sportlich-agil eingestellt werden.

Der Golf 8 ist unverkennbar die neueste Version des Bestsellers: eindeutig zu erkennen, sowohl von vorne (auch im Rückspiegel), als auch (vorausfahrend) an seiner Heckpartie. Aber er ist sportlicher als jemals zuvor. Die Front des 4,28 Meter langen Wolfsburgers ist deutlich flacher gestaltet worden als beim Vorgänger. Die dadurch auf 2,21 Quadratmeter reduzierte Stirnfläche führt zu einer Absenkung des Luftwiderstandbeiwertes (cw) auf 0,275. Und die um fast drei Zentimeter in der Höhe reduzierte, flach auslaufende Dachlinie sorgt ohne Komfortverlust im Innenraum für ein noch dynamischeres Erscheinungsbild des neuen Golf.

Bei der Antriebspalette hinterlassen vor allem die neuen TDI-Motoren mit Twindosing-SCR und der eTSI mit 110 kW / 150 PS im Zusammenspiel mit einem Sieben-Gang-DSG-Getriebe einen bleibenden Eindruck. Die neuen TDI gehören mit um bis zu 80 Prozent reduzierten Stickoxid-Emissionen im Vergleich zum Vorgänger zu den saubersten Verbrennungsmotoren der Welt. Das 48-Volt-Mild-Hybrid-System der eTSI-Modelle ermöglicht bei abgeschaltetem Motor komfortabel zu „segeln“ und bietet durch das elektrische Boosten eine außergewöhnlich gute Anfahrperformance.

Im Interieur erwartet den Fahrer die digitale Revolution – bestimmt durch die komplett neue Display-Landschaft: Das „Digital Cockpit“ gibt es nun serienmäßig. Es wird durch das optisch unmittelbar anschließende Display des Infotainmentsystems ergänzt. Drehregler sucht man im neuen Golf vergebens. Und die intuitive – nahezu frei konfigurierbare – Menü-Anordnung ist so gut, dass selbst die Höheneinstellung des neuen, gestochen scharfen Head-Up-Displays innerhalb weniger Sekunden auffindbar ist.

Ein optionales Ambiente-Licht mit unzähligen Farben rundet das hochwertige Interieur ab. In der Style-Version ist garantiert jede Farbkombination eines deutschen Fußballvereines einstellbar. Aber bevor darüber ein Streit ausbricht, taucht bereits die Unterkunft aus der Dunkelheit auf. Davor aufgereiht die fahrbereite Traditionslinie Golf 1 bis 7. Danke, nein, aber bei diesen Wetterverhältnissen kann man wirklich froh sein, den Golf 8 zu fahren.

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