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In vier Tagen zum 911er

Bei allem Erfolg des Cayenne und Macan, Porsches wichtigstes Fahrzeug ist und bleibt der 911. Kein anderer Wagen verkörpert den Namen und das Image von Porsche so wie der 911er. Auch die 2019 debütierende neueste Version des „Elfers“ mit der Typnummer 992 fertigt der Sportwagenhersteller an seinem Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen – auf Basis eines neuen Baukastens.

Porsches Produktion des neuen 992 im Blickpunkt

Von Björn-Lars Blank

Seinen Produktionsstandort hat Porsche für den 992 umgestellt und eine neue Basis, die MMB-Plattform (modularer Mittelmotor Baukasten) eingeführt. Der neue 911er steht als erstes Fahrzeug auf der MMB-Plattform, wenngleich er traditionell über einen Heckmotor verfügt. 

Für den 992 wurde expandiert: 2016 erhöhte Porsche zunächst die Kapazitäten, ehe das Werk Zuffenhausen 2017 unter der Bezeichnung „J1“ erweitert wurde. Heute sind 5500 Mitarbeiter in der Produktion des 992 beschäftigt. Ein 911 wird innerhalb von vier Tagen produziert. 250 Fahrzeuge entstehen im Werk pro Tag, wobei künftig auch die kommenden 718er Modelle (Cayman und Boxster) im Stammsitz auf Basis der MMB-Plattform gefertigt werden. Die Motoren entstammen ebenfalls der Stuttgarter Produktion: mehr als 550 Aggregate stellt Porsche nach eigenen Angaben pro Tag fertig.

Eines der Kernstücke des Werkes ist der Karosseriebau, der neu eingerichtet und aufgestellt ist. In einem vierstöckigen Komplex setzt Porsche im Fertigungsprozess auf die Zusammenarbeit von Maschine und Mensch, wobei 280 Roboter ihren Dienst verrichten. Im drei Minuten Takt laufen die Fahrzeuge durch die Produktion. Dabei gleicht ein 911er in den Details kaum dem anderen. „Im Jahr sind maximal zwei 911er absolut identisch von den Ausstattungswünschen“, heißt es aus Porsche-Reihen mit Blick auf das hohe Maß an Individualität. Der Stahlanteil bei der Karosserie des 992 ist um mehr als die Hälfte gesunken. Waren beim Typ 991 noch 63 Prozent des Aufbaus aus Stahl, so beträgt dessen Anteil am 992 nun 30 Prozent. Dafür setzt Porsche auf einen Multi-Materialmix. Mehr Aluminiumkomponenten denn je sind verbaut, dennoch gibt Porsche die Steifigkeit im Beispiel des Carrera 4S als um fünf Prozent besser als beim Vorgängermodell an.

Weitere Ausbaustufen des Werks: Die Sattlerei wurde signifikant erweitert, was dem erhöhten Individualisierungsgrad des Fahrzeuginterieurs geschuldet ist. Zudem wurde die Implementierung des Otto-Partikelfilters angegangen und ein fahrerloses Transportsystem für die sogenannte Fahrzeughochzeit installiert. Ein Förderbandsystem durch Zuffenhausen verbindet die verschiedenen Komplexe in Mitten dieses Stuttgarter Stadtteils. Witziges Detail am Rande: der Tunnel für das Förderband ist dank eines extra Schlenkers 911m lang. 

Mit der erhöhten Konnektivität des Fahrzeugs steigt auch die Komplexität der verbauten Elektronik. 80 Steuergeräte samt 75 Kodiercontainern, 400 Steckverbindungen und 2 Kilometer Kabelstränge finden sich im Inneren eines 992 wieder. Sie bilden die technische Grundlage für 11.000 Diagnose- und 17.000 überwachte Funktionen eines Fahrzeugs. Stichwort „Grundlage“: „Zuffenhausen ist das Herz von Porsche“, sagt Christian Friedl, Vizepräsident des Werks zur Bedeutung des Standortes im Stuttgarter Norden.  

Dieser Herzschlag wird bald elektrisch: Der in den Startlöchern stehende e-Sportwagen Taycan wird am Stammsitz hergestellt. Jener basiert indes noch auf einer separaten Basis, obwohl die MMB-Plattform perspektivisch für den Einsatz bei Elektrofahrzeugen ausgerichtet ist und auch in der gesamten Volkswagen-Konzernfamilie zum Einsatz kommen könnte. Mit der Produktion des Taycan plant Porsche eine Erhöhung der Belegschaft: 2019 sollen 8.000 Mitarbeiter beschäftigt sein. Die Produktivität soll bis 2020 auf 440 Fahrzeuge pro Tag steigen. 

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