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Sauerland Klassik gehört fortan zum Brauchtum

Auch im Sauerland gilt das alte Sprichwort: „Alle guten Dinge sind drei!“ – Was zweimal stattfindet, ist dort bereits mehr Tradition als schnöde Wiederholung und ab dem dritten Mal gehört es offiziell zum Brauchtum. Damit dürfte nun die Pflicht der Veranstalter unter der Leitung des mehrfachen Deutschen Rallyemeisters Peter Göbel bestehen, auch die Oldtimer-Saison 2020 mit der dann vierten Sauerland Klassik ausklingen zu lassen.

Von Alexander Voigt

Am vergangenen langen Wochenende galt es jedoch, erst einmal die dritte Auflage der Rallye durch das „Land der 1000 Berge“ zu absolvieren. Rund 130 automobile Preziosen nahmen knapp 670 Kilometer der schönsten Strecken durch das Sauerland unter ihre Räder. Das älteste Eisen im Feld war ein Austin Seven Ulster aus dem Jahr 1928, gefolgt von weiteren zehn namhaften Vorkriegs-Klassikern, bevor ein Land Rover der „Serie 1“ aus dem Jahr 1949 die Baujahre der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anführte.

Dreh- und Angelpunkt der Sauerland Klassik war auch in diesem Jahr die alte Hansestadt Attendorn am Westrand des rauen Landstriches im Herzen Deutschlands, der von modernen Autobahnen lediglich eingerahmt aber nicht durchschnitten wird. Beste Voraussetzungen also, die Oldtimer ihrer Zeit gemäß auf malerischen Nebenstrecken über zahlreiche Hügel, durch romantische Täler und entlang der Ufer der unzähligen Talsperren zu bewegen. Gleich zum Start am 3. Oktober gab es einen ersten Eindruck von dem automobilen Enthusiasmus der Sauerländer: Bei (noch) bestem Wetter bevölkerten Tausende den Startbereich in der Attendorner Altstadt. Zum ersten Mal ging es gleich zum Auftakt der Rallye in das Bergische Land, wo es auf der bereits 1965 eröffneten Kartbahn Oberberg zur ersten anspruchsvollen Wertungsprüfung – von insgesamt 21 – der Sauerland Klassik 2019 kam. Durch das Wildenburger Land ging es über die historische Fachwerkstadt Freudenberg bis zur Hohen Bracht – einer dann leider bereits Regen umwehten Bergkuppe vor den Toren Attendorns.

Seat ist seit der Erstauflage der Rallye im Jahr 2015 dabei und war in diesem Jahr mit zwei ausgewählten Klassikern aus der eigenen Sammlung „Coches Históricos“ am Start. Neben dem Seat 1430 Especial 1600 Familiar von 1975 ging auch erstmals ein Seat 850 Coupé von 1968 auf einen deutschen Rallyekurs. Stark vertreten waren auch die historischen Abteilungen von Jaguar und Land Rover Deutschland sowie Skoda, die mehr oder weniger die jeweilige Firmengeschichte der vergangenen Jahrzehnte anhand von einigen ausgewählten Stücken rollenden Materials zur Freude der Zuschauer abbildeten.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen zweier Parallel-Wertungsprüfungen auf den Flugplätzen Meschede und Allendorf. Die Königsetappe führte das Feld bis nach Hessen und durch das Siegerland zurück zum Ausgangspunkt. Leider machte das Wetter einem angenehmen Fahren einen Strich durch die Rechnung. Aber auch die Zuschauer an den Straßenrändern trotzten dem kalten Herbstwetter und sogar heftigem Regen. Diese Art von Begeisterung sieht man nicht häufig in Deutschland. Und auch daher verdient die Sauerland Klassik dauerhaft im Oldtimer-Rallye-Kalender aufzutauchen.

Zum Abschluss ging es über das Hochsauerland mit den Wintersport-Einrichtungen in Winterberg – eine herausfordernde Wertungsprüfung entlang der berühmten Bobbahn inklusive – zurück durch das Wittgensteiner Land – vorbei am Schloss Bad Berleburg und der Wisent-Wildnis-Wittgenstein – nach Attendorn.

Dabei begeisterte der Seat 1430 Especial 1600 Familiar sowohl die Konkurrenz als auch die Zuschauer an der Strecke. Bei einem Gewicht von nur 980 kg und einer Leistung von 70 kW (95 PS) schafft der Seat 1430 Especial 1600 eine Höchstgeschwindigkeit von beachtlichen 
170 km/h. Damit überraschte die Besatzung zahlreiche Sportwagen der vergangenen Jahrzehnte und machte dem Ruf, einen der ersten Sport-Kombis zu fahren, alle Ehre. Platz sechs der Gesamtwertung kam am Ende noch hinzu. Die geringe Stückzahl von 852 Exemplaren des Seat 1430 Especial 1600, von denen über 60 Prozent an die spanische Polizei gingen, macht ihn heute zu einem sehr seltenen, bei Sammlern begehrten Modell.

Noch besser waren jedoch die Gesamtsieger der Sauerland Klassik 2019: Stefan und Sabine Kunze aus Herdecke sicherten sich mit ihrem BMW 1802 aus dem Jahr 1975 und lediglich 526 Strafpunkten am Ende der drei Tage Platz 1.

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